In Usselner Betrieb gelernt

Schneidergesellin Emilie Bräutigam als Innungsbeste geehrt

Emilie Bräutigam bei der Arbeit an einem Ballet-Oberteil für „Raymonda“.
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Emilie Bräutigam bei der Arbeit an einem Ballet-Oberteil für „Raymonda“.

Bei der Vergabe der Gesellenbriefe durch die Kreishandwerkerschaft Biedenkopf hat eine in Usseln lernende Mengeringhäusererin besonders geglänzt: Emiie Bräutigam war Prüfungsbeste.

Willingen-Usseln – „Ich schaffe gerne schöne Dinge“, sagt Emilie Bräutigam. Bei der Suche nach einer Ausbildung stand der Pfad der Mengeringhäuserin deshalb schnell fest: Maßschneiderin wollte sie werden. „Ich habe exakt eine Bewerbung geschrieben, alles andere hätte mich nicht begeistert“, erklärt sie. Drei Jahre später hat sie ihre Ausbildung bei der Schneiderei „Liebe Lachen Leben“ in Usseln abgeschlossen – mit einem 1,0er Schnitt in der Berufsschule und als Prüfungsbeste unter den neuen Gesellen, die ihre Brief in Biedenkopf erhielten.

In drei Jahren habe sie sich die Wertschätzung der Kunden verdient, verschiedenste Techniken ausprobiert und sich bei der nun wieder laufenden Kostümproduktion für Theater und Oper einbringen können, lobt ihre Chefin Ute Schlenger. „Das für Düsseldorf ist stets sehr schöne Arbeit“, schwärmt Emilie Bräutigam selbst. Vom Rhein aus beliefert Ute Schlengers frühere Chefin Angelika Nowotny Produktionen aus aller Welt, in Usseln wird dabei geholfen. Gerade entstehen Kostüme für Marius Petipas Ballet „Raymonda“ an der niederländischen Nationaloper in Amsterdam.

Als Prüfungsbeste hat sich Emilie Bräutigam ihren Gesellenbrief verdient. Dafür fertige sie ein Stück ganz ähnlich dem im Bild an: Ein Kostüm mit taillenkurzer Jacke und mit Organza verziertem Rock.

Jeder Tag in der Schneider-Werkstatt sehe anders aus: Kunden zu beraten, Auszubildende und Praktikantinnen anzuleiten, das System für größere Produktionen mitzuentwickeln gehören dazu. Sie könne ständig ihre Nähtechnik weiterentwickeln, sich kreativ und kritisch einbringen: „Ich hatte nie das Gefühl, nur Auszubildende zu sein, sondern gleich ein vollwertiges Mitglied im Team“, berichtet die 22-Jährige.

Sie sei jeden Tag gerne an der Arbeit – und das nicht nur wegen Neuanfertigungen. Mit Änderungen, Reparaturen und Umgestaltungen komme sie ihrer Leidenschaft für schöne Dinge ebenso nach. Das sei „Upcycling“ von Dingen, die schon lange im Schrank hängen. Der Schneider sei, wenn er individuelle Stücke anfertigt und ältere anpasst – der nachhaltigste Beruf überhaupt, fügt Ute Schlenger hinzu. Und auch bei der Frage „Was ist Mode?“ hält Emilie Bräutigam es mit ihrer Chefin: „Was Ihnen gefällt und zu Ihnen passt.“ (wf)

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