Von Tortendeko bis Skulpturen

Süße Werke aus Bömighausen: Domenica Megger ist Zuckerkünstlerin

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Alles aus Zucker: Domenica Megger fertigt allerlei Kunstwerke aus süßer Masse an

Willingen-Bömighausen. Erst wollte sie nur eine Torte aufhübschen - mittlerweile führte Domenica Megger ihre Zuckerkunst schon auf internationale Messen.

Die Blumen sind ebenso aus Zucker wie der Baumstumpf, das Korsett und der Fußball. „Man könnte sie schon essen, aber es würde knacken“, sagt Domenica Megger beim Blick auf ihre Sammlung. Dafür seien viele ihrer Werke auch zu schade: Die Bömighäuserin stellt Zuckerkunst her.

Es ist nicht so, dass keines ihrer süßen Stücke gegessen würde – tatsächlich nahm ihre Leidenschaft ihren Anfang, als sie vor acht Jahren die Geburtstagstorte ihrer zweiten Tochter aufpeppen wollte. Aus geschmolzenen Marshmallows und „Unmengen“ an Puderzucker stellte sie Fondant her – und entdeckte, wie viel Spaß ihr das Modellieren machte. Dass Zuckermasse heute gut erhältlich ist und die Lebensmittelfarben kräftiger werden, feuert das nur an.

Kunst mit Zucker schaffen: Das ist nötig

„Eigentlich kann man es gut mit der Malerei vergleichen“, berichtet die 37-Jährige. So wie Künstler da ihre verschiedenen Pinsel, Spachtel und Stifte haben, setzt auch sie eine Reihe von Werkzeugen ein: Grundlegend sind Scheren und Nadeln, Veiner geben Zuckerblumen eine realistische Oberflächenstruktur. Es gebe Schablonen und Ausstechformen, aber auch haushaltsübliche Gegenstände wie Drahtbürsten und Schwämme kommen zum Einsatz – letztere zum Färben. Es gibt Lebensmittelfarbe für Airbrush-Pistolen, besonders lebensecht macht Domenica Megger Arbeiten mit Puder – der Zucker-Fußball sieht aus, als sei er schon über so manchen Rasen gerollt.

Lebensecht: Farben und Puder geben Zuckerkunstwerken wie diesem Fußball eine glaubhafte Optik.

„Am meisten modelliere ich mit der Hand“, erklärt sie – besonders Blumen nehmen viel Zeit in Anspruch: Jedes Blütenblatt wird einzeln geprägt, gerollt, getrocknet und schließlich montiert. „Wenn man an so einer Blume nicht ganz sauber arbeitet, geht der Effekt verloren“: Ein gewisser Perfektionismus muss sein. Zum Glück seien manche Fehler auch zu beheben – eine Macke an der Torte lasse sich etwa mit einem Rosenblatt kaschieren: „Es gibt keine Fehler, es gibt immer Wege, um das rauszukommen.“

Stücke, welche die Zeit überdauern sollen, fertigt sie aus spezieller Zuckermasse, die härter wird – solange sie nicht in der Sonne aufweichen oder Unfällen zum Opfer fallen, halten sie sich. Statt einer echten Torte verwendet sie dann einen Dummy. Große geformte Stücke wie eine goldene Büste sind kein massiver Zucker – die würden in sich zusammenfallen. Tatsächlich fertigt sie dafür eine Puffreis-Masse an und schnitzt. Für kleineres nutzt sie auch Alufolie oder Styropor. Ein weiteres süßes Arbeitsmaterial ist Modellierschokolade: Die wird immer wieder weich und erlaubt etwa, Gesichter mit Falten und Poren zu gestalten.

Projekt in Arbeit: Büsten schnitzt Domenica Megger zuerst aus einer Puffreismasse, bevor sie mit Modellierschokolade das Gesicht formt.

Noch immer dekoriert Domenica Megger auch Gebackenes – eine eigene Herausforderung: „Die Torte lebt.“ Je nachdem, ob sie gerade gekühlt wird, schwankt die Temperatur, auch mit Feuchtigkeit muss sie umgehen. Das andere Problem: „Das Herz blutet beim Anschneiden schon ein bisschen.“

Viel zu lernen in der Arbeit mit dem Zucker

fünf Jahren präsentiert Domenica Megger ihre Zuckerkunst online, ein Jahr später machte sie sie sogar zum Beruf, besuchte für eine Firma etwa Messen: Auf der „Cake & Bake“ treffen sich Künstler aus der ganzen Welt. Sie selbst gab da Kurse, präsentierte ihre Arbeit auch in Liverpool, Österreich und Polen. 

Mit besonderer Technik verpasst Domenica Megger Torten-Dummys eine Holzoptik. Wie genau das geht? Die Zuckerkünstlerin hat ihre Geheimnisse.

Heute ist die 37-Jährige, die ihr drittes Kind erwartet, noch Markenbotschafterin und mit einem Kleingewerbe selbstständig, in dem sie Privatleute unterrichtet. „Manchmal sieht es schwieriger aus, als es ist“, sagt sie. Ein bisschen Fingerfertigkeit sei nötig, aber sie sei hin und weg, was manche Kinder schon erschaffen können. Da habe sie richtig Lust, Kurse zu geben. Einen Einblick und Tutorials gibt sie auf ihrer Facebook-Seite „Mika Cake with Love“

Sie selbst will immer noch mehr entdecken. So fertigte sie etwa eine „50 Shades of Grey“-Tortendeko, mit einer Maske aus essbarer Spitze. „Das war der Renner im Internet, weil es vor mir noch niemand gemacht hat.“ 

"Renner im Internet": Die 50-Shades-Deko mit essbarer Spitze.

Weiter hält sie die Augen nach neuen Materialen auf. Gerade überlegt sie etwa, wie sie für eine Weihnachtswerkstatt ein Kaminfeuer bauen könnte – sie denkt an durchsichtiges Isomalt. Die schönsten Sachen, sagt Domenica Megger, seien eben die, die sie selber entwickeln kann.

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