Wirtschaftsreport: Weiterbildung erstmals in Nordhessen

Alles über Milch- und Käsegenuss lernen künftige Naturkostberater an der Usselner Molkerei 

Einblick in die Welt des Käses: Eine breite Auswahl brachte Teilnehmern wie den Genuss näher.
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Einblick in die Welt des Käses: Eine breite Auswahl brachte Teilnehmern wie den Genuss näher.

Willingen-Usseln. Was muss der Kunde wissen, um Bio-Produkte zu genießen? Angehende Naturkostberater haben sich in Usseln über Milch und Käse schlau gemacht.

Die Pause ist der schönste Teil des Lernens: Die Seminarteilnehmer haben ihrer Referentin aufmerksam zugehört, jetzt stehen sie auf, um sich in der Praxis von den geschilderten Besonderheiten des Käses zu überzeugen. Und tatsächlich: Der pikante Hartkäse aus Italien harmonisiert hervorragend mit der dunklen Schokoladencreme – es schmeckt ganz ausgezeichnet.

„Es geht um die Beratung – und darum, dem Kunden auch mal ganz was anderes zu bieten“, erklärt Referentin Heike Fahrsold-Auer eine Anwendung der neuen Weiterbildung zum Naturkostberater. Auch wenn Milch und Käse Thema bei den beiden Seminartagen an der Upländer Bauernmolkerei sind, geht es um mehr: Die Teilnehmer lernen, Kunden in Sachen Bio-Produkte zu beraten. 

Tierwohl und Hygiene sind Themen, vor Ort erlangen sie Fachwissen für die Beratung über Warengruppen wie Brot, Öle, Obst und Gemüse, aber auch Fertigprodukte, Reinigungsmittel und Kosmetik, erläutert Stephanie Größel vom ausrichtenden „Bundesverband Naturkost Naturwaren“ (BNN).

Der erste Tag in Usseln geht um Milch, auch im Museum der Molkerei. Am zweiten Tag verdeutlicht Käse die Vielfalt des Themas: Beim Geschmack stellt Heike Fahrsold-Auer nicht nur unerwartete Kombinationsmöglichkeiten vor, sondern die ganze Vielfalt von der Ziegenrolle in Senfsaat über Schnittkäse mit Ascheschicht bis zu Weichkäse, der über sein Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch weiter reife und cremiger werde – verkauft werden dürfe er dann nicht mehr, aber als Tipp für den Kunden sei das gut zu wissen.

Die Referentin von der Ökologischen Molkerei Allgäu geht auf viele potenzielle Fragen an der Käsetheke ein. Etwa Laktose: „Ab zwei Monaten Reifezeit könnt ihr völlig sicher sein, dass der Käse laktosefrei ist“, erklärt Heike Fahrsold-Auer eine Auswirkung des Reifeprozesses. Oder aber die Frage, ob die Rinde genießbar ist: „Bei Konventionellem wäre ich vorsichtig“, sagt sie, die Rinde enthalte zuweilen das Konservierungsmittel Natamycin – das sei aber deklariert. Ansonsten und gerade bei Bioprodukten gelte: „Rinde gehört zum Käse dazu.“ 

Und tierischer Lab, der für so manchen Kunden nicht mehr akzeptabel ist? Pflanzliche Alternativen seien eine Geschmacksache, die sich noch nicht durchgesetzt habe; mikrobielle seien nicht für jede Käsesorte geeignet. „Vielleicht auch nur noch nicht“, sagt sie – denn die Produktentwicklung gehe weiter.

Das Seminar richtet sich an Beschäftigte und angehende Marktleiter in Naturkostfachhandel und Reformhäusern, aber auch an Quereinsteiger in die Biobranche. Der BNN und die IHK Kassel-Marburg bieten die Weiterbildung mit 20 Unterrichtstagen erstmals zusammen an, in Oldenburg, Nürnberg und Ravensburg gab es sie schon. Die Teilnehmer kommen aus Nordhessen und der Umgebung, aber auch aus Nord- und Süddeutschland. Mitarbeiter der Bauernmolkerei hören ebenfalls zu.

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