Nur Stunden nach der Beerdigung

Rehe demolieren Grab auf Usselner Friedhof

Zerpflückt und zertrampelt haben Rehe auf dem Usselner Friedhof ein frisch geschmücktes Grab. 
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Zerpflückt und zertrampelt haben Rehe auf dem Usselner Friedhof ein frisch geschmücktes Grab. 

Wildsorgen auf dem Usselner Friedhof: Nur Stunden nach einer Beerdigung haben Rehe ein Grab demoliert.

Das Reh steht am frühen Vormittag rund 15 Meter vom Grab entfernt und bemerkt die sich langsam nähernden Besucher auf dem Usselner Friedhof zunächst gar nicht. Als Wilhelm Wilke am Grab seiner vor einer Woche beerdigten Frau ankommt, ist das Tier nicht mehr zu sehen – aber der Grabschmuck hat wieder gelitten, weitere Blüten sind verschwunden und Stängel zerkaut. Von drei Seiten ist der kleine Erdhügel von Reh-Fäkalien umgeben.

Auch tagsüber sind Rehe auf dem Friedhof zu treffen.

Bloß 16 Stunden hatte es gedauert: Am Samstagmorgen nach der Beerdigung bekam Wilhelm Wilke (Höh) Bescheid, dass das Grab völlig verunziert worden sei. Er schildert, dass Blumen abgefressen und Schleifen in den Schlamm getrampelt wurden, auch hier deutete der „Losung“ genannte Kot auf Rehe hin. Er richtete es soweit möglich wieder her, seinen eigenen Kranz fand er nicht. Der Anblick der Grabstätte sei unzumutbar. Rein finanziell gesehen geht der 79-Jährige von Schäden an Blumen und Kränzen von 1300 Euro aus.

Das Reh, das bei der Besichtigung zufällig zugegen war, ist verschwunden – wie, lässt sich nicht sagen, beide Tore sind geschlossen. Wie es auf den Friedhof gekommen ist, ist Wilhelm Wilke sich derweil sicher: Der Maschendraht-Zaun um den Friedhof ist gut einen Meter hoch. An den Straßen und südwärts zur Wiese hin verstärken ihn meist Sträucher – am Westende des Friedhofs aber geht es bei leichter Bewaldung etwas bergauf, sodass ein Tier wesentlich weniger hoch springen müsste, um über den Zaun zu gelangen. Und es sind mehrere große Dellen im Maschendraht erkennbar, wo ihn allen Augenschein nach etwas eingedrückt hat. „Diese lächerliche Umzäunung zum Waldstück und deren Schwachstellen sind für das Rehwild kein Hinderungsgrund“, befindet Wilhelm Wilke.

Anscheinend kein Hindernis: Der gut einen Meter hohe Zaun ist beschädigt.

Ob er sich an die Gemeinde gewandt habe? Noch nicht, sagt er: Beschwerden von bekannten in den vergangenen Jahren hätten zu nichts geführt. Der Senior hat sich bei einem Anwalt informiert: Die Friedhofssatzung der Gemeinde Willingen legt fest, dass die Gemeinde nicht für Schäden haftet, die durch Tiere entstehen. Der Anwalt geht derweil davon aus, dass die Verkehrssicherungs- oder Fürsorgepflicht gebietet, möglichst zu vermeiden, dass Rehe die Zäune überqueren können. Die Gemeinde solle die Zäune lieber kontrollieren.

Auf Anfrage der WLZ erklärt Bürgermeister Thomas Trachte, dass das Problem ihm so noch nicht bekannt gewesen sei, er es aber ernst nehme: „Diesen Hinweis nehmen wir auf und prüfen, ob höhere Zäune nötig sind.“ Alle Friedhöfe in der Gemeinde mit zwei Meter hohen Zäunen zu umbauen, sei derweil kostspielig, das umzusetzen würde mehrere Haushaltsjahre dauern. Doch der Fall sei Anlass, eine neue Lösungsmöglichkeit zu erarbeiten.

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