Projekt der "Arolsen Archives"

"Jeder Name zählt": Uplandschüler helfen, Listen der NS-Opfer zu digitalisieren

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Nicht in Vergessenheit geraten sollen die Namen der Opfer, die sich auf den Listen der Deportierten finden. Im „Crowd Sourcing“ wird die nötige Arbeit auf viele Helfer verteilt, hier auf Uplandschüler. 

Willingen. Millionen Opfer forderte der Holocaust - ihre Namen sollen nicht in der Vergessenheit verschwinden. Schüler auch in Willingen leisteten einen Beitrag.

 „Gibt es eine weitere Zeile?“: Die Frage erscheint nicht zum ersten Mal auf dem Bildschirm. Wieder klickt Felix auf „Ja“ – die ihm vorliegende Liste von Transporten in die Konzentrationslager geht noch weiter und ist eine von vielen. Er tippt Namen und Daten ab, genau wie seine Mitschüler, zwei weitere Klassen an der Uplandschule, Gymnasiasten aus Korbach und Bad Arolsen und junge Menschen an 23 weiteren Schulen in Hessen – es gibt viel zu tun.

Gestern, am Holocaust-Gedenktag, beteiligten sich Uplandschüler am Crowd-Sourcing-Projekt „Jeder Name zählt“ der „Arolsen Archives“: Die Deportationslisten der Nazis liegen zwar als Scans vor, wirklich auf einer digitalen Plattform mit ihnen arbeiten lässt sich aber erst, wenn eine Suche im Text möglich wird. Die dafür notwendige Erfassung ist eine fehleranfällige Arbeit, also werden alle Dokumente mehrfach abgetippt und automatisch abgeglichen – Fehler fallen also auf, erklärt Studienleiterin Carmen Wilke.

„Die Namen sollen digital zugänglich gemacht werden, damit die Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen werden“, erläutert Fachbereichsleiterin Gabriele Englberger, die auf Seiten der Schule für die Organisation verantwortlich ist. Aufeinandergestapelt würden die KZ- und Inhaftierungsdokumente 3256 Meter hoch sein, so das Beispiel der „Arolsen Archives“ zum Umfang der Arbeiten. Mehrere tausend Namen erfassen die Klassen G10a und b sowie R10 im Laufe des Schultags – jeweils eine Doppelstunde lang, um die Konzentration zu wahren.

Drei Klassen halfen in Willingen: Neben der G10a die R10 und die G10b.

Die Helfer erhalten Zugang zu einer Online-Plattform, in der ihnen eingescannte Listen gezeigt werden. Immer wieder ziehen die Schüler sich das digitale Lineal zurecht, um nicht in der Zeile zu verrutschen und tragen Information um Information ein. Wie schnell das geht, hängt ganz von der Liste ab: Für die Schüler ungewohnte Osteuropäische Namen erfordern besondere Sorgfalt, oft kommen weitere Angaben hinzu, etwa Berufe oder Häftlingsnummern.

Übermalte Tippfehler, schwankende Druckstärke und handschriftliche Ergänzungen machen das ganze nicht leichter, bestätigt Megan, auf deren Liste sich viele mit einem Kuli gemachte Anmerkungen finden. Oft kann sie sie entziffern, doch manchmal kann sie nichts eintragen, außer sie als „unclear“ zu markieren..

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz findet sie die Arbeit, an der sie sich beteiligt, wichtig: Familien müssen herausfinden können, was mit ihren Angehörigen geschah. „Es gibt ja auch Leute, die den Holocaust verschweigen wollen“, ergänzt Felix – angesichts der Menge an Listen sollte das nicht möglich sein..

Die Aktion hat auch einen pädagogischen Ansatz und soll an das Thema der Nazi-Verfolgung heranführen, hatten die „Arolsen Archives“ angekündigt. Zeitlich passte es jedenfalls gut: Der Nationalsozialismus ist derzeit Thema bei allen drei Klassen.

Insgesamt beteiligten sich 800 Schüler aus 26 hessischen Schulen. Der zentrale Akt fand in Bad Arolsen statt.

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