Wohl im Freien vergiftete Mäuse gefressen

Katze in Usseln vergiftet? Nicht sorglos mit neuem Rattengift umgehen

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Das Fressen vergifteter Nager endet für manche Katzen beim Tierarzt. 

Beim Umgang mit Rattengift ist Vorsicht geboten, wie ein Fall in Usseln zeigt. Eine Katze wäre wohl fast an Alpha-Chloralose gestorben.

Möglicherweise hat zu sorgloser Umgang mit Mäuse- und Rattengift in Usseln eine Katze fast das Leben gekostet: Tierärztin Carolin Stolpe bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie sehr wahrscheinlich an einer Vergiftung mit dem Mittel Alpha-Chloralose litt. Sie könnte Mäuse gefressen haben, die damit bekämpft wurden und dann ins Freie gelangten.

Unter Tierärzten in der Region häuften sich seit gut einem halben Jahr vergleichbare Meldungen, berichtet sie. Quer durch Usseln von Sportstraße bis Eimelroder Weg sei ähnliches zu beobachten, erklärt die Tierfreundin Conny Figge, die auf das Problem aufmerksam gemacht hat.

Eine toxikologische Untersuchung wurde nicht vorgenommen – sie wäre sehr kostspielig. Doch die Symptome passten, sagt Stolpe: Krampfanfälle, Untertemperatur und -zucker, häufiges Speicheln, Muskelschwäche. 

Freiverkäufliche Mittel sind relativ neu 

Das seien typische Folgen des Gifts, das Nager auf diese Art töte, statt wie die ältere Sorten die Blutgerinnung anzugehen, was zum Verbluten führe. Mittel mit dem Wirkstoff seien verhältnismäßig neu und frei verkäuflich, erklärt die Tierärztin.

Eigentlich sollten sie nur drinnen verwendet werden, da wo vergiftete Nager nicht wieder ins Freie laufen können. Denn wenn etwa Katzen, Hunde oder Greifvögel die betroffenen Ratten oder Mäuse fressen, nehmen sie auch das Mittel zu sich. Eine Maus werde wahrscheinlich nicht ausreichen, um einer Katze zu schaden – doch da die vergifteten Nager leichte Beute seien, könnten sie durchaus mehrere fressen, warnt Carolin Stolpe.

Ein Problem des neuen Wirkstoffs ist dann seine schnelle Wirkung: Morgens könne eine Katze noch munter sein, nach Aufnahme des Gifts stellten sich schon in 30 Minuten bis vier Stunden Symptome ein. Gerade bei kaltem Wetter seien Entkräftung und Abkühlung gefährlich. Wenn das Tier nicht schnell entdeckt würde, drohe der Tod.

Ein Gegenmittel gibt es noch nicht 

Ältere Cumarin-Pestizide wirkten langsamer – der Haustierhalter habe eine Chance zu sehen, dass Hund oder Katze lethargischer sind als gewöhnlich. Auch sei die Behandlung einfacher, da es direkte Gegenmittel gebe. Bei einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose gebe es das so nicht – die Katze in Usseln wurde zwei Tage lang stationär behandelt, um ihre Körperfunktionen wieder in Gang zu kriegen, konnte letztlich zu ihrem Frauchen zurückkehren.

Der auf Kleintiere spezialisierte Korbacher Tierarzt Dr. Thomas Liedtke kennt das Problem so nicht – allerdings sei das Vorkommen von Nagern in Dorf und Stadt auch unterschiedlich, erklärt er. Allgemein rät er jedoch dazu, Gifte nicht draußen zu streuen, sondern sie nur in geschlossenen Räumen zu benutzen – oder in Köderbehältnissen, aus denen vergiftete Nager nicht mehr herauskommen.

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