Bauausschuss stimmt knapp zu

Willingen: Hotel, Lokal und Märkte auf Kesper-Gelände geplant

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Was wird aus dem Gelände von Badmöbel Kesper? Eine knappe Mehrheit im Bauausschuss sprach sich für eine Planänderung aus, die den Bau eines Hotels, einer Gastronomie und zwei Märkte erlauben würde.

Willingen. Die Pläne für die neue Nutzung des Badmöbel-Kesper-Geländes in Willingen sorgen für Diskussionen: Fördern sie den Club-Tourismus oder nutzen sie dem Ort?

Ein günstiges Hotel mit 94 Betten, eine „gehobene Gastronomie“, ein Discounter und ein Drogeriemarkt: Die Pläne für die Nutzung des Badmöbel-Kesper-Geländes sind bei einer Sitzung des Willinger Bauausschusses vorgestellt worden. Darüber, ob sie erstrebenswert sind, gingen die Meinungen auseinander: Letztlich empfahl der Ausschuss der Gemeindevertretung mit fünf zu vier Stimmen, die erforderlichen Änderungen des Bebauungsplans vorzunehmen.

Hans-Jörg Kesper, Inhaber des Traditionsunternehmens, das 2018 Insolvenz anmeldete und vor einem Jahr schloss, erläuterte die Pläne: Vom 17 000 Quadratmeter großen Gelände sollen die östlichen 7000 Quadratmeter verkauft werden – dort sollen das Hotel und die Gastronomie entstehen. 10 000 Quadratmeter auf der Seite in Richtung Ritzhagen sollen für Discounter und Drogerie-Markt samt 150 Parkplätzen vermietet werden. Die Untergeschosse der bisherigen Halle sollen als Lager und Abstellmöglichkeiten für Autos und Wohnmobile dienen.

B&B Hotel in Willingen geplant

Kay Herrmann, Investor aus Düsseldorf, stellte die Pläne für das Hotel dar: Verpachtet würde es an die B&B-Gruppe, ein Betreiber wäre im Hotel wohnhaft, er selbst bleibe langfristig Eigentümer. Die Gastronomie hingegen wolle er verpachten und führe Gespräche mit einem Interessenten aus der Gemeinde. Zwei Obergeschosse und ein Staffelgeschoss vorgesehen, um insgesamt 94 Zimmer zu bieten.

B&B betreibt 500 Hotels in Europa, gut jedes vierte davon in Deutschland, erklärte Markus Bornemann. Er ist für die Expansion der Gruppe verantwortlich und in Diemelsee aufgewachsen. Die Hotels kosten gut 60 Euro pro Übernachtung, seien also 20 bis 30 Euro günstiger als der Willinger Schnitt. Damit seien sie keine Konkurrenz zum Bestand im Ort, sondern eine Ergänzung, sagte Kay Herrmann auf Anfrage von Friedrich Pohlmann (CDU).

Außenansicht eines B&B-Hotels: Die Gruppe nehme Rücksicht auf lokale Baustile, erklärte Markus Bornemann.

Ein, zwei Übernachtungen seien typisch, gut 20 Prozent der Zimmer für Familien gedacht, erläuterte Bornemann die Zielgruppe. „Sie müssen sich die B&B-Gruppe vorstellen wie den VW Golf: Da passt jeder rein.“ Junggesellenabschiede gehörten dazu, jedoch werde ein Fokus auf Sport gelegt. Kay Herrmann riet, auch Handwerker und Mitarbeiter von Sauerländer Unternehmen als Zielgruppe nicht zu unterschätzen.

Willingen: Brücke soll Gäste besser lenken 

Wie die Gastronomie sich gestalte, sei noch nicht spruchreif – nächtlicher Ärger mit den Gästen sei aber nicht in seinem Interesse, betonte Herrmann. „Es gibt teils zu wenig Restaurants in Willingen, aber die Gäste müssen sich versorgen“, merkte Friedrich Wilke (FW) an – B&B bietet bislang Frühstück und Essen aus Automaten, eine Bar in der Lobby werde getestet. Die Küche sei deshalb ein Entscheidungskriterium bei der Gastronomie, bestätigte Herrmann.

Das Gelände soll auch den Zuweg zur geplanten Promenade zum Bahnhof beinhalten. Friedrich Wilke befand, dass dieser ins Eigentum der Gemeinde übergehen sollte. Für seine Gäste sei das von der Landesregierung geförderte Projekt auch gut, sicherte Herrmann zu: „Wir werden eine Lösung finden, die für die Gemeinde zu 100 Prozent vertretbar ist.“

Clubtourismus in Willingen: Wird er durch das Kesper-Projekt gestärkt?

„Wir wollen seit Jahren den Clubtourismus eindämmen“, erinnerte Reinhold Pfennig (SPD) – dem auf Kurzaufenthalte ausgerichteten Vorhaben könne er nicht zustimmen. Bürgermeister Thomas Trachte berichtete, schon mit vielen Bürgern diskutiert zu haben und alle Seiten in dieser Sache zu verstehen: „Ich glaube, hier gibt es kein richtig und falsch“. Kurzaufenthalte seien aber nicht Clubtouristen vorbehalten, sondern allgemein der Trend. 

B&B biete keine Gruppereisen an: „Wir sind kein Clubhotel“, sagte Markus Bornemann. Dirk Wilke (FDP) kam dennoch zum Schluss, dass der Plan den Club-Tourismus befördere – dafür liege das Hotel im richtigen Preissegment. Er ringe mit sich, es sei aber auch eine Frage der Glaubwürdigkeit: „Im Haushalt haben wir 80.000 Euro für den Sicherheitsdienst vorgesehen, um die Leute in Bahnen zu kriegen, die wir hiermit befördern würden.“ 

Am West-Ende Willingens zwischen Seilbahn und Bahnhof liegt das Kesper-Gelände.

„Ohne 8000 funktionierende Gästebetten können wir andere Strukturen nicht aufrecht erhalten“, legte Thomas Trachte dar – es gebe immer Wegfälle, die kompensiert werden müssten. „Wenn wir Clubs als Argument nehmen, können wir gar keine Hotels und Gastronomie zulassen.“ 

Keine Hoffnung auf neue Industrie in Willingen

Mit der aktuellen Einstufung als Gewerbegebiet wäre nach seinem Kenntnisstand eine Großgastronomie auf dem Gelände erlaubt, sagte Trachte. Weder diese noch ein leerstehender Industriebetrieb seien erwünscht, größere Unternehmen kämen nicht. Die Möbelproduktion in Deutschland aufrechtzuerhalten sei derweil schwierig, berichtete Hans-Jörg Kesper angesichts günstiger Konkurrenz im Ausland. 

Die Einstufung als „Urbanes Gebiet“ erlaube die vorgesehene Mischung aus Einzelhandel, Hotel und Gastronomie, wobei sich letztere auch beschränken ließe, stellte Thomas Trachte das Ziel des Vorschlags dar, den der Gemeindevorstand nicht einstimmig, aber mehrheitlich beschlossen hatte. Schließlich stimmten die Ausschussmitglieder von CDU und Freien Wählern für die Änderung des Bebauungsplans; die der SPD dagegen; bei der FDP gab es ein „Ja“ und ein „Nein“. Die Gemeindevertretung entscheidet am Donnerstag, 13. Februar.

Willingen: Sind Discounter und Drogeriemarkt nötig?

Der Discounter hätte eine Verkaufsfläche von knapp 800 Quadratmetern, der Drogeriemarkt von 650. Nachdem die Gemeinde ein Einzelhandelsgutachten eingeholt hat, sieht sie von großflächigen Geschäften ab, die eben ab 800 Quadratmetern beginnen. Ein Überangebot würde die bestehenden Standorte in Willingen und Usseln schwächen - im Weltcuport gibt es schon Expansionspläne der Märkte. Das trete so schon ein, befürchtete Reinhold Pfennig – der Gemeindevorstand habe diese Befürchtung nicht, verstehe sie aber, sagte Thomas Trachte. 

In Sachen Discounter schloss in der Gemeinde zuletzt der Aldi in Usseln. Die regionale Geschäftsführung verwies auf sinkende Umsätze und eine zu kleine Fläche. Der Behauptung die Verkaufsfläche sei nur 600 Quadratmeter groß, widersprachen die Verpächter: 799 seien es gewesen.

Friedrich Wilke sprach das Risiko an, dass aus zwei Märkten irgendwann einer werde – dann seien Regionalplanung und Bauaufsicht gefragt, erklärte der Bürgermeister. 

In Usseln hatte erst 2016 ein Discounter geschlossen.

Verstärkt Kesper-Projekt Verkehrsprobleme im Willinger Skigebiet?

Dirk Wilke merkte an, dass die neuen Märkte für das Gros der Upländer Einkäufer ungünstig liegen: Sie müssten durch ganz Willingen fahren, was nicht immer einfach sei. Das ganze Projekt laufe Gefahr, die Verkehrsprobleme im Bereich der Anbindung an die Hauptstraße noch zu verstärken. An zehn bis 20 Wintertagen im Jahr staue sich der Verkehr, wenn alle Besucher gleichzeitig das Skigebiet verlassen, räumte Thomas Trachte ein. Es bestehe Handlungsbedarf – das eigentliche Problem lasse sich aber nur durch einen Großraumparkplatz direkt an der Hauptstraße lösen.

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