Bundesprojekt „Job of my life“ geht für fünf Hotels und Gastronomiebetriebe im Upland in die dritte Runde

Junge Rumänen freuen sich auf Beginn ihrer Ausbildung

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Im Hotel „Sauerland Stern“ kamen gestern die zehn Rumänen und der Ungar zusammen, die ihre Ausbildung im Upland beginnen wollen. Die Projektbeteiligten stellten Neuerungen vor. Foto: -sg-

Willingen - „Ich habe viele nette Personen hier kennengelernt, mir gefällt die schöne Stadt“, sagt die angehende Hotelfachfrau Elena Vicol. „Für mich ist alles sehr interessant“, sagt Mihai Luca. Er freue sich auf seine Lehre als Koch: „Ich mag meine Arbeit - wir sind alle glücklich.“

Wir - das sind zehn Rumänen und ein Ungar aus Baja an der Donau, die zum 1. September ihre Ausbildung im „Upländer Hof“, in den „Bürgerstuben“, in Göbels Landhotel, im Stryckhaus und im Hotel „Sauerland Stern“ beginnen. Diese Woche endet ihr Praktikum, alle wollen ihre Lehre antreten.

Mit dieser Gruppe geht das Projekt „Job of my life“ des Bundes im Upland in die dritte Runde - 2013 und 2014 hatten dort junge Spanier ihre Ausbildung begonnen. Das Arbeits- und Sozialministerium finanziert dieses Sonderprogramm für arbeitslose Jugendliche aus der EU, die einen Schulabschluss haben, aber in ihrer Heimat keine Berufsperspektive sehen - in Rumänien sind rund 23 Prozent der jungen Leute ohne Arbeit.

Derzeit 80 freie Lehrstellen

Ziele des Projekts seien, einen Beitrag zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu leisten und den Facharbeiterbedarf in Deutschland zu sichern, berichtet Jörg Schilling von der Korbacher Agentur für Arbeit. Besetzt würden nur Lehrstellen, für die sich kein deutscher Bewerber gefunden habe, betont er. Es handele sich um eine ergänzende Initiative. Allein in Waldeck-Frankenberg seien der-zeit 80 Ausbildungsplätze im Hotel- und Gaststättengewerbe frei - selbst die Rumänen deckten den Bedarf also nicht ab.

Anders als in den beiden Vorjahren gibt es einen festen Projektträger: das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Gießen, das auch schon die spanischen Jugendlichen begleitet hat. Es hatte 20 Plätze für junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren beantragt, die Agentur für Arbeit hat sie bewilligt.

Daraufhin hat die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, kurz ZAV, in Rumänien Jugendliche ausgewählt. Zehn kamen zusammen - sieben haben Abitur, die übrigen die mittlere Reife. Weil Plätze frei blieben, bekam auch der Ungar eine Chance. Alle durchliefen drei Phasen, erläutert die Projektkoordinatorin des Bildungswerks, die gebürtige Rumänin Ioana Risch:

Ende März kam die Gruppe im rumänischen Hermannstadt zu einem 13-wöchigen Deutsch-Intensivkurs zusammen.

Am 13. Juli begann ein sechswöchiges Praktikum, bei dem die jungen Leute ihre Ausbildungsbetriebe im Upland kennenlernen und ihr Deutsch verbessern - am 31. August steht die Sprachprüfung bei der Volkshochschule in Korbach an.

Zum 1. September sollen sie ihre dreijährige Ausbildung als Hotelfachleute, Restaurantfachleute oder Köche beginnen.

Die Betriebe hoffen, ihre Lehrlinge später als Mitarbeiter übernehmen zu können. Die Industrie- und Handelskammer unterstütze sie bei der Ausbildung, sagt Björn Duen. Das Projekt sei ein Baustein im Kampf gegen den Facharbeitermangel. Das Bildungswerk betreut die jungen Lehrlinge bis zu ihren Abschlussprüfungen.

Als Lehre aus Erfahrungen der Vorjahre wurde die Sprachschulung nochmals ausgebaut. Denn Deutschkenntnisse sind nicht nur wichtig, um Gäste gut zu bedienen, ohne sie können die Lehrlinge auch dem Fachunterricht in der Berufsschule nicht ausreichend folgen.

Die Sprachkenntnisse der Rumänen seien überraschend gut, stellt Kirsten Kesper vom „Sauerlandstern“ fest. Im Praktikum seien sie gleich mit Gästen in Kontakt gekommen. Sie seien sehr freundlich. „Ich freue mich auf die nächsten drei Jahre.“ Er zolle den jungen Leuten Respekt, die aus einer anderen Kultur nach Willingen kämen, sagt Ralf Manuscheff vom Stryckhaus. Sie seien motiviert. Im Upland gebe es für sie viele Angebote, um sich einzugliedern. Das sei eine gute Basis, dass sie sich während der Ausbildung „gut aufgehoben“ fühlten.

Wichtig für die international ausgerichteten Betriebe sei, einen „gesunden Mix“ an Mitarbeitern zu haben - aus ganz Deutschland und aus verschiedenen Ländern, erklärt Stephanie Göbel. Deshalb auch der Wechsel der EU-Region in diesem Jahr. Die Rumänen sind auch kulturell eine Bereicherung: Nach einem polnischen und einem spanischen Buffet könne sie ihren Gästen demnächst auch mal ein rumänisches anbieten, sagt Göbel.

Viele Angebote in Willingen

Willingen spüre den Facharbeitermangel drückend, sagt der Erste Beigeordnete Manfred Stremme. Er hebt die vielen Angebote der Gemeinde zur Eingliederung hervor, da habe Dieter Pollack von der Wirtschaftsförderung vieles aufgebaut.

Während des Praktikums und der Lehrzeit erhalten die Teilnehmer 818 Euro im Monat vom Bildungswerk ausgezahlt, die Ausbildungsvergütung wird auf diese Summe aufgestockt.

Für 2016 wollen sich die Upländer wieder um Rumänen bemühen, das Bildungswerk will 15 Plätze beantragen.

Von Dr. Karl Schilling

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