Grenze zu Rattlar, Schwalefeld und Willingen

Usselner Schnadezug unter Corona-Bedingungen begangen

Die Königsfamilie wurde beim Schnadezug in Usseln zuerst gestutzt: Fürs Foto wiederholten (von links) Christian, Nicole, Carsten und Sebastian Engelbracht das untereinander ohne Maske.
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Die Königsfamilie wurde zuerst gestutzt: Fürs Foto wiederholten (von links, mit Sebastian Vogel) Christian, Nicole, Carsten und Sebastian Engelbracht das untereinander ohne Maske.

Wandern mit Abstand, Stutzen mit Maske: Die jüngsten Lockerungen ermöglichten den Usselner Schnadezug, wenn auch etwas anders als sonst.

Willingen-Usseln – Manch einer der Grenzsteine ist gar nicht so einfach zu finden und ragt zwischen Stacheldraht oder Vegetation kaum aus der Erde – aber Usselner Grenzsteine wie die 24 in Richtung Rattlar, Schwalefeld und Willingen zu finden und den Grenzverlauf zu kontrollieren, ist seit jeher Zweck des Schnadezugs. Mit rund 60 Teilnehmern zog dieser am Sonntag durch den Norden der Gemarkung.

Nach den jüngsten Lockerungen der Corona-Regeln war es die erste Veranstaltung der Usselner Schützengesellschaft seit dem Silvesterball 2019. „Nach der fürstlichen Verordnung vom 3. Oktober 1770 ist die Grenz- und Schnadedurchführung keineswegs ganz verboten, aber das Geschehen von Ausschweifungen ist zu vermeiden. Ein Mundschutz ist zu tragen“, ergänzte Ralf Heine als Vorsitzender der Schützengesellschaft die historischen Worte, mit denen der Zug traditionell beginnt.

Nähere Bekanntschaft mit den Grenzsteinen durfte nur mit Maske gemacht werden, Sebastian Vogel und Ralf Engelbracht vom Stutzkommando waren geimpft. Alternativ war möglich, am Grenzstein nur nach vorne zu treten und so als gestutzt zu gelten. Stutzmeister Holger Vogel sagte jedenfalls oft die Formel auf, die bei der Erinnerung an den Grenzverlauf helfen soll: „Dieser Stein soll für immer Usselns Grenze sein. Der Stein, die Grenze, in Ewigkeit.“ Den Auftakt machte die Königsfamilie von Carsten und Nicole Engelbracht, dann das Kaiserpaar Heiner und Svenja Wilke. Abstand war zu halten, an engen Stellen sollte im Zweifel Maske getragen werden. Auch bei der Frühstückspause im Aartal nahe des Skilifts und beim Abschluss an der Schützenhalle stand Abstand auf dem Programm.

Die Grenze zu Rattlar, Schwalefeld und Willingen ist ein steiler Abschnitt, 415 Höhenmeter wurden auf der mit Zu- und Rückweg 12,5 Kilometer langen Strecke bewältigt. Das unwegsame Lüer hinab musste der Zug einen Umweg nehmen. Vom Aartal bis zum Iberg begleiteten der Schwalefelder Ortsvorsteher Christopher Leeser und zwei Vorstandsmitglieder der Schützen die Usseln entlang „der gemeinsamen Grenze, die heute eher verbindet als trennt“, wie Leeser festhielt. Abgelöst wurden sie von Bürgermeister Thomas Trachte und seiner Frau.

Seit 1967 laden die Usselner nach langer Pause zu Schnadezügen ein. 139 Steine wurden dabei gefunden, 123 sind noch erhalten. In Jahren mit besonders großer Teilnahme wie 1979 und 2005 waren mehr als 140 Schnadegänger dabei. Die Grenze ist für die Züge in fünf Abschnitte eingeteilt, es läuft die elfte Runde. Im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung ausfallen, der Abschnitt wurde nun nachgeholt. (wf)

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