Notbremse endet am 3. Juni

Willingen steht vor Corona-Lockerungen

Gäste sollen morgen wieder vor den Lokalen sitzen können – bei Gerlinde Scriba von der Dorf-Alm in Willingen ist die Vorfreude groß. Abstand und Trennscheiben sollen helfen.
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Gäste sollen morgen wieder vor den Lokalen sitzen können – bei Gerlinde Scriba von der Dorf-Alm in Willingen ist die Vorfreude groß. Abstand und Trennscheiben sollen helfen.

Nach sieben Monaten Lockdown blicken die Gastronomen den ersten Öffnungsschritten freudig entgegen – die Hochburg Willingen präsentiert sich gut vorbereitet.

Willingen – „Wir sind voller Enthusiasmus und Tatendrang“, sagt Gerlinde Scriba von der Dorf-Alm in Willingen: Seit Montag wurde geputzt und hergerichtet, aber schon zuvor wurde regelmäßig gearbeitet, um schnell starten zu können: „Irgendwann musste der Startschuss ja fallen.“ Fronleichnam ist es soweit.

An den anderen Standorten in NRW gab es schon Lockerungen – und regen Betrieb, trotz widrigen Wetters. Das erwartet Gerlinde Scriba auch für Willingen: „Die Menschen wollen raus“, sagt sie und meint Gäste wie Einheimische. Die Dorf-Alm könne mit Abstand und Trennscheiben rund 70 Prozent ihrer Außenflächen nutzen. Freilich habe nicht jedes Lokal so viel Platz – den ersten Öffnungsschritt könnten also nicht alle nutzen. Aber nach dem, was sie höre, seien 70 bis 80 Prozent der Betriebe im Ort dabei.

Schwierig bleibe die Lage für Hotels – denn wo sollen die Gäste hin, wenn bei schlechtem Wetter die Innengastronomie zu bleibt? Doch die schrittweise Öffnung habe auch gutes: Die Mitarbeiter in der Gastronomie kommen erst jetzt so langsam mit dem Impfen an die Reihe, demnächst falle deshalb immer wieder einer aus. Manche müsste auch erst wieder anreisen. Und auch sonst brauche die Arbeit nach sieben Monaten Lockdown wieder etwas Eingewöhnung.

In Willingen gelten hessische Corona-Regeln

Bei aller Freude, wieder arbeiten zu dürfen, hat Gerlinde Scriba weiter Kritik an der Politik und den je nach Bundesland unterschiedlichen Vorschriften: In NRW gelte ein Test für 48 statt 24 Stunden, für die Außengastronomie sei er gemeinhin nicht mehr nötig – was sie befürwortet, aber die Gäste aus NRW könnten überrascht werden. „Wir haben in sieben Monaten echt viel ertragen. Warum kann man jetzt keine einheitlichen Regeln schaffen?“ Grenzregionen gebe es schließlich reichlich.

Genesene, doppelt geimpfte und negativ getestete Gäste können kommen – „die drei Gs“ Wie aufwendig die Kontrolle ist, lasse sich im Vorfeld nicht einschätzen, die Gäste werden aber gebeten, entsprechende Dokumente mitzubringen. Reservierungen machen den Betrieb für sie und die Gastgeber einfacher.

Willingen baut Testkapazitäten aus

Testmöglichkeiten gibt es in Willingen reichlich: Im Besucherzentrum wird ein externer Dienstleister herangezogen, um täglich länger öffnen zu können. Viele Hotelbetriebe richten Testzentren ein, die dann auf willingen.de/offen veröffentlicht werden.

Tests auf dem Barhocker werden im Brauhaus angeboten: Mitarbeiterin Juliane Brand wurde eigens geschult.

Auch im Willinger Brauhaus können Besucher wieder auf den Barhockern Platz nehmen – zum Testen: In der Malztenne wurden zehn Stationen eingerichtet und entsprechend viele Mitarbeiter von Ärzten geschult, erklärt Betriebsleiterin Iris Beckmann. Erfahrungen sammelten sie schon im „Enzian“ in Korbach, mit dem erarbeiteten Konzept ließen sich bis zu 2000 Menschen am Tag testen. Für Mitarbeiter in der Gastronomie gebe es eine eigene Spur, damit diese schnell an die Reihe kommen und sicherer sind.

„Die Stimmungslage ist sehr optimistisch“, sagt Iris Beckmann – und hofft, dass die zweite Stufe bald erreicht ist und auch die Innengastronomie wieder öffnen darf.

Buchungslage in Willingen noch verhalten

Die Buchungslage in Willingen sei laut den meisten Hotels und Pensionen noch sehr verhalten, teilt die Gemeinde Willingen mit. Ferienwohnungen und -häuser seien hingegen sehr gefragt. Dennoch sei die Stimmung gut. „Wir freuen uns, dass es endlich wieder losgeht. Aber für den Juni rechnen wir noch nicht mit vielen Buchungen“, sagt Kevin Gügel vom Hotel Magdalenenhof. Viele Gäste hatten schon gebucht, wegen der Unsicherheit aber wieder storniert. Ein Trostpflaster: Die Überbrückungshilfe drei gilt noch für den Juni. Und die Nachfrage für die Sommerferien ziehe wieder an.

Mit gemischten Gefühlen schaue die Gastronomie dem Öffnungstag entgegen. „Wir haben alles getan, um uns auf den Tag X vorzubereiten und freuen uns natürlich auf unsere Gäste“, bestätigt Arndt Brüne, Vorsitzender des Vereins „Aktives Willingen“ und Betreiber der Graf-Stolberg-Hütte. „Wir sind zurzeit absolut vom Wetter abhängig und hoffen darum auf einen baldigen zweiten Öffnungsschritt.“ Zudem schränke die Drei-G-Regel – getestet, geimpft, genesen – Gäste ein.

Um ihnen die Nachweispflicht möglichst einfach zu machen, hat die Gemeinde ein umfangreiches Testkonzept entwickelt. Eine Kapazität von mindestens 2000 Tests pro Tag soll bereitstehen. Wo es Teststellen gibt, wird unter willingen.de bekannt gegeben.

Freizeitbetriebe in Willingen vorsichtig optimistisch

Tagesgäste reagieren etwas spontaner als Übernachtungsgäste. So rechnen die Freizeitbetriebe zwar nicht sofort mit dem großen Gästeandrang, sehen dem ersten Öffnungswochenende aber optimistisch entgegen: „Es ist gut, dass wir raus sind aus der Bundesnotbremse. Draußen an der frischen Luft sehen wir so gut wie keine Infektionsgefahr“, sagt Christian Rummel, Betreiber der Sommerrodelbahn. Auflagen in Anstehbereichen seien schon im vergangenen Sommer gut zu bewältigen gewesen.

Tourismusdirektor Norbert Lopatta ist sich sicher: „Alle Betriebe zeigen große Initiative, ihren Gästen den Aufenthalt so sicher und so angenehm wie möglich zu machen. Gäste, die das erleben, werden Willingen in guter Erinnerung behalten.“ (wf/red)

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