Optik und Finanzierung des 31-Millionen-Projekts vorgestellt

Wie das Lagunenbad in Willingen nach dem Neubau aussehen soll

Entwürfe Neubau Lagunenbad in Willingen: (Bremer + Bremer Architekten) Außenanlage mit neuem Außenbecken im Textilbereich
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Die Optik des geplanten Lagunenbad-Neubaus wurde dem Parlament präsentiert.

In Sachen Neubau des Willinger Lagunenbads gab es im Parlament Einblicke in die Gestaltung – und in die Finanzierung.

  • Die Optik des Lagunenbad-Neubaus in Willingen nimmt Gestalt an
  • Trotz der Kostensteigerung auf 31 Millionen Euro hält die Gemeinde das Projekt für wirtschaftlich
  • Viele neue Angebote sollen die zuletzt gesunkenen Besucherzahlen wieder steigen lassen

Willingen – Wann denken Menschen an die Karibik? Diese Frage hat Chiara Bruer vom Architekturbüro „Bremer + Bremer“ beschäftigt, seit die Innenarchitektin mit dem Willinger Lagunenbad beschäftigt ist. Die Bilder aus dem Werbespot einer Kokos-Süßigkeit, die sie präsentiert, werden die meisten der Gemeindevertreter schon gesehen haben, so wie meisten Fernsehzuschauer. Weiße Strände, blauer Himmel, türkisfarbenes Wasser – das rufe Assoziationen hervor mit Wärme und Urlaub.

So das Ergebnis ihrer Wahrnehmungsanalyse, die sich in der Gestaltung des Neubaus niederschlagen soll: helle Böden, Türkis-Akzente, Grau- und Petroltöne zur Abgrenzung. Dazwischen ein paar warme Farben etwa durch Holzkästen. Im Außenbereich sollen durch phosphoreszierendes Granulat in den Platten etwa die Becken-Umgänge hervorgehoben werden – eine Neuerung, die es so noch nicht gegeben habe, betont Chiara Bruer.

Gestaltung dient nicht nur der Optik, macht sie klar: Eine mit Holz und Pflanzen geschmückte Wand inmitten der Glasfassade verbirgt nicht nur Lagerräume, sondern hilft auch der Akustik. Felsen dekorieren den Kinderbereich nicht nur, sondern grenzen ihn auch vom nahegelegenen Schwimmbecken ab. Geboten werden jungen Gästen etwa Sprudelsteine zum Zuhalten und eine Wellenmaschine als Gewöhnung ans bewegte Wasser.

Lagunenbad in Willingen soll neue Saunen und Angebote kriegen

Die eigentliche Ausstattung geht über das alte Bad hinaus: Die Wasserflächen sollen mit 1000 Quadratmeter das bisherige Maß halten, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte bereits im Bauausschuss – jetzt aber überall mit drei Prozent Sole, außer in einem „Floating“-Becken mit 18 Prozent Salzgehalt, ergänzt Architekt Andreas F. Bremer. Die Saunen greifen derweil Themen auf – Beispiele wären die Panorama-Sauna oder die Kino-Sauna mit atmosphärischen Filmen. Auch ein Schneeraum ist geplant, eventuell eine Salzgrotte. Eine Gartenlandschaft soll Erholungsräume bieten – sie wäre zwar pflege-intensiv, aber das Bad müsse attraktiv werden, um Gäste zu ziehen.

Das Lagunenbecken an sich bleibt als einer der wenigen Teile des alten Bads erhalten – drumherum ist vieles neu, nicht zuletzt der Gastro-Bereich für die Saunagäste oben.

Die Gastronomie würde aus einer Küche versorgt, aber dreigeteilt: Innenbereich, Terrasse und eine für die Saunagäste – das habe sich als wichtig erwiesen, erläutert Trachte. Chiara Bruer zeigte auch die neue Karibikbar inklusive Kaminecke – ebenfalls ein Angebot, bei dem gerade an die Sauna-Gäste gedacht wird.

Neuplanung der Technik treibt Kosten des Lagunenbads in Willingen hoch

Die Kosten des weitgehenden Neubaus des Willinger Lagunenbads steigen von 26 auf 31 Millionen Euro – die Gründe wurden bei der Parlamentssitzung genauer vorgestellt. Zwar gab es Änderungswünsche wie eine größere Gastronomie in der Sauna und Bausubstanz, die schlechter als erwartet war, etwa die für Nebenräume vorgesehene alte Karibik-Bar.

Ein Großteil ergab sich aber, als nach dem Wechsel des Planungsbüros für die Technische Gebäudeausstattung die Kostenschätzungen für alle Gewerke überarbeitet wurden, was sich auch auf das Gebäude auswirkte, weil etwa größere Keller und neue Kanäle nötig werden.

Der Saunabereich entsteht im ersten Bauabschnitt des Lagunenbads. Zu sehen sind hier der Wintergarten, der Außenteil des Lagunenbeckens samt „Floating-Becken“ vorne und Teile der Außensaunen.

Schon im Haupt- und Finanzausschuss hatte Bürgermeister Thomas Trachte auf Anfrage von Dieter Schütz (FDP) die Umstände erklärt: Es habe sich gezeigt, dass das Büro nicht die personellen Kapazitäten habe, um die Aufgabe zur Zufriedenheit der Gemeinde zu erfüllen, also hätten beide Seiten sich einvernehmlich getrennt.

Im Februar besprochene Kostensenkungen von zwei Millionen Euro seien im neuen Betrag schon inbegriffen, erklärte Architekt Andreas F. Bremer auf Anfrage von Dirk Wilke (FDP).

Eröffnung des Willinger Lagunenbads im Frühjahr 2022 realistisch

Als restliche Bauzeit schätze er anderthalb Jahre als realistisch ein. Stahlbau und Bodenplatte sind vergeben. Dachabdichtung und Tragschale kommen als nächstes neu auf den Markt. Dann folge die Verglasung, um das Gebäude dicht zu kriegen. Diskussionsbedarf bestehe wegen des Brandschutzes: Der Kreis fordere eine flächendeckende Brandmeldeanlage, auch über dem Wasser. Das erschließe sich ihm nicht, auch technisch sei das wegen Korrosion nicht so einfach, befand Bremer.

Die Spange zum Besucherzentrum soll den Eingangsbereich verschönern und die touristischen Angebote verbinden.

„Wie können wir uns absichern, dass die Kosten nicht weiter steigen?“, fragte Arndt Brüne (FDP). Das Planungsproblem sei behoben, und bislang konnten alle Aufträge günstiger vergeben werden, als geschätzt, erläuterte Bremer – Ausnahme waren besagte Arbeiten am Dach. Das neue Büro werde alle Ausschreibungen auf den Weg bringen, um von der Konjunktur zu profitieren – davon, dass anderswo Bauprojekte ausfielen, verbessern sich die Preise. Wie die wirtschaftliche Lage bleibt, könne aber niemand sagen. Und die Pandemie könne auch Kosten auslösen: Wenn das Land etwa wegen Corona Lüftungsanlagen mit 500 Millionen Euro fördere, steige die Nachfrage – Anlagen fürs Bad würden teurer.

Lagunenbad in Willingen soll weiter „schwarze Null“ schreiben

Genauer in die Finanzierung des Bades stieg Annette Pöttner ein, die Leiterin der Willinger Haupt- und Finanzabteilung: Nach 14,6 Millionen Euro Förderung, die das Land bewilligt hat, 400 000 Euro vom Kreis und 1,8 Millionen aus der Gemeindekasse bliebe eine Finanzierungslücke von 14 Millionen Euro, die mit Krediten geschlossen werden müsste. Glücklicherweise sei das günstig möglich, zuletzt gab es 0,5 Prozent Zinsen für die gesamte Laufzeit. Wenn alle Kredite aufgenommen sind, fallen jährlich 52 000 Euro Zinsen und 400 000 Euro Tilgungsleistungen an.

Im Gebiet der Saunen will die Gemeinde neue Angebote machen, um attraktiv für mehr Gäste zu werden.

Ihrer Wirtschaftlichkeitsrechnung legt die Gemeinde 225 000 Besucher im Jahr zugrunde – mehr als zuletzt, aber unterm früheren Niveau von 280 000 Gästen. Als durchschnittlicher Eintritt werden acht statt sieben Euro genannt, das Konzept muss noch ausgearbeitet werden. Energiekosten sollen sinken, Reinigung und Wartung werden höher angesetzt.

Unterm Strich ständen rund 2,4 Millionen Euro Erträge bei 2,3 Millionen Euro Aufwendungen im Jahr. Nach Verrechnung von Abschreibungen und Sonderposten und mit einer Sicherheit von 65 000 Euro bleibe genug, um die Kredite zu bedienen – mit einem Minus von 8000 Euro für die Gemeinde. (wf)

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