Pro Stunde können 3000 Skiläufer und Mountainbiker transportiert werden

Skilift der Superlative in Willingen: Sesselbahn K1 eröffnet

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Eröffnung Sesselbahn K1 Köhlerhagen Willingen: Klaus Krämer (links) vom Aufsichtsrat und Geschäftsführer Jörg Wilke (rechts) schicken Betriebsleiter Lars Ückert, Bürgermeister Thomas Trachte, Matthias Stauch vom Verband Deutscher Seilbahnen, Aufsichtsratvorsitzenden Werner Kaessmann, Landtagsabgeordneten Armin Schwarz, Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese und Beitrebslieter Rolf Schnurbus auf die Reise.

Ab heute macht Skifahren in Willingen noch mehr Spaß: Mit dem K1 eröffnet Deutschlands modernste Sesselbahn und Hessens längster Lift. Profitieren werden nicht nur Ski-Fans.

Aktualisiert am 14. Dezember um 17 Uhr - Ab diesem Freitag ist Willingen um eine Attraktion reicher: Nach acht Monaten Bauzeit ist im Upland um Hessens längster Skilift eröffnet worden. Die 1500 Meter lange Anlage K1 am Köhlerhagen ist zugleich Deutschlands modernste Sesselbahn. Stunde für Stunde können mit ihr 3000 Menschen auf den Ettelsberg gebracht werden, den 838 Meter hohen Hausberg der Willinger. 

Hunderte Gäste der Einweihung von K1 konnten sich selbst davon überzeugen, als sie dank Sitzheizung und Wetterschutzhauben komfortabel auf den Ettelsberg fuhren, quer über die laufenden Schneekanonen, die das winterlich anmutende Skigebiet auf Gäste vorbereiten.

Gefragt sein wird K1 nicht nur im Winter - im Sommer können mit ihr Mountaibiker und Wanderer nach oben kommen. Die Liftgemeinschaft Köhlerhagen, ein Unternehmen der Ettelsberg-Seilbahn Willingen, ersetzt damit die 50 Jahre alten Schlepplifte Köhlerhagen 1 und 2.

Komfortable Fahrt mit der Achter-Sesselbahn - Pro Stunde 3000 Skiläufer

Das Zehn-Millionen-Euro-Projekt wurde mit Hilfe des Seilbahnspezialisten Doppelmayr aus Österreich umgesetzt: Erstmals wurde die D-Line-Baureihe als Achter-Sesselbahn in Deutschland aufgebaut. Rot-schwarze Sessel und Wetterschutzhauben sollen die fünf Minuten zum Gipfel komfortabel machen. Pro Stunde können rund 3000 Skiläufer die Fahrt als Verschnaufpause nutzen.

Der trockene Sommer hat das Bauvorhaben begünstigt. „Wir hatten kaum Ausfalltage“, freuen sich die Betriebsleiter Lars Ückert und Rolf Schnurbus, „nur so konnten alle Arbeiten im Zeitplan durchgeführt werden.“ Ende September wurde am Köhlerhagen nach Errichten der Stützen das Seil aufgezogen. Derzeit werden die Sessel zusammengebaut und die Berg- und Talstation nach mühevollen Erd- und Felsarbeiten des Sommers fertiggestellt. Einige Montagearbeiten von Doppelmayr stehen noch an.

Wilke: Komfort wie in Willingen nördlich der Alpen einmalig

Testbestrieb bestanden: Die Willinger Bergwacht wurde mit der Sesselbahn K1 schon mal auf den Willinger Ettelsberg gebracht.

Zwar ist ein österreichischer Betreiber den Willingern mit dem Titel der ersten Achtersesselbahn der neuen D-Line des Weltmarktführers Doppelmayr noch um zwei Wochen zuvorgekommen, wie Geschäftsführer Jörg Wilke erklärt – doch der Komfort mit allen technischen Möglichkeiten sei nördlich der Alpen einmalig. Und der Clou der Anlage sei sogar weltweit einzigartig: Die Wintergarnitur für Skifahrer lässt sich durch Sommersessel für Mountainbiker austauschen.

Auf diesen ganzjährigen Tourismus seien selbst in Österreich und der Schweiz einige neidisch, befand Matthias Stauch, stellvertretender Präsident des Verbands Deutscher Seilbahnen und Vorstand des Zugspitzbahn-Bergbahn. „Über Willingen lacht keiner mehr“, sagte er – vielmehr kämen Seilbahner weit her, um die Anlage zu sehen. Mut sei nötig gewesen, um sich für den Bau des Zehn-Millionen-Projekts zu entscheiden, erklärt Aufsichtsratsvorsitzender Werner Kaessmann. Er sei sicher: „Das Projekt wird einschlagen.“ 

Als die Ettelsberg-Seilbahn 2013 die Möglichkeit hatte, die Liftgemeinschaft Köhlerhagen zu kaufen, war bald klar, was sie da schaffen wollte, berichte Jörg Wilke: Das Projekt soll Komfort bieten, im Sommer und Winter laufen, durch die Verlegung von Straßen in Tunnel die Verkehrssicherheit erhöhen und die beiden Teile des Willinger Skigebiets an Ettelsberg und Hoppernkopf/Ritzhagen verbinden. 

Uplandstadion machte Skilift im Willinger Hoppecketal erst möglich

Bereit für die Gäste: Sessel für Skifahrer wurden schon an der K1 montiert, im Sommer kommen auf Biker ausgerichtete Sitze dran

Letzteres sei der größte Kritikpunkt der Gäste gewesen. Um dem entgegenzuwirken, kaufte die Liftgemeinschaft das Stadion im Hoppecketal. „Für den Sport wurde dann mit Upländer Pragmatismus nach Lösungen gesucht“, erläuterte Wilke. Im Bau des Uplandstadions wurden diese gefunden: „Ein Lösung, mit der alle als Gewinner hervorgehen“, befand Pfarrer Christian Röhling, der mit der katholischen Gemeindereferentin Angelika Schneider um den Segen für die Anlage bat.

Die Verlängerung nicht die einzige Herausforderung: Bahn und Gebäude, vier kilometer Gussleitungen, 36 Kilometer Kabel, Parkflächen, Beleuchtungs- und Beschneiungsanschlüsse entstanden parallel. „Der Bau brachte die Mitarbeiter an die Grenz der Belastungsfähigkeit“, erklärte Kaessmann. Auch den Nachbarn sei zu danken, dass sie den staubigen Bausommer ertragen haben, sagte Jörg Wilke. Letztlich war auch im Umweltschutz einiges zu beachten, das Regierungspräsidium habe den Bau kritisch begleitet. – die Liftgemeinschaft habe dabei verstanden, was zu tun ist, lobte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Ein Stehempfang in der Sesselhalle und die Willinger Alphornbläser schufen den feierlichen Rahmen der Eröffnung. Der offizielle Fahrbetrieb startet am Samstag.

Skigebiet Willingen nun sicherer

Der neue Fußgänger- und Autotunnel oberhalb der Talstation ermöglicht es, 350 kostenfreie Parkplätze an der Straße „Zur Ruthenaar“ zu erreichen. Ab der Wintersaison ist damit die gesamte Köhlerhagenpiste frei von gefährlichen Verkehrskreuzungen. Die Verbindung der beiden Ski-Berge Ettelsberg und Hoppernkopf/Ritzhagen wird deutlich vereinfacht. Durch die Verlängerung der Skipiste Köhlerhagen bis in die Nähe des Ettelsberg-Gipfelkreuzes und zum früheren Willinger Sportplatz ist die Piste 1600 Meter lang. „Das ist ein echter Gewinn für das gesamte Skigebiet“, freut sich Geschäftsführer Jörg Wilke.

Die bestehende Maschinenbeschneiung wurde um eine neue Schneileitung zwischen der Berg- und Talstation ergänzt. Die 2010 errichtete provisorische Flutlichtanlage wurde demontiert: Die Köhlerhagenpiste erstrahlt für den Nachtskilauf künftig als eine der ersten großen Pisten Europas mit energieeffizienter LED-Technik.

Im Sommer Lift für Mountainbiker 

Direkt an der Skipiste entsteht derzeit das neue Funktionsgebäude. Ziel ist der Bau des Erdgeschosses noch in diesem Jahr. Die Fertigstellung des gesamten Gebäudes ist für den Frühsommer vorgesehen. Dort wird auch die zentrale Liftkasse entstehen: Die Talstation ist ausschließlich als Einstieg in die Bahn konzipiert. Zusätzlich zur Kasse entstehen im Funktionsgebäude ein Skiverleih und die Gastronomie. Die alte Köhlerhütte geht damit in ihre letzte Saison; Tickets und Skiverleih werden diesen Winter aus einem Container betrieben.

In der grünen Jahreszeit wird die Bahn für den Bikepark genutzt. Parallel zum Bau der K1 wurden zusätzliche Bike-Strecken angelegt, an denen derzeit mit drei Baggern gearbeitet wird. Ab Frühjahr 2019 kommen eigens angeschaffte Sommersessel zum Einsatz, die fünf Bikes halten können. 1200 Radfahrer oder Wanderer lassen sich innerhalb einer Stunde nach oben auf den Gipfel des Ettelsbergs befördern.

www.k1-willingen.de

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