Parlamentarischer Abend in Welleringhausen

Hessische Naturparke sind „völlig unterfinanziert“

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Beispiel für Naturpark-Arbeit: Claus Faß führt beim Parlamentarischen Abend durch den Stall. So zeigt er auch Feriengästen, wie die Arbeit in der Landwirtschaft aussieht, weniger schöne Seiten inklusive - etwa die Trennung von Kühen und Kälbern. Kritischen Fragen müsse und wolle man sich stellen.

Die Hessischen Naturparke haben bei der Politik für ihre Anliegen geworben. Es gab positive Signale für bessere Verhältnisse.

Willingen-Welleringhausen - In Welleringhausen haben die Hessischen Naturparke zum Parlamentarischen Abend geladen und Vertretern der Landespolitik ihre Anliegen geschildert – auf dem Familienbauernhof Faß fand das Treffen erstmals im Norden des Bundeslands statt. Dabei waren sie sich einig: Die Naturparke brauchen mehr Geld und Personal.

Die meisten Landtagsabgeordneten aus dem Kreis waren dabei, für die Regierung sprach Dr. Beatrix Tappeser, parteilose Staatssekretärin im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. 

Und sie hatte eine vielversprechende Nachricht: Nicht nur soll 2020 im Knüll der 13. Naturpark des Landes eingerichtet werden, die Landesregierung entwickele derzeit ein Konzept, um dem Finanz- und Personalbedarf der Natur- und Nationalparke gerecht zu werden. Ins Detail ging sie nicht, doch sie verwies auf den Koalitionsvertrag, der Erhaltung und Weiterentwicklung der Parke verspricht.

Staatssekretärin Dr. Beatix Tappeser gab Einblicke in die Haltung der Landesregierung zu Naturparken.

„Wir setzten darauf, dass das in den Haushalt 2021 gelangt“, erklärte Ulrich Krebs (CDU), Landrat des Hochtaunuskreises und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Naturparkträger. Es sei nötig, die finanzielle Unterstützung zu verstetigen. Schließlich tragen die Parks zum Schutz der Wälder bei und förderten den Tourismus. „Sie sind tatsächlich total unterfinanziert und auch unterbesetzt“, stimmte Bürgermeister Thomas Trachte als Vorsteher des gastgebenden Zweckverbands ein.

Er hatte noch eine andere Sorge: „Im Naturpark Diemelsee muss es Windkraft geben, jeder ist verpflichtet, sich dem zu öffnen.“ Allerdings sei es ein großes Problem, wenn die Region Konzentrationszone würde – schließlich lebe sie vom Tourismus. Das werde nicht berücksichtigt. Mit der Gesamtsituation sei er zufrieden, gerade mit der Förderung, um das Mountainbike-Projekt Grenztrail zu entwickeln: „Der wird ganz sicher so manchen Konflikt lösen, was Naturschutz, die Interessen der ruhigen Wanderer und die der Mountainbiker angeht.”

Kreisbeigeordnete Hannelore Behle (SPD) verwies darauf, dass sich nach zwei Trockenjahren die Menge an Schadholz verdoppelt habe. Umso wichtiger sei, dass Naturparks mit der Devise „Schutz durch Nutzung“ zu ihrem Erhalt beitragen. Sie betonte die Bedeutung der Umweltbildung in einer Zeit, „die vom Starren auf Bildschirme bestimmt wird, in der Steinhaufen irrigerweise als Gärten bezeichnet werden und überfahrene Wildschweine mit einem ,großen Hamster mit sehr großen Zähnen‘ verwechselt werden“. 

Naturparke aus Nordhessen stellen Projekte vor

Vertreter dreier Naturparks nutzten den Abend, um Projekte vorzustellen. Der Familienbauernhof Faß sei nicht umsonst als Treffpunkt gewählt worden, erläuterte Bernd Wecker vom Leader-Regionalmanagement – er sei ein gefördertes Vorzeigeprojekt und ein Ideengeber für das Programm „Land.Schnuppern“

Erste Gastgeber des Treffens im Norden des Landes: Die als Agrar-Familie 2019 nominierte Familie Faß.

Gäste werden auf interessante Angebote auf Bauernhöfen aufmerksam gemacht, erklärte Geschäftsführer Dieter Pollack: „Sie lernen den Betrieb kennen, bekommen die Hintergründe erklärt und sehen die Notwendigkeit, etwas am Konsumverhalten zu ändern.“ 

Der Naturpark Habichtswald entwickelte mit Gastronomen und Touristikern die „Wilden Wochen“ zur Vermarktung von Wildfleisch. Das „Habichtswaldschwein“ sei als Name etabliert worden, erklärte Jürgen Depenbrock, das Budget lasse sich aus Anzeigen in der dazugehörigen Broschüre decken. 

Kristin Gampfer blickte für den Naturpark Kellerwald-Edersee auf das Naturschutzgroßprojekt zurück. 6,5 Millionen Euro flossen in Projekte an Steilhängen, im Nationalpark, im Hohen Kellerwald und in Frankenau/Wesetal. Im Anschluss werde es schwierig: Mit Müh und Not könne das Naturparkpersonal das Erreichte grundsätzlich pflegen, eine Weiterentwicklung sei unmöglic

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