Upländer Betrieb wirbt um Vertrauen

Nach Listerien-Skandal: Waldecker Wursthersteller will nicht verwechselt werden

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Stellen saubere Arbeit sicher: (von links) Produktionsleiter Falko Habermann, Patrick Schopp, Renè Scharke und Friedhelm Feldmann.

Der Listerien-Skandal um Wilke-Wurst wirkt sich auf die Fleischindustrie aus - wegen einer Namensähnlichkeit muss ein naher Betrieb um Vertrauen werben.

„Waldecker Wurstwaren“ Wilke aus Berndorf und „Waldecker Fleischwaren“ Saure aus Usseln: Die Heimatregion kommt in beiden Namen vor, doch es sind zwei verschiedene Betriebe. Für Einheimische ist das klar, doch nach dem Listerien-Skandal gute 20 Kilometer weiter muss der Upländer Betrieb Kunden von außerhalb beruhigen.

Es habe Verwechslungen und Erklärungsbedarf gegeben, erklärt die Inhaberfamilie auf Anfrage der WLZ. Online und in Schreiben an Kunden klärt sie nun auf, dass „Waldecker“ für die Region steht und nicht für eine einzelne Firma.

Listerien-Skandal: Eine Katastrophe für die Branche

„Es ist eine Katastrophe für die ganze Branche“, sagt Heinrich Saure, zusammen mit Sohn Maximilian Geschäftsführer – die geschilderten Zustände bei der Firma Wilke aus Twistetal-Berndorf seien nicht die Regel, betont seine Frau Anja. Der Umsatz habe unter dem Skandal um den Namensvetter nicht gelitten, erklärt Heinrich Saure.

Andere Unternehmensphilosophie als Wilke Wurst

Großhändler hätten sich zwar gemeldet, um ihr Fleisch in Usseln statt in Berndorf zu beziehen – doch das könne der Betrieb bloß zu Bruchteilen leisten, ohne seine Stammkunden zu vernachlässigen. „Den Markt, der sich hier eröffnet, werden wir uns nicht erschließen“, sagt Maximilian Saure.

„Wir haben eine ganz andere Unternehmensphilosophie: Der Verbraucher denkt um, auf Qualität und Nachhaltigkeit“, so Maximilian Saure, wenn er auch auf noch mehr Umdenken hofft. Bislang müsse der Betrieb sich oft für seine Preise rechtfertigen, sagt sein Vater. Mit der Marke „Upländer Feinkost“ wachse er wieder kräftig: Verzehrfertige Convenience-Produkte, Suppen und auch Vegetarisches sind zum Sortiment gestoßen.

Für die Qualität ihrer Waren wollen Maximilian und Heinrich Saure (rechts) eintreten.

Wie Waldecker Fleischwaren Listerien verhindert

So wird dieser Tage auch ein Anbau für deren Produktion bezugsfertig – wenn die verschiedenen Produkte nebeneinander produziert und verpackt werden, erhöht sich die Gefahr, dass etwa Allergene von einer Ware auf die andere gelangen. Bislang wurde das durch unterschiedliche Produktionszeiten verhindert, doch mit dem Wachstum wird räumliche Trennung nötig.

Nachts und am Wochenende ruht der Betrieb, um ihn gut zu lüften und zu trocknen. „Das ist das A und O gegen Listerien“, sagt Maximilian Saure. Beheizte Zwischendecken verhindern, dass Schwitzwasser entsteht. Auch dass die Maschinen vom Keller aus wartbar sind und ein eigener Fuhrpark die Hygiene bei der Lieferung sicherstellt, gehört dazu. Und der Einsatz des Personals, betont Heinrich Saure: Bei einer kurzfristig vereinbarten Besichtigung des Betriebs ist für den Laien nach sechs Stunden Produktion kein Schmutz zu sehen, keine Quelle von Feuchtigkeit.

Die Chefs sind selber Metzger, suchen Fleisch persönlich aus, produzieren und putzen mit. „Aber das alles geht nur mit ordentlichen Leuten“, sagt Anja Saure. Der Betrieb beschäftigte auch bereits ungarische Werksarbeiter, doch die schnellen Wechsel in der Belegschaft erschwerten Kommunikation und Einarbeitung – also stellte er geeignete Leute fest ein.

Waldecker Fleischwaren Saure will Qualität sichern

Die Berichte über Wilke seien ein Schock, sagt Heinrich Saure – sein Betrieb unterliege den gleichen Kontrollen. Auf ihn wirkten die Mitarbeiter des Veterinäramts gewissenhaft, die Kontrollen fanden unangekündigt statt. Bei Mängeln, als Beispiel nennt er nicht mehr gut schließende Türgummis, erwartete das Amt ein Foto der Behebung und kontrollierte beim nächsten Mal persönlich.

Ein Mitarbeiter von Waldecker Fleischwaren Saure in Usseln reinigt eine Maschine.

 

Der Betrieb hat mit Anja Böhle vor drei Monaten eine Labormeisterin zur Qualitätssicherung engagiert. Kontrollen und Dokumentation sollen so professionalisiert werden, um das QS-Zertifikat zu erlangen. Bislang hatten Saures wie Wilke das IFS-Siegel. Dass es unter den berichteten Umständen vergeben wurde, hätte sie nicht für möglich gehalten, so Anja Saure.

Upländer Feinkost Heinrich Saure: Das ist der Betrieb

„Upländer Feinkost Waldecker Fleischwaren Heinrich Saure“ produziert mit 30 Mitarbeitern 80 Tonnen Lebensmittel im Monat, mit Fokus auf regionalem Fleisch. Der Betrieb liefert deutschlandweit, 70 Prozent gehen an Großkunden, 30 Prozent an den Einzelhandel – 120 Rewe-Märkte werden beliefert. Ein kleiner Handwerksbetrieb seien sie nicht , sagt Maximilian Saure – aber Panieren, Würzen und Braten seien Beispiele für Handarbeit, der Betrieb eine Manufaktur. 

Im Bürobereich hängt ein Text, der die Unternehmensphilosophie festhält: John Ruskins „Gesetz der Wirtschaft“. Es beginnt mit dem Satz: „Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.“

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