Liftbetreiber wollen Chance auf Saison wahren

Warum die Schneekanonen im Skigebiet Willingen laufen

Schneekanonen im Skigebiet Willingen, Sicht auf die Ettelsberg-Seilbahn und den Ritzhagen.
+
Trotz Schneefalls und ruhender Saison sind die Schnee-Erzeuger in Willingen zwischenzeitlich in Betrieb.

Wenn es kalt wird laufen die Schneekanonen im Skigebiet Willingen. Eigentlich unnötig angesichts der Lage, kritisiert mancher – doch die Liftbetreiber haben Gründe.

Willingen – Es fällt so viel Schnee wie selten in den vergangenen Jahren, die Lifte sind wegen des Lockdowns geschlossen – wieso dann die Schnee-Erzeuger in Betrieb sind, fragt sich ein WLZ-Leser und kritisiert, dass das angesichts der Lage eine Verschwendung von Wasser und Energie sei und unnötig laute Geräusche mache.

„Diese Frage stellt sich völlig zu Recht und die Entscheidung war keineswegs leicht – gerade weil der Gesundheitsschutz derzeit für uns oberste Priorität hat“, erklärt Marina Kieweg, Sprecherin von Ettelsberg-Seilbahn und Sessellift K1. Aber: „Ohne Schnee verspielen wir jegliche Chance auf eine Öffnung. Ein kurzer Vergleich: Wenn ein Gastronom sein Geschäft wieder betreiben darf, putzt er die Gaststube und bestellt alle benötigten Waren bei seinen Lieferanten. Schnee gibt es jedoch nicht im Großhandel.“

Also sei die Vorbereitung für alle Betriebe im Skigebiet Willingen nötig. Selbst eine kurze Wintersaison helfe, Betriebe, Arbeitsplätze und Investitionen in die touristische Zukunft zumindest ein Stück weit zu sichern. Da die Seilbahnbetreiber einen Großteil ihres Jahresumsatzes zwischen Januar und März erwirtschaften, bedrohe eine komplett ausgefallene Wintersaison die Existenz viele Betriebe im Land. „Die Hilfsprogramme des Bundes sind daher für unsere Branche unzureichend bis untauglich“, erklärt sie.

Die sonst wichtigen Krokusferien würden selbst mit einem Lockdown-Ende am 14. Februar nicht stattfinden, da die Niederländer wegen Reisebeschränkungen und -warnungen nicht kommen werden, erläutert Marina Kieweg. Viele Anrufe und Nachfragen signalisierten jedoch hohen Nachholbedarf: „Raus in die Natur, an die frische Luft – und das bei geordneten Sicherheitsmaßnahmen und einer etablierten Infrastruktur. Von daher setzen wir durchaus auf eine mögliche Saison bis Mitte März.“

Bis dahin dürfe Schnee produziert werden, daraufhin ende der Liftbetrieb in der Regel naturbedingt. Der Naturschnee hätte derweil an manchen Tagen an einigen Hängen für den Betrieb ausgereicht, aber nicht die gesamte Saison und bis in die kommenden Wochen.

Deshalb seien rund drei Viertel der Schnee-Erzeuger im Skigebiet in dieser Saison im Einsatz gewesen, wozu die wirklich kalten und windbeständigen Tage und Nächte mit Temperaturen um die minus vier Grad genutzt wurden. Der Schnee wurde nicht präpariert, sondern zu Depots zusammengelegt, so dass er auch Tauwetter und Regenfälle überstehe. Wenn es losgehen dürfe, wollen die Liftbetreiber so gerüstet sein, sagt Marina Kieweg: „Das sind wir unseren Gästen und Mitarbeitern schuldig.“

Die Liftbetreiber hatten der Politik zu Beginn des zweiten Lockdowns im November ein Konzept für sicheren und kontrollierten Wintersportbetreib vorgelegt. „Ein klares Signal, ob eine Öffnung der Pisten zumindest in der Nachsaison möglich ist, fehlt bis heute.“

Die Wintersportarena verweist dabei etwa auf kontaktlosen Online-Ticketverkauf, limitierte Karten-Kontingente und ausgeweitete Betriebszeiten, um die Nachfrage zu kanalisieren. Auch Verkehrsprobleme sollte es so nicht geben. Mit Betrieb ständen sanitäre Anlage und Desinfektionsmittel bereit, die Liftbetriebe hätten wieder die Verantwortung, die Pisten zu sichern und aufzuräumen. „Besser geregelt geöffnet als unkontrolliert geschlossen“, fasst der Verbund zusammen. (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare