Lockerung in Corona-Krise

Willinger Gastgewerbe öffnet: Optimismus nach Lockdown

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Anders wird die Gastronomie nicht nur in Willingen auf absehbare Zeit sein. Im „Einkehrschwung“ misst Natalie Rummel die nötigen Abstände für die Gäste aus.

Nächste Woche dürfen Gaststätten und Hotels wieder öffnen. Gastgeber im Kreis zeigen sich erfreut und bereiten sich vor – machen sich aber auch Gedanken um die Zukunft.

Abstände messen, Tische rücken, Zuckerstreuer wegpacken: Überall im Landkreis bereiten sich Betriebe auf die Wiedereröffnung unter den neuen Corona-Regeln vor. So auch im „Einkehrschwung“ in Willingen: Die Maßnahmen seien umsetzbar, erklärt Christian Rummel. Derweil weiß er auch, dass die Ski- und Rodelhütte es in mancher Hinsicht leichter hat als andere: Die Bedienung erfolgt bereits über die Theke – nun wird eine Plexiglas-Scheibe eingebaut. Und draußen ist viel Platz – Kollegen im Ort haben es da teils schwerer.

Gerade, wenn das Wetter mitspielt, werden Außenbereiche wertvoll, zumal dort die Bestimmungen in einem Punkt lockerer sind: „Die Kontaktdaten aufzunehmen wird erst mal befremdlich“, sagt Natalie Rummel über die im Inneren verpflichtende Maßnahme. Doch wahrscheinlich würden die Gäste sich daran gewöhnen, sie müssten das ja auch anderswo tun, etwa beim Friseur.

Zum Anfang werde es bestimmt nicht die lockere Gastronomie, an die Upländer und Gäste gewöhnt sind: „Aber alle in Willingen sind bemüht, das beste daraus zu machen“, berichtet sie aus Gesprächen mit den Kollegen. Das wichtigste sei klar, sagt Christian Rummel: „Die Gesundheit der Menschen und unser aller Zusammenhalt.“ Dieser habe das Land soweit gebracht, dass die Lockerung nun möglich sei. Nun gelte es, die Maßnahmen umzusetzen und so einen zweiten Lockdown zu verhindern – und später weitere Erleichterungen zu ermöglichen, etwa bei der Fünf-Quadratmeter-Regel.

Wichtig sei, dass die Freizeiteinrichtungen zusammen mit den Gaststätten öffnen dürfen, sagt Natalie Rummel – der eigene Betrieb hängt mit der Sommerrodelbahn zusammen. Ebenfalls von Bedeutung im Tourismus-Ort: Dass Hotels, Ferienwohnung und Pensionen gleichzeitig wieder in Betrieb gehen, fügt Arndt Brüne hinzu, selbst Hüttenwirt und Vorsitzender des Bereich Gastronomie beim Verein „Aktives Willingen“. Sein Eindruck der Stimmung: „Wir gehen mit großer Euphorie in den Sommer.“ Die Schließung hätte bei manchen Kollegen nicht länger dauern dürfen, zu spät komme die Lockerung aber nicht: In der Phase gedrückter Stimmung hätte sie wenig gebracht. „Für den Tourismus im Sauerland ist es wichtig, dass den Menschen die Angst vor dem Virus genommen wird.“

Die großen Party-Betriebe bleiben dicht: „Das wird noch lange dauern“, denkt Arndt Brüne. Aber für den Rest sei nun der Zeitplan da, auf den er lange gewartet habe.

„Für Hotels wie Gastronomie ist es wichtig, dass es eine Perspektive gibt und die Menschen wissen, dass sie Ausflüge machen und Reisen buchen können“, sagt auch Natalie Rummel. Wie fast alle Willinger Betriebe beteiligen sie sich an der Aktion „Willingen sagt Danke“, bei der etwa Krankenhauspersonal und Verkäufern Gratis-Übernachtungen und Rabatte geboten werden. Auch von der Bewerbung bei den Lidl-Reisen verspricht Arndt Brüne sich viel: Es sei eine Chance, neue Gäste zu gewinnen.

Dehoga: Schutzschirm im Gastgewerbe nötig

„Das ist ein guter Schritt“, zeigt sich Jürgen Figge erfreut, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Waldeck-Frankenberg. Nicht nur für die Gastgeber sei es gut, dass sich wieder etwas regt: „Es ist für die gesamte Bevölkerung positiv, wieder aus den eigenen vier Wänden zu kommen und wo hingehen zu können.“ 

Derweil bleibe die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe schwierig: Einschränkungen, wie viel Fläche genutzt werden darf, stehen finanzielle Herausforderungen gegenüber, es muss wieder eingekauft und Personal voll eingesetzt werden. „Wenn die Regierung keinen vernünftigen Rettungsschirm spannt, wird das für viele Betriebe schwierig.“ Die Reduzierung der Mehrwertsteuer – zumal nur für ein Jahr und ausschließlich für Speisen – könne nur ein Anfang sein, um die Belastungen der Krise schultern zu können. 

Aber dass die Lockerungen zu spät kämen, würde er nicht sagen: Es gebe Stimmen, welche die Maßnahmen für überzogen halten – und andere, die sich mit Blick auf die Lage in Italien und den USA für mehr Zurückhaltung ausprächen. Die aktuellen Maßnahmen zum Infektionsschutz halte er für angemessen: „Auch wenn die Gemütlichkeit ein wenig verloren geht: Das ist nachvollziehbar.“

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