Delegation aus Eimelrod, Hemmighausen und Rattlar

Usselner prägen sich bei Schnadezug  ihre Nordgrenze ein

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Einprägsam: Mit Blick zur Heimat und hartem Stein stutzen Markus Bohl (links) und Lukas Schulze Willi Gerbracht.

Willingen-Usseln. Die Usselner Grenze ist lang und schwierig zu gehen - was die 100 Teilnehmer des Schnadezugs nicht davon abhielt, eine alte Tradition zu Pflegen.

Die Usselner Gemarkung gehört mit 2218 Hektar Fläche zu den größten in Waldeck, der beschwerliche Grenzverlauf ist mehr als 35 Kilometer lang, mancher der über 100 Grenzsteine ist an fast unzugänglicher Stelle platziert. Wenn die Usselner Schützengesellschaft jährlich zum Schnadezug einlädt, wird also immer nur ein Teilstück des Weges absolviert: In sechs Strecken ist die Grenze eingeteilt.

Der 53. Gang stand am Sonntag an: Bei herrlichem Sonnenschein marschierten 100 Teilnehmer mit. Eimelrod, Hemmighausen und Rattlar waren vertreten, denn die Grenzen zu diesen Gemarkungen schritt der Zug ab. Los ging es am Osterkopf mit seinen einmaligen Hochheideflächen. Im Schutze einiger Kiefern befindet sich hier auch der Gedenkstein der Schützengesellschaft zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1977.

Die Grenze verläuft durch den Hochwald nahe des Gipfels der Sähre und fällt dann in steiler Linie durch dichten Fichtenwald und offene Buchenbestände hinab ins Diemeltal. Der Fluss wird etwa auf halber Strecke zwischen Usseln und Hemmighausen überschritten, und sogleich geht die Strecke wieder steil bergan zum Hermannsberg, wo der Sage nach die alten Germanen den Göttern huldigten.

32 der 123 Steine passierten die Teilnehmer, zu denen auch Bürgermeister Thomas Trachte und Ortsvorsteher Friedrich Wilke gehörten. Die letzte Markierung kam noch vor der Rattlarer Straße, den Endpunkt war die Hütte am Eideler, die Ludwig Behle und Familie zur Verfügung stellten.

Unterwegs werden alle Teilnehmer auf den Grenzsteinen „gestutzt“ – das heißt, ihr Hinterteil macht Bekanntschaft mit dem Gemarkungsstein. Dreimal lässt das Stutzkommando die Grenzgänger mehr oder minder sanft auf den Stein herab, dabei ist der Blick immer Richtung Heimat gerichtet. Auf dem ersten Grenzstein der Schnade wird immer den amtierende Schützenkönig gestutzt, seit dem ersten Schnadezug der Neuzeit im jahr 1967 mit Josef (Jupp) Göttlicher. Mit den Worten „Schützenbrüder, dieser Stein soll für immer Usselns Grenze sein, der Stein die Grenze in Ewigkeit, das sollen sich ganz besonders merken“ rief das Stutzkommando aus Markus Bohl und Lukas Schulze entlang des Weges weitere Teilnehmer auf. Stutzmeister ist Holger Vogel.

Das Wort Schnade ist übrigens von „Schneise“ hergeleitet, die Züge sind ein alter Brauch, mit dem sich die Bewohner den Grenzverlauf einprägen sollten. Vertreter der Nachbarorte wurden eingeladen, um Meinungsverschiedenheiten über den Grenzverlauf an Ort und Stelle auszuräumen. Im Lauf der Zeit entwickelten sich die Schnadezüge trotz des amtlichen Hintergrundes zu einer Art Volksfest mit Schnaps und Kapellen, Fürst Friedrich bezeichnete sie 1770 als ein “sündliches, ruchloses und mutwilliges Unwesen”. Im früher armen Upland hielten sich diese Ausschweifungen in Grenzen.

Von Tim Peuster

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