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Pflegehotel Willingen will mit präventiver Kurzzeitpflege Vorreiterrolle einnehmen

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Von: Wilhelm Figge

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Über einen Modellversuch informierte sich die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (7. von links), im Willinger Pflegehotel.
Über einen Modellversuch informierte sich die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (7. von links), im Willinger Pflegehotel. © Wilhelm Figge

Mit präventiver Kurzzeitpflege soll selbstständiges Leben länger möglich sein. Das Pflegehotel Willingen hat einen Modell-Vertrag geschlossen.

Willingen – Als erste Pflegeeinrichtung Deutschlands hat das Pflegehotel Willingen einen modellhaften Versorgungsvertrag über präventive Kurzzeitpflege geschlossen: Diese soll sicherstellen, dass etwa Menschen nach einem Krankenhaus-Aufenthalt, alleinlebende Pflegebedürftige und von überlasteten Angehörigen gepflegte Personen selbstständig bleiben und zu Hause bleiben können. Vom Konzept überzeugte sich die neue Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Claudia Moll (SPD).

Über rehabilitative Kurzzeitpflege hatten Pflegehotel und AOK bereits seit 2008 einen Vertrag für ein Modellprojekt. Dessen Erkenntnisse zur Reduzierung von Pflegebedürftigkeit übergaben sie 2020 Claudia Molls Vorgänger Andreas Westerfellhaus. Nun verfüge das Pflegehotel als einzige Einrichtung über einen Versorgungsvertrag für präventive und rehabilitative Leistungen mit allen gesetzlichen und privaten Pflegekassen. Es gebe zu wenig Kurzzeitpflegeplätze, im Ausbau solcher Angebote liege eine große Chance, war sich Claudia Moll mit SPD-Fraktionskollegin Esther Dilcher einig.

Denn es kämen immer mehr neue Pflegebedürftige hinzu, während andere in höhere Pflegegrade eingestuft werden, erläuterte Waltraud Rebbe-Meyer, Geschäftsführerin des Pflegehotels. Durch ein präventives und rehabilitatives Leistungsangebot, welches Pfleger und Therapeuten zusammen erbringen, könne Selbstständigkeit länger gewahrt werden. „Das ist ein Zukunftsmodell für Deutschland“, befand Peter Allerchen von der AOK – die Krankenkasse unterstützte das Pflegehotel bei den Verhandlungen zum Versorgungsvertrag.

Prävention und Gesundheit in Willingen ein Thema

An diesem Thema arbeiteten in Willingen viele Seiten Hand in Hand, erklärte Pfarrer Christian Röhling: Die Evangelische Kirchengemeinde errichtet gegenüber ein Begegnungscafé, das in Kooperation mit dem Pflegehotel betrieben wird. Es soll etwa Reha-Sport, Tanz-Veranstaltungen und Präventions-Vorträge geben. Kirche, Pflegehotel, Ärztezentrum, Seniorenheim und Gesundheitsnetzwerk PORT hätten große Synergien miteinander, befand Bürgermeister Thomas Trachte. Auch die Tourist-Info arbeite am Thema und hoffe auf den Durchbruch: Präventionskuren, bei denen Gäste sich um nichts mehr kümmern müssen.

Als Beauftragte der Bundesregierung zeigte sich Claudia Moll beeindruckt von den Kooperationen in Willingen, den neuen Angeboten und dem Team des Pflegehotels: „Wir müssen öfter zeigten, dass es in der Pflege auch anders geht als immer nur furchtbar.“ Die Politik setzte den Rahmen, die Mitarbeiter füllten ihn. Derweil sei es auch so: „Wir haben viel gemacht, aber immer noch nicht alles, was richtig ist.“ Und die Rahmenbedingungen der Pflege könnten auch je nach Region stark voneinander abweichen, hielt Claudia Moll fest. Die Eschweilerin ist gelernte Altenpflegerin mit 30 Jahren Berufserfahrung. (wf)

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