Staatsanwaltschaft Kassel entscheidet über Obduktion

Tödlicher Tauchunfall in Grube in Willingen: Ursache noch unklar

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Tauchunfall in der stillgelegten Schiefergrube Christine in Willingen: Feuerwehrleute im Einsatz.

Willingen. Die Ursache ist noch immer unklar: Ein 66-jähriger Taucher ist in der Nacht auf Donnerstag an den Folgen eines Tauchunfalls in der Schiefergrube Christine in Willingen gestorben.

+++aktualisiert um 15.26 Uhr+++ Zu einem Tauchunglück mit tödlichem Ausgang kam es am Mittwochabend in der Grube Christine in Willingen. Ein 66-jähriger Mann aus Volkmarsen starb, nachdem er mit einem befreundeten 51-Jährigen aus Bad Arolsen in dem Höhlensystem tauchen war. Die Ursache für das Unglück ist bislang noch unklar. 

Gegen 21 Uhr am Mittwoch stiegen die beiden erfahrenen Taucher in den alten Stollen hinab. Beim Auftauchen machten die Männer regelmäßig sogenannte Dekrompessionsstopps, bei denen immer wieder in einer bestimmten Tiefe kurz verweilt wird. So soll der Druck auf den Körper vermindert und der Dekompressionskrankheit vorgebeugt werden. 

Während einer solchen Pause entdeckte der Bad Arolser seinen Tauchfreund in sechs Metern Tiefe, er hatte das Bewusstsein verloren. Der 51-Jährige brachte ihn an die Oberfläche, alarmierte den Rettungsdienst und begann mit der Wiederbelebung. Mit dem Krankenwagen wurde der 66-Jährige schließlich ins Korbacher Krankenhaus gebracht, wo er gegen 23.20 Uhr verstarb. 

Die Kripo Korbach hat die Ermittlungen aufgenommen und die Tauchausrüstung sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft Kassel wurde eingeschaltet, sie wird über die Beantragung einer Obduktion entscheiden, sagt Jörg Dämmer, Sprecher der Polizei. Beide Männer seien „langjährig erfahrene Taucher, die auch die entsprechende Qualifikation und Berechtigung dazu hatten“. 

Die Gemeinde Willingen, die Eigentümerin des Bergwerks ist, hat den Stollen verpachtet. Ob der Todesfall Konsequenzen für das Tauchangebot in der Grube haben wird, hänge von der Todesursache ab, so Bürgermeister Thomas Trachte. Sollte es ein Unfall oder gesundheitliches Problem gewesen sein, dürfe auch künftig getaucht werden. Hänge der Tod mit dem Tauchsystem an sich zusammen, könne man es möglicherweise nicht mehr anbieten.

Wie der Pächter der Schiefergrube auf Nachfrage mitteilte, waren beide Taucher erfahren und hatten bereits mehrfach Tauchgänge in der alten Schiefergrube absolviert. Denkbar sei, so der Helminghäuser, dass die Sicherung des Mundstücks nicht angelegt wurde. Bei einer Sauerstoffvergiftung verkrampft der Körper sofort, danach ist der Taucher noch bis zu drei Minuten bei Bewusstsein - die Sicherung soll das Mundstück fixieren, fehlt das Necklace dringt sofort Wasser ein und der Taucher hat wenig Überlebenschancen.

Zuletzt hatte es im März 2016 einen tödlichen Unfall in der Grube Christine gegeben. Dabei war ein 49-Jähriger aus Duisburg gestorben. Zu dem Unfall war es beim Wechsel eines Luftsystems gekommen. (mit 112-magazin.de)

Wassertemperatur acht Grad

Blick in die Grube Christine: Ein Taucher in dem alten Stollen in Willingen.

Der Betrieb in der Schiefergrube „Christine“ wurde 1971 nach gut 100 Jahren eingestellt. Seitdem ist sie für Besucher freigegeben und kann bei Führungen erkundet werden. Die gefluteten Sohlen können Höhlentaucher erkunden. An einer 1,2 Kilometer langen Führungsleine, die in den Schächten verlegt wurden, können sie sich beim Tauchen orientieren und schnell zum Ausgang finden.

Die Wassertemperatur im Willinger Bergwerk liegt das ganze Jahr über bei acht bis neun Grad, die Sichtweite im Wasser beträgt 30 bis 40 Meter. Der Einstieg zum Tauchgang erfolgt über die alten 45 Grad steilen Bremsberge, über die früher die Loren gezogen wurden. Maximal zehn Personen pro Tag dürfen in der Grube tauchen gehen, mehr als 300 Taucher sind es nicht, die pro Jahr hinabsteigen.

Hier befindet sich die stillgelegte Grube:

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