Delegation besichtigt Orte

Willingen und Usseln streben gemeinsam Prädikat als Erholungsort an

+
Ein beeindruckender Anblick war die Mühlenkopfschanze, doch die Gruppe aus (von links) Horst Wenzel, Elke Awiszus vom Hessischen Heilbäderverband, Michaela Kuhnhenn vom Touristik Service Waldecker Land und Rolf Koch, Stellvertretendem Vorsitzenden des Kneippbunds Hessen, suchte mit Anette Buchholz und Tourismusmanager Miro Gronau noch ganz andere Qualitäten in den Erholungsorten.

Willingen/Usseln. Erstmals gemeinsam: Willingen und Usseln lassen sich zusammen als heilklimatische Kurorte prädikatisieren.

„So kannte ich Willingen auch noch nicht“, wird in der kleinen Gruppe getuschelt, als sie den Gesundheitspavillon verlässt. Die Delegation hat sich in der jetzigen Tagespflege, die in Zukunft ein Zentrum für Prävention werden soll, umgesehen – und an einem knappen Dutzend weiterer Stellen in Willingen und Usseln. Es geht um eine wichtige Frage: Können die Prädikate der Erholungsorte erneuert werden?

Alle zehn Jahre müssen sie sich diesem Prozess stellen, wenn sie den Titel erhalten wollen, der Gäste anzieht und finanzielle Zuschüsse für die Belastungen der Kurorte möglich macht. Beide sind heilklimatischer Kurort, Willingen ist als Kneippheilbad zusätzlich im Kreis der Orte mit besonders hochwertigen Prädikaten. Der Ortsbegang ist nur ein Schritt im Prozess, der das erhalten soll..

Erstmals stellen sich Willingen und Usseln der Re-Prädikatisierung gemeinsam, erklärt Anette Buchholz, zuständige Sachbearbeiterin bei der Gemeinde. Dabei schmeißen sie ihre Infrastruktur in einen Topf, um ein reiches Angebot etwa an Kurärzten, Ergo- und Physiotherapeuten anzubieten. Gerade die Kurärzte aufzubieten, bereite immer mehr Kurorten Schwierigkeiten.

Der Ortsbegang mit Besuch medizinischer und touristischer Einrichtungen, Kuranlagen und kleiner wie großer Gastgeber soll bestätigen, was die Gemeinde zuvor in zahlreichen Fragebögen angegeben hat. So einiges an Recherche war nötig, berichtet Anette Buchholz – ein Beispiel wäre, Schornsteinfeger abzuklappern, um die Zahl der Kaminöfen in den Luftkurorten zu klären. Konzepte der Verkehrsberuhigung seien schneller nachzuweisen, seit abseits der Ortsdurchfahrten Tempo 30 gilt.

Bioklimatische und Luftqualitätsgutachten wurden beim Deutschen Wetterdienst in Auftrag gegeben – die einjährige Messreihe an Rathaus und Westfalenhof ergab, dass die Luft besser ist als vor zehn Jahren. Für Willingen gab es zusätzlich ein Kneippgutachten, das Professor Christoph Gutenbrunner von der Medizinischen Hochschule Hannover erstellte.

Vom Besucherzentrum über Kurgaten samt Tretbecken über Pensionen und ein Kurhotel führt der Ortsbegang zum Gesundheitspavillon, wo auch das Gesundheitsnetzwerk PORT thematisiert wird – es soll eine „Care-Management“ ermöglichen, das klärt, was im Gesundheitsbereich noch benötigt wird, wo Kapazitäten frei sind und wie sich Leistungen vernetzten lassen.

Dass auch lohnende Ausflugsziele von Bedeutung sind, macht ein Besuch an der Mühlenkopfschanze deutlich, deren Maße die Delegations staunen lassen. In Usseln wird das Programm ähnlich fortgesetzt: Betreiber von Hotels und Ferienwohnungen zeigen, wie sie zum Erholungscharakter des Orts beitragen. Auch Kuranlagen, Milchmuseum und Diemelquelle werden besucht.

„Die Chancen stehen gut, dass das Prädikat, das erstmals gemeinsam vergeben wird, erneuert werden kann“, sagt Horst Wenzel, Geschäftsführer des Hessischen Fachausschusses für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte. Er gibt allerdings nur eine Empfehlung ab, der Fachausschuss berät Ende Oktober, die Entscheidung fiele dann Anfang des Jahres im Wirtschaftsministerium in Wiesbaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare