Einsatz von Sieblöffel-Baggern

„Schoppern“ verjüngt die Heide auf dem Kahlen Pön bei Usseln

Noch kahlere Stellen auf dem Pön hinterließ das Schoppern – aber es ist nötig, um die Heide zu Verjüngen, erklärt Benedikt Wrede. Die abgetragene Vegetation (linker Bildrand) soll nun eine Halde begrünen und stabilisieren.
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Noch kahlere Stellen auf dem Pön hinterließ das Schoppern – aber es ist nötig, um die Heide zu Verjüngen, erklärt Benedikt Wrede. Die abgetragene Vegetation (linker Bildrand) soll nun eine Halde begrünen und stabilisieren.

Der Kahle Pön bei Usseln ist noch ein bisschen kahler: Es wurde geschoppert, um die Heide zu verjüngen.

Willingen-Usseln – Als würde alter Teppichboden entfernt: So macht Benedikt Wrede von der mit dem Bergheidenprojekt des Naturparks befassten Biologischen Station HSK die Arbeiten auf dem Kahlen Pön bei Usseln anschaulich. Ein halber Hektar der Bergheide wurde geschoppert: Die Vegetation und drei bis fünf Zentimeter Boden wurden entfernt, um die Heide zu verjüngen.

An den entsprechenden Ecken nahmen Preisel- und Heidelbeere überhand: Nicht nur begannen sie zu verholzen, sie verdrängten auch die Besenheide. Auf Dauer ist das auch für sie nicht tragbar, ihnen würden in einigen Jahrzehnten die Nährstoffe ausgehen, erklärt Wrede. Die Maßnahme führte der NABU Waldeck-Frankenberg für das Bergheiden-Projekt des Naturparks Diemelsee durch, das Land stellte Mittel aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz“.

Dabei wurde eine neue Methode zum Schoppern getestet: Ein Sieblöffel-Bagger trug Vegetation und Boden ab. Sonst kommen spezielle Schoppermaschinen zum Einsatz, die den Boden planieren – Boden und Steigung machen das auf den Upländer Bergen aber schwieriger als in der Lüneburger Heide, wo die Maschinen herkommen. Der Bagger erlaube, Bäume auszusparen, feines Bodensediment rieselt bei der Arbeit schon wieder dahin, wo es hingehört.

Zudem erspart es den Aufwand, die Maschinen herzubringen – mit Sieblöffel-Baggern können auch heimische Unternehmen aufwarten. Ihr Einsatz brauche etwas mehr Zeit, aber an zwei Tagen wurde der halbe Hektar bearbeitet. Insgesamt sei der Versuch also erfolgreich, sagt Wrede.

Alle 20 bis 25 Jahre seien solche Arbeiten nötig. Dabei sei es gut, Stück für Stück vorzugehen: „Ein Mosaik aus Räumen unterschiedlichen Alters ist ein Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen“, erklärt Wrede. Bis auf den geschopperten Flächen wieder etwas zu sehen ist, gingen zwei, drei Jahre ins Land – in der Zwischenzeit bieten sie bodennah lebenden Arten wie Heuschrecken einen Lebensraum. Auch Bärlapp habe nun Chancen, einzuziehen.

Bergheiden-Projekt des Naturparks Diemelsee

Im von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und den Ländern Hessen und NRW geförderten Bergheideprojekt wurden Fichtenbestände in Heideflächen umgewandelt, Gehölze entfernt, Ausstattung und Futterflächen für die Schäferei beschafft. Ab nächsten Jahr übernimmt Steffen Schierholz aus Hemmighausen mit seiner Schafherde die Pflege auf Osterkopf und Kahlem Pön.

Das Projekt hat wissenschaftlichen Anspruch: Die Uni Osnabrück hat etwa Arnika angesät und angepflanzt, um herauszufinden, wie sie sich in Heide etablieren lässt. Es gibt schon Bestände, andere Standorte mit unterschiedlicher Vegetation und Sonneneinstrahlung sollen untersucht werden. Verwendet werden Samen vom Pön, die im Botanischen Garten der Uni angesamt wurden.

Die größten Arbeiten des Projekts fanden am Eideler und am Pön statt – schon vergangenes Jahr wurde dort ein Hektar geschoppert. Aber auch auf vielen kleinen Flächen hat das Projekt Heide wiederhergestellt, bevor es Ende 2021 vorüber geht. (wf)

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