Abschied von Usseln, Rattlar und Welleringhausen

Pfarrerin Gisela Grundmann geht in den Ruhestand

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Hat kein Zimmer ohne Bücher: Gisela Grundmann geht zum Jahresende in den Ruhestand.

Usseln/Welleringhausen/Rattlar. Nach 23 Jahren nimmt Gisela Grundmann Abschied vom Upland -  nach einer Laufbahn voller Wagnisse, Wendungen und deutlicher Meinungen.

„Gisela, wollen Sie nicht Theologie studieren?“: Die Frage des Pfarrers war für die junge Landauerin schwierig: Sie hatte zwar während einer langen Vakanz der Pfarrstelle in der Bergstadt mit zwei Freundinnen den Kindergottesdienst aufgebaut, doch weibliche Pfarrer waren selten – es habe keine Vorbilder gegeben, Frauen wurden erst seit wenigen Jahren ordiniert. 36 Jahre nach ihrem Ersten Examen hat sich das geändert, Gisela Grundmann blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Zum Jahresende geht die 60-jährige Pfarrerin für Usseln, Welleringhausen und Rattlar nach 23 Jahren im Upland in den Ruhestand.

Nach dem Abitur an der Christian-Rauch-Schule studierte sie in Marburg und Münster Theologie, von 1983 bis 1985 absolvierte sie ihr Vikariat in Nentershausen nahe Rotenburg – im Pfarrer und späteren Dekan Rudolf Schulze gewann sie einen Mentor, dem sie viel ihres Verständnisses des Pfarrberufs verdankt.

Vier Punkte sind es, die sie besonders wichtig findet. Zuerst: „Gottesdienste in großen wie kleinen Gemeinschaften feiern – und zwar mit allen Sinnen.“ Beim Abendmahl sollen die Gläubigen Gutes schmecken und riechen; sich beim Friedensgruß fühlen.

 „Es ist auch wichtig, die Menschen da zu begleiten, wo sie gerade im Leben stehen“, sagt sie: Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung markieren die großen Übergänge im Leben. Auch abseits davon sei es ihr wichtig gewesen, ein offenes Haus zu haben. 

Kirche solle zudem immer eine gesellschaftspolitische Rolle einnehmen, findet sie: „Etwa bei der Arbeit mit Geflüchteten: ,Wir schaffen das‘ ist ein wichtiger Satz, zu dem ich stehe.“ Auch das Gedenken an die jüdischen Upländer in Eimelrod bedeute ihr viel: „Ohne sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, kann man nicht in die Zukunft gehen.“

Ihre erste Pfarrstelle war in den Orten Wölfershausen und Lengers an der Werra – eine von Bergleuten geprägte Gegend, in der sie gerne wirkte. Doch die Pfarrdienstordnung war damals restriktiv: Als die die zweifache Mutter sich scheiden ließ, musste sie ihre Pfarrstelle nach zehn Jahren verlassen. 

Als Waldeckerin wurde sie darauf angesprochen, ob sie nicht eine Pfarrstelle im Upland übernehmen wollte. In Usseln fand sie eine neue Heimat, für deren engagierte Kirchenmitglieder und -vorstände sie sich dankbar zeigt – ebenso für die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und politischer Gemeinde.

Im September 1995 übernahm sie Usseln und Welleringhausen, seit Mai 2015 gehört Rattlar wieder zum Kirchspiel. Seit 2006 war sie vorsitzende Pfarrerin des Gesamtverbands Upland. Im Kirchenkreis ist sie Mitglied der Ausschüsse für Umwelt, Diakonie und Konferenzplanung.

Während Gisela Grundmann sich auf mehr Zeit mit ihrem in die Gemeindearbeit eingebundenen Mann Friedrich und Familie ebenso freut wie auf Zeit zum Lesen, Zelten, Zeichnen und Klavierspielen, ist sie mit ihren Aufgaben noch nicht ganz am Ende: Die Rechte des geistlichen Standes behält sie ein Leben lang, die Hauptkonfirmanden möchte noch einsegnen – wenn ihr zu findender Nachfolger nichts dagegen hat. Usseln wird wieder als ganze, unbefristete Pfarrstelle ausgeschrieben. 

In der Zwischenzeit übernimmt Pfarrerin Katrin Schröter die Vertretung. Zumindest in dieser Vakanzzeit gibt es nicht jedem Sonntag Gottesdienste in Usseln – in Welleringhausen monatlich, in Rattlar alle zwei Wochen mit etwas Flexibilität. 

Am Sonntag, 13. Januar, um 17 Uhr wird Gisela Grundmann in einem Gottesdienst verabschiedet.

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