Lebhafte Debatte bei Versammlung

Willinger Gastgeber wünschen mehr Hilfe in der Corona-Krise

Bei einer Gastgeberversammlung in Willingen beraten Vertreter von Gemeinde und Betrieben über die Corona-Krise. Am Mikrofon spricht Bernd Nackas.
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Unter den mehr als 150 versammelten Gastgebern gab es zahlreiche Wortmeldungen zum Umgang mit der Corona-Krise. Bernd Nackas forderte etwa einen viel höheren Werbe-Etat.

Der Tourismusort Willingen leidet weiter unter der Corona-Krise. Bei einer Gastgeberversammlung besprachen Gastgeber und Gemeinde Lösungsansätze – die Meinungen gingen auseinander.

300 000 weggefallene Übernachtungen im ersten Halbjahr – und Unsicherheit sowie die persönliche wirtschaftliche Lage halten weiterhin viele vom Buchen ab: Tourismus-Direktor Norbert Lopatta hatte keine rosige Lage zu beschreiben: Die Aussage der Politik, dass der Deutschland-Tourismus in der Corona-Krise gewinnen könnte, stimme abseits von Nord- und Ostsee nicht.

Willingen leidet weiterhin unter der Corona-Krise. Bei der Gastgeberversammlung mit mehr als 150 Beteiligten ging es darum, was Betriebe und Gemeinde tun können, um Gästen das Urlaubsziel wieder näherzubringen. Nach drei Stunden Diskussionen, Streit und einzelner persönlicher Angriffe kam die Versammlung zu vier Ergebnissen.

Willinger fordern mehr Werbung für Tourismus

Um Gäste nach Willingen zu holen, schaltete die Tourist-Info zuletzt eine Anzeige in der „Bild“, es soll in Prospekten von Rewe, Edeka und Netto geworben werden, die Aktion „Willingen sagt Danke“ generierte bislang 900 Übernachtungen und viel Aufmerksamkeit, erklärte Tourismus-Direktor Norbert Lopatta.

„Das reicht nicht aus“, meldete sich Bernd Nackas zu Wort: „Der Ort läuft auf 30, 35 Prozent. Wir müssen ein Feuerwerk an Werbung starten.“ Als Vorbild nannte er Winterberg. Eine Viertel- oder halbe Million Euro sei nötig. Tatsächlich liege der Werbe-Etat bei rund 250 000 Euro, erwiderte Bürgermeister Thomas Trachte – er gehe nicht davon aus, dass Winterberg mehr ausgebe.

Wenn politisch gewollt und finanzierbar, könnte auch eine Million eingesetzt werden. Aber: „Schulden machen, um Werbung zu machen – mit mir nicht.“ Da bliebe nur, die Kurtaxe zu erhöhen oder Geld aus der Pflege der Infrastruktur abzuziehen, wovon er abrate. Die Befürchtung von Gert Göbel, dass wegen des Lagunenbad-Neubaus kein Geld da sei, wies er zurück: Größtenteils wird das 26-Millionen-Projekt über Zuschüsse finanziert, es sei betriebswirtschaftlich vernünftig und touristisch ein Kernstück.

Derweil gab es auch Stimmen, die davor warnten, dass die Gemeinde zu viel Werbung übernehme, die die Hotels besser machen könnten. Das private Werbeaufkommen liege bei mehreren Millionen Euro, sagte Trachte: „Etwas ähnliches könnte die Gemeinde nicht ansatzweise leisten.“ Er sagte aber zu, an einem kurzfristig erhöhten Werbeetat zu arbeiten.

Willingen in Sozialen Medien besser Darstellen

„Es gibt auch Werbung, die nicht so viel kostet“, kam eine Wortmeldung aus dem Publikum: Soziale Medien. Der Vorschlag lautete, einen Instagram-Workshop anzubieten, um Gastgebern den effektiven Einsatz nahezubringen. Es meldeten sich dutzende Interessenten, Norbert Lopatta will kurzfristig einen Termin anberaumen.

Willinger Gaststätten wollen mehr Freiheiten auf Terrassen

Kritik kam daran auf, dass die Außenbereiche von Gastronomien nach 22 Uhr Besuch vom Ordnungsamt erhalten und die Gäste mit Verweis auf die Lärmschutzverordnung nach drinnen müssen. Könnten die Bedingungen nicht zumindest in der Woche gelockert werden, wenn es bloß um Familien und nicht um Clubtouristen gehe? Gerade jetzt fühlten Gäste sich draußen wohler; allgemein schrecke so etwas ab.

Thomas Trachte erklärte, an die Gesetzeslage gebunden zu sein. Ab 22 Uhr herrsche Nachtruhe, eine Außenterrasse sei in Wohngebieten nicht so zu betreiben, dass die Belastung von 35 Dezibel nicht überschritten werde – wozu es in der Versammlung auch andere Meinungen gab. „Warum traut man den Gastronomen da nicht mehr Eigenverantwortung zu?“, fragte Ute von der Heide. Der Bürgermeister sagte zu, das geprüft werde, was möglich sei und gleichzeitig den Interessen der Nachbarn gerecht werde – derweil verhänge die Gemeinde nicht gleich Bußgelder und rücke in der Woche nur an, wenn es Beschwerden gebe. Mani Meschgbu wies darauf hin, dass auch Tourismus-Orte etwa in Bayern die 22 Uhr-Grenze so streng hielten. Und ein Anwohner des touristischen „Epizentrums“ sagte sogar: „Mich hat Corona gerettet.“

Gemeinde und Betriebe in Willingen wollen sich besser abstimmen

Bei mehreren Wortmeldungen kritisierten Gastgeber, zuletzt alleingelassen oder nicht gehört worden zu sein – ein Eindruck, den Thomas Trachte sehr bedauerte. Steffi Göbels Kritik, dass der Wirtschaftsbeirat nicht anerkannt werde, könne er nicht nachvollziehen: Beim Fortschreiben des Marketing-Konzepts etwa werde er eingebunden.

Norbert Lopatta bat um Verständnis, dass er neu vor Ort sei und ein Forum wie die Gastgeberversammlung bis zum Vormonat noch gar nicht möglich war – seine Tür stehe offen. Solche Versammlungen hatte es aufgrund nachlassenden Interesses auch länger nicht gegeben, erklärte Thomas Trachte – und stellte in Aussicht, das wieder zu ändern.

Mehr zum Thema Gastgewerbe in der Krise folgt.

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