Herbert Roy, Ewald Nölle und Jürgen Sauer richten alten Grenzstein auf

Der Kaventsmann steht wieder

Willingen - Arbeitseinsatz im hessisch-westfälischen Grenzgebiet: Der Willinger Wanderführer Herbert Roy hat mit tatkräftiger Unterstützung von Ewald Nölle und Jürgen Sauer einen rund 190 Jahre alten Grenzstein wieder aufgerichtet.

Bei gutem Wetter gibt’s für Herbert Roy kein Halten: Dann ist er rund um Willingen und oft auch in anderen Regionen Deutschlands und der großen weiten Welt auf Schusters Rappen unterwegs. Bei seinen Wanderungen fiel ihm der Stein auf, der am Aufgang vom Richtplatz zum Langenberg die waldeckisch-westfälische Grenze markiert: auf die Seite gekippt und teilweise eingesunken in den weichen Waldboden. „Es war meine Pflicht der Historie gegenüber, ihn wieder in die aufrechte Position zu bringen“, so Roy. Und so machte er sich Ende August auf den Weg – „zunächst nur mit einem Schäufelchen bewaffnet“, berichtet er. Doch es wurde ihm schnell klar, dass er mit purer Muskelkraft nicht weit kommen würde. „Der Kaventsmann ist schätzungsweise 300 Kilogramm schwer“, den konnte Roy keinesfalls allein anheben. Er alarmierte Ewald Nölle, der sich nicht lange bitten ließ. Er kam mit Trecker und Seilwinde zur Hilfe. „Schon der erste Versuch sah sehr erfolgversprechend aus“, erzählt Roy. Doch kaum hatten die Herren den Stein hochgehievt, kippte er auch schon wieder um. Per Handy riefen sie einen weiteren „Hobby-Traktoristen“, Jürgen Sauer, um Hilfe. Mit vereinten Kräften, Balken und Brechstange vollendeten sie schließlich ihr Werk und befestigten den schweren Fuß mit Steinen und Erde. Der Grenzstein zeigt auf der einen Seite den Waldecker Stern und auf der westfälischen Seite das Kölner Kreuz. Wie Konrad Waldeyer, der sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt und ein Buch über die Landesgrenzsteine verfasst hat, auf Anfrage der WLZ bestätigte, handelt es sich bei den darunter in den Stein gehauenen drei Pfählen um das Wappen der Herren von Gaugrebe.Herbert Roy freut sich jedenfalls, dass der Stein jetzt wieder in voller Schönheit zu bewundern ist. Er empfiehlt Upländern und Gästen, mal zum Langenberg hochzuwandern – nicht nur der alten Grenzsteine wegen, sondern auch um die Aussicht ins „Land der 1000 Berge“ und hinüber in Richtung Bruchhausen zu genießen. Er findet es schön, dass Wanderer und Biker diese Grenze ohne Kontrollen und Ärger passieren können. „Wäre es doch andernorts angesichts der großen Flüchtlingswelle genauso frei“, meint er. „Noch wichtiger wäre es, die schlimmsten Grenzen würden in manchen Hirnen fallen.“ Von Ulrike Schiefner

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