Tradition fortgesetzt

Rattlarer Weihnachtstheater überzeugt mit "Die Gewaltkur"

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Junge Liebe: Franzi (Christin Wagner) soll Peter (Pascal Kesper) "zum Mann machen".

Willingen-Rattlar. In Rattlar wurde eine Weihnachtstradition fortgesetzt: Das Theater am Ersten Feiertag. Die Frage in "Die Gewaltkur": Wie wird ein Muttersöhnchen zum Mann?

Biologie-Student Peter hat bislang nur eine Frau geküsst – seine Mutter. Der Junge muss zum Mann werden, findet Opa Emil und verordnet ihm eine „Gewaltkur“ – Ausgangspunkt für das gleichnamige Stück, mit dem die Rattlarer Theater-Gruppe ihr Publikum am Ersten Weihnachtsfeiertag in der ausverkauften Gemeindehalle erfreute. Dabei ging es im besten Sinne so brachial zu, wie der Titel vermuten lässt, doch auch Verwirrspiele und Romanzen bereicherten das Stück.

Lacher auf seiner Seite hatte Nikolas Küthe als mürrischer Opa Emil. Mit einer Annonce sucht er eine Frau für seinen Enkel: der Wolf soll Blut lecken. Dass der von Pascal Kesper schön welpenhaft dargestellte Bursche Hilfe bitter nötig hat, wird sofort klar, als er auf die Bühne kommt: Die überfürsorgliche Mutter Nina, rigoros gespielt von Sophia Hochmanski, zieht ihr Peterle noch von Kopf bis Fuß an, ob er den scheußlichen Pulli und die gehäkelten Socken will oder nicht.

Den Vater der Familie plagen ganz andere Sorgen: Arzt Orpheus muss seinem Kumpel Fritz helfen, nachdem dieser im besoffenen Kopf den Oldtimer seiner Frau geschrottet hat. Stefan Wagener spielt den Orpheus mit trockener Begriffsstutzigkeit, Mathias Göbel den Fritz mit verzweifelter List – zusammen kommen sie auf den Plan, Fritz in wechselnden Verkleidungen zu verstecken. Aus gutem Grund: Alina Lamm stellt dessen Frau Klara sehr einschüchternd dar: „Wenn ich mit dem fertig bin, sieht er aus wie Körperwelten auf Tournee.“

Alte Liebe tut schon mal weh: Emil und Emma (Nikolas und Gwendolin Küthe).

Höhepunkt des Stückes ist dann die Gewaltkur selbst: Emil flößt Peter Weinbrand ein und verbindet ihm die Augen, er soll die engagierte Franzi erst mal „betasten“ – der Junge begreift es als biologisches Experiment und macht mit. Doch es kommt die falsche Frau und turtelt mit dem Burschen: Bertha. Swantje Budach zeigt in der Rolle ihr Können mit Dialekt und Wortverdrehereien. Das Spiel wiederholt sich mit Emma, einer alten Liebschaft von Opa Emil. Gwendolin Küthe liefert als diese einige der spöttischsten Gemeinheiten des Abends: „Schiesser hätte keine Insolvenz anmelden müssen, wenn sich jeder Mann ein zweites Paar Unterhosen gekauft hätte.“

Nachdem Peter Gefallen an den neu entdeckten „Bioresonanzen“ gefunden hat, kommt die versprochene Franzi: Christin Wagner fährt in der Rolle alles an Verführungskünsten auf, was möglich ist. Schnell wird beschlossen: Es wird geheiratet – zum Entsetzen von Mutter Nina. Es ist am untergetauchten Fritz, alles zu richten: Als Wahrsagerin verkleidet erweicht er die gluckenhafte Mutter, ermuntert Emil und Emma, ihre Liebschaft wieder aufzunehmen, gibt Bertha guten Rat und überzeugt sogar Klara, ihrem Mann zu verzeihen. Bevor ein neuer Oldtimer die Beziehung kittet, lässt sie ihn noch ein wenig zappeln – auch eine Art von Gewaltkur.

Eingeladen zur Vorstellung hatte der Verkehrsverein, und für die in Rattlar zusammengekommenen Gäste war der Abend längst noch nicht vorbei: Das Theater hat Tradition, jährlich kommen hunderte Rattlarer und Gäste zusammen, um am Festtag gemeinsam zu feiern. Die passende Musik legte „Hesse-Wagner Entertainment“ auf.

Fotogalerie zum Rattlarer Weihnachtstheater

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