Vor 50 Jahren wurde die Willinger Mittelpunktschule ihrer Bestimmung übergeben

Ein Stück Upländer Schulgeschichte

Willingen - Am Sonntag vor 50 Jahren wurde die Willinger Mittelpunktschule eingeweiht. Einen Tag später nahmen 345 Kinder die neue MPS in Besitz. 2005 erfolgte der Zusammenschluss mit dem Gymnasium zur kooperativen Gesamtschule.

16. August 1965 – ein Tag, der in die Schulgeschichte einging: „Eine der schönsten Schulen in Kurhessen-Waldeck“, so hieß es damals in der Waldeckischen Landeszeitung, wurde an jenem Montag nach knapp einjähriger Bauzeit offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Der Jahrestag bietet Anlass zum Rückblick. Die Geschichte der Mittelpunktschule (MPS) geht zurück bis ins Jahr 1963, als sich zunächst Willingen, Schwalefeld und Rattlar zu einem Schulverband zusammenschlossen. Im gleichen Jahr traten Hemmighausen, Eimelrod, Neerdar und Welleringhausen bei. Dieser Schulverband setzte sich mit großem Engagement und Weitblick für die Schule und somit für die Belange der Upländer Kinder und Jugendlichen ein. Der erste Bauabschnitt umfasste zwei Unterrichtstrakte, das Verwaltungsgebäude sowie Dienstwohnungen für den Schulleiter und den Hausmeister. Er schlug mit rund zwei Millionen Mark zu Buche (1,6 Millionen für die Gebäude, 400 000 Mark für die Außenanlagen). Das Land Hessen trug 60 Prozent der Kosten, der damalige Kreis Waldeck zehn Prozent. Die restlichen 30 Prozent entfielen auf die seinerzeit noch selbstständige Gemeinde Willingen, die ursprünglich eigentlich nur eine neue Volksschule bauen wollte. „Die Mittelpunktschule setzt neue Maßstäbe. Möge sie die Erwachsenen und Kinder des Uplands einander näher bringen“, wünschte sich damals Architekt Best (Sachsenhausen). Bei der Einweihungsfeier sprachen die Redner von einem „stolzen Zeugnis echten Bürgersinns“ und würdigten die MPS als „Heimstätte für unsere Jugend“. Die Kinder hielten einen Tag später Einzug in die neuen Gebäude. Sie wurden in elf Klassen aufgeteilt, und es standen elf Lehrer bereit, um ihnen das Rüstzeug fürs Leben zu vermitteln. Helmut Kramer übernahm als Schulleiter die Verantwortung. Außer den Dörfern, die ursprünglich bereits zum Schulverband gehörten, kamen in den folgenden Jahren noch Usseln, Bömighausen, Alleringhausen, Rhena und vorübergehend auch Nieder-Schleidern zum Einzugsbereich der Mittelpunktschule hinzu, deren Trägerschaft 1970 vom Schulverband an den Kreis überging. Im Lauf der Zeit wurde die Mittelpunktschule mehrfach erweitert, um steigenden Schülerzahlen und wachsenden Unterrichtsanforderungen gerecht zu werden. 1967 wurde die Turnhalle eingeweiht, deren Bau 833 000 Mark kostete. 1985 kam ein Erweiterungsbau mit vier Klassen- und verschiedenen Nebenräumen hinzu. 1997 wurde ein Klassentrakt aufgestockt, und es entstanden auf diese Weise vier weitere Klassenräume und ein Versorgungsraum (Kosten: 1,8 Millionen Mark). Das schulische Angebot wurde nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich den wachsenden Bedürfnissen angepasst. Nachdem der Realschulzweig zunächst als Außenstelle der Korbacher Louis-Peter-Schule betrieben wurde, wurde er 1995 fest an der Willinger MPS installiert. Die Schülerzahlen schwankten im Lauf der Jahrzehnte. Vor einem halben Jahrhundert besuchten 345 Jungen und Mädchen die MPS. Im Schuljahr 1975/76 wurden 534 Kinder und Jugendliche unterrichtet, und beim Zusammenschluss mit dem benachbarten Gymnasium gab es rund 400 Grund-, Haupt- und Realschüler sowie 220 Gymnasiasten. Zum Leben der Mittelpunktschule gehörte nicht nur der Unterricht. Wichtige Bestandteile waren die Klassen- und Studienfahrten und das Schulgemeindefest. Es wurde alle vier Jahre groß gefeiert und dokumentierte auf beeindruckende Weise die Verbundenheit der Upländer mit ihrer MPS. Im Lauf der 40 Jahre ihres Bestehens standen drei Rektoren an der Spitze der Schule: Helmut Kramer führte von 1965 bis 1989 Regie. Sein Nachfolger Oswald Mannl erhielt bei der 25-Jahr-Feier im Jahr 1990 seine Ernennungsurkunde. 1999 wurde dann Harald Möllmer mit der Wahrnehmung der Schulleiteraufgaben betreut. In seine Amtszeit fiel nach langen und teilweise heftigen Diskussionen die Zusammenlegung der bis dahin selbstständigen Grund-, Haupt- und Realschule mit dem Gymnasium. Der Startschuss für die kooperative Gesamtschule, die das komplette Bildungsangebot von der ersten Klasse bis hin zum Abitur umfasst, fiel offiziell am 7. Februar 2005.Aufgrund der Zusammenlegung der beiden Schulen erübrigte sich die 40-Jahr-Feier der Mittelpunktschule, die normalerweise im Sommer 2005 angestanden hätte. Am morgigen 50. Jahrestag der Einweihung werden sicherlich viele Ehemalige an die frühere MPS und ihre ehemaligen Lehrer zurückdenken – voller Dankbarkeit, aber auch mit einem Schmunzeln in Erinnerung an manche lustige Begebenheit. Von Ulrike Schiefner

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