Neubauten in Willingen geplant

Kesper-Gelände: Der Weg ist frei für Hotel und Gastronomie

Frühere Badmöbel-Fabrik Kesper in Willingen: Auf diesem Areal sollen ein Hotel und ein Gastronomie-Betrieb entstehen. Die Gemeindevertretung gab dafür jetzt grünes Licht.
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Frühere Badmöbel-Fabrik Kesper in Willingen: Auf diesem Areal sollen ein Hotel und ein Gastronomie-Betrieb entstehen. Die Gemeindevertretung gab dafür jetzt grünes Licht.

Dem Bau eines Gastronomie-Betriebes mit angrenzendem Hotel auf dem Gelände der früheren Badmöbel-Fabrik Kesper in Willingen steht nichts mehr im Weg. Die Gemeindevertreter beschlossen in ihrer Sitzung am Mittwoch mehrheitlich die Umwandlung des Gewerbegebiets in ein sogenanntes „Urbanes Gebiet“.

Im Rahmen des Projektes soll die Außengastronomie auf eine Fläche von 400 Quadratmeter begrenzt werden, um eine Erlebnis-Party-Meile zu verhindern. Während die Fraktionen von CDU und FDP mit ihren 18 Gemeindevertretern geschlossen für das Projekt stimmten, votierten die Freien Wähler (6) dagegen. Auch zwei Parlamentarier aus den Reihen der SPD lehnten den neuen Komplex ab, drei weitere enthielten sich.

Das Großprojekt hatte in den vergangenen Wochen für intensive Diskussionen gesorgt. Am Mittwoch ging es noch einmal – angestoßen von den Freien Wählern – um die geplante Fußgängerbrücke zwischen Bahnhof und dem zukünftigen Gastronomie- und Hotel-Komplex. Unstrittig war, dass die Brücke eine große Entlastung für bislang von Besuchern durchströmte Straßen wie „Neuer Weg“ und „Zur Hoppecke“ ist. Friedrich Engelbracht (Freie Wähler) berichtete allerdings von Befürchtungen einer ortsansässigen Familie, dass es im Zuge der Brücken-Nutzung durch Party-Gäste zu einer erheblichen Lärmbelästigung komme. Gerade der Samstag, an dem der Ettelsberg stark frequentiert werde, sei hier problematisch. „Der Lärm verteilt sich im ganzen Ort. Das für den Bau des neuen Komplexes zuständige Planungsbüro weist dies jedoch als spekulativ zurück. Das sehen wir aber ganz und gar nicht so“, machte Engelbracht deutlich. Er forderte daher, die Brücke schalldämmend einzuhausen – und zwar nicht nur am Gleis, sondern auch in den oberen Bereichen. Der entsprechende Antrag dazu wurde später aber mehrheitlich abgelehnt.

Thorsten Kesper (SPD) hatte seine Ablehnung des Antrags im Vorfeld wie folgt begründet. „Natürlich sind Hinweise auf mögliche Lärmbelästigungen wichtig und wir nehmen diese auch ernst. Allerdings sollte die Brücke erst einmal stehen. Dann lässt sich auch feststellen, ob die Bedenken gerechtfertigt sind. Falls es so ist, kann die Brücke auch später noch eingehaust werden“, sagt der Gemeindevertreter und fügte hinzu: „Wir sollten nicht vorschnell Geld für etwas ausgeben, was eventuell gar nicht benötigt wird.“

Der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) betonte ebenfalls, dass die Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern „sehr ernstgenommen werden“. Klar sei aber auch, dass die Brückenanlage eine Entlastung für ganz Willingen bedeute. „Wir vom Gemeindevorstand sind auch der Meinung, dass es zu keiner Lärmbelästigung kommen wird. Falls es doch so ist, hat die Gemeinde immer noch die Möglichkeit, einzugreifen. Das wird sich auch im Beschluss zur Bebauung des Areals wiederfinden.“ Jetzt müsse erst einmal abgewartet werden, bis die konkreten Pläne zum Brückenbau vorlägen. Dann werde man auch über das Thema der möglichen Lärmbelästigung diskutieren.

Friedrich Engelbracht merkte noch an, dass das Planungsbüro vorgeschlagen habe, die Brücke zu sperren, wenn – gerade am Samstag – viele Menschen vom Ettelsberg in den Ort wollten und es dadurch möglicherweise zu laut werde. „Dann macht der Brückenbau doch insgesamt gar keinen Sinn, wenn sich die Menschenmassen dann wieder über den Neuen Weg ins Dorf bewegen“, so Engelbracht. Dazu sagte Bürgermeister Trachte: „Das Planungsbüro hat dies als Möglichkeit beschrieben. Wir werden das aber so nicht machen.“

„Jeder hat sich dazu ehrliche Gedanken gemacht“

Für die Freien Wähler in der Willinger Gemeindevertretung ist und bleibt der geplante Gastronomie-Betrieb auf dem früheren Kesper-Gelände „zu überdimensioniert“. Das machten sie in der Sitzung am Mittwoch noch einmal deutlich. „Sowohl 400 Plätze innen, als auch 400 Plätze draußen bezeichnen wir als Großgastronomie. Wir teilen damit die Sorge einer Familie aus Willingen, dass sich dort ein Party-Hotspot entwickelt mit Gästen, die wir nicht wollen“, sagte Friedrich Engelbracht (Freie Wähler) und fügte hinzu: „Wir sind deshalb weiterhin der Meinung, dass dort ausschließlich Sitzplätze angeboten werden sollten.“

Engelbrachts Fraktionskollege Friedrich Wilke machte deutlich, dass Willingen in Zukunft auch weiterhin den Gruppen- und Clubtourismus brauche und haben möchte. Was aber niemand wolle, seien Gäste, die sich daneben benehmen. Diese Gefahr sehe man aber, wenn auf dem früheren Kesper-Gelände eine Großgastronomie entstehe und sich dort – gerade am Samstag – viele Menschen aus dieser Klientel aufhielten. Dass das Projekt nun einfach so durchgewunken werde, sei nicht nachvollziehbar.

Bürgermeister Thomas Trachte sagte, dass es in der Praxis unmöglich sei, Gästen zu sagen, sie müssten die Außengastronomie jetzt verlassen, weil sie sich nicht hinsetzen möchten. Natürlich gebe es immer wieder Besuchergruppen, die niemand in Willingen haben wolle. „Das sehen unsere gastronomischen Betriebe ganz genauso und tun auch etwas dagegen. Wir sollten unser gesamtes wirtschaftliches Handeln aber nicht ausschließlich auf diese Personengruppen ausrichten.“ Im Mittelpunkt müssten weiterhin die Gäste stehen, welche die leistungsfähige und qualitativ hochwertige Gastronomie in Willingen zu schätzen wüssten. Diese Gäste machten den Großteil der Besucher aus.

Die Meinung, dass das Hotel- und Gastronomieprojekt auf dem früheren Kesper-Gelände „einfach so durchgewunken“ worden sei, teile er nicht. „Es gibt niemanden in der Gemeindevertretung, der sich dazu keine ehrlichen Gedanken gemacht hat.“ Das Projekt sei in den vergangenen Wochen und Monaten in einer bemerkenswerten Ausführlichkeit und Intensität behandelt worden.

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