Skispringer im SC Willingen

Mit kindlichem Mut durch die Luft gleiten

Wenn vom 15. bis 17. Februar wieder das Weltcup-Skispringen an der Willinger Mühlenkopfschanze über die Bühne geht, werden viele Lokalmatador Stephan Leyhe anfeuern. Vielleicht bekommen kleine oder große Fans ja selbst Lust, mal beim Nachwuchs mitzumachen.

Begeisterung und etwas Mut sollten Interessierte mitbringen, so Schüler-Trainer Jörg Pietschmann.

So fing alles an beim Springernachwuchs: Der SC Willingen hatte nach dem ersten Weltcup 1995 vom Skiverband die Aufgabe bekommen, seine Skisprungabteilung stärker zu unterstützen. Also stellte der Verein im folgenden Jahr einen ausgebildeten Sprungtrainer ein: Jörg Pietschmann. „Als ehemaliger Skispringer, ausgebildeter Diplom-Sportlehrer und Skisprungtrainer motivierte mich das Angebot, eine neue Qualität in die Skisprungabteilung des SC Willingen zu bringen“, erinnert sich der gebürtige Vorharzer.

Erfolgreicher Willinger Springernachwuchs bei der Skisprung-Tournee 2018 in Braunlage. Fotos: pr

Die Abteilung wurde damals von Jens Kramer und Christan Behle ehrenamtlich geleitet. Die Gruppe bestand anfangs aus acht Kindern, die nur regionale Wettkämpfe besuchten. Seit 1997 ist der Willinger Springernachwuchs an Wettkämpfen in ganz Deutschland dabei und vertritt den Verein und den hessischen Skiverband überregional.

Den sportlichen Ansprüchen entsprechend wurden die Nachwuchsschanzen den neuen Anforderungen entsprechend angepasst. Ein neuer Mattenbelag wurde ausgelegt und Schanzenprofile angepasst, Anlaufspuren verändert und eine Minischanze gebaut. Seit 12 Jahren gibt es sogar Schneekanonen, um die Schanze im Winter zu nutzen.

25 aktive Kinder

Momentan sind etwa 25 Kinder dabei, die in drei Leistungsgruppen trainieren. Die Leistungsgruppe Jugend mit vier Sportlern wird von Heinz Koch geleitet und trainiert jeden Tag. Jörg Pietsch-mann leitet das Training der Schüler, unterstützt von Eltern. Bei Terminplanung und Wettkämpfen bekommt Pietschmann schließlich vom C-Lizenztrainer und ehemaligen Vereinsspringer Daniel Luckey Unterstützung.

Neben dem Sport zählt Geselligkeit. So bietet der SC Willingen jedes Jahr für alle Skisportler eine Fuchsjagd mit Sportlerehrung an, außerdem eine Herbstwanderung und einen Nikolauslauf. Und die Skispringer führen jedes Jahr ein Familienspringen durch.

Fast alle Springer nehmen an den großen Trainingslagern im Sommer und Winter teil. Schließlich gibt es mehrmals im Jahr kleinere Lehrgänge, unterteilt nach Alter- und Wettkampfformat.

Die nächsten Events sind nationale Wettkämpfe des Skiverbandes in Baiersbronn, Ruhpolding, Garmisch-Partenkirchen, Schmiedefeld , Johanngeorgenstadt und anderen Orten. Je nach Schneelage werden außerdem Kinderspringen an den Skihängen rund um Willingen durchgeführt.

Auch im Sommer ist der Springernachwuchs aktiv. Die Sportler nehmen an einer „Sechs-Schanzentournee“ im Nordwestdeutschen Raum teil. Wer sich qualifiziert, darf bei den internationalen Sommerspringen mitmachen. Die Besten besuchen ganzjährig Sprungwettkämpfe des Deutschen Skiverbandes.

Die intensive Nachwuchsarbeit hat Früchte getragen: „Die ersten großen Erfolge stellten sich vor 14 Jahren im Damenbereich ein: Jenna Mohr und Anna Häfele bestimmten mehrere Jahre das nationale und internationale Skisprungniveau.

Auch bei den Jungs gab es tolle Erfolge: So wurde Max Häfele vor sechs Jahren OPA-Sieger im Team in der Nordischen Kombination. Und Stephan Leyhes Gewinn der Silbermedaille im Mannschaftswettbewerb bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang war der größte sportliche Erfolg.

Aber auch die jüngsten Sportler sind zurzeit sehr erfolgreich. Etwa Michelle Göbel (14 Jahre), Mitglied in der Schüler-DSV-Mannschaft und momentan auf Platz drei in der DSV-Schülerwertung 2018/19 in ihrer Wettkampfklasse.

Außerdem zeigte Janne Puk (13 Jahre) gute Anschlussleistungen im nationalen Vergleich. Pietschmann zu den weiteren Zielen der Nachwuchsspringer: „Wir möchten Kinder für das Skispringen begeistern und herausragende Talente wie Stephan Leyhe entdecken.“ Außerdem kämpfe man für eine neue Schanze im Schüler- und Jugendbereich, denn trotz aller Bemühungen seien die Nachwuchsschanzen in Willingen national nicht mehr konkurrenzfähig. Insbesondere die Schanzenprofile und die Präparationstechnik sei veraltet. Aber vor allem zähle der Spaß am Sport. Und den habe Pietschmann selbst bis heute: „Seit meinem sechsten Lebensjahr bin ich vom Skispringen begeistert. Wie damals als Sportler und jetzt als Trainer hat mich der Skisprungvirus infiziert. Es ist immer wieder faszinierend, Menschen durch die Luft gleiten zu sehen“.

Natürlich sei das ständige Reisen und die 24-Stunden-Bereitschaften nicht gerade familienfreundlich. Da müsse er sich bei seiner Frau bedanken, die die Familie zusammenhalte. Jeder, der mithelfen oder sich als Förderer engagieren möchte, sei in Willingen willkommen. Pietschmann: „Allein die Springereltern helfen vorbildlich mit – ohne sie würde so manches nicht laufen!“

Wer Lust habe, mal vorbeizusehen und mitzumachen, sollte viel Mut und ein wenig Körpererfahrung mitbringen. „Kinder trauen sich das Skispringen leichter zu, sei es aus Neugier oder als Mutprobe“, so der Trainer. Wer das Springen mal probieren möchte: Die Einsteiger trainieren die Grundlagen zweimal in der Woche jeweils etwa zwei Stunden an der Schanze, am Alpinhang oder in der Halle. Übrigens: Der SC Willingen stellt allen Skispringern das Material – der Weltcup macht's möglich. Jährlich wird nur ein Materialbetrag in Höhe von 50 bis 400 Euro in Rechnung gestellt. Sonst wäre das Hobby teuer, denn die Springerski kosten 350 bis 750 Euro, die Bindung etwa 300 Euro, Schuhe 450 Euro, der Anzug 350 Euro und der Helm 130 Euro. Jörg Pietschmann: „Wir sind dem Verein sehr dankbar, dass er es ermöglicht, diesen tollen Sport zu betreiben.“ /Achim Rosdorff

Info

www.scwillingen.de joergpietschmann@ t-online.de Tel. 0171-5000187

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