Rücklage deckt Minus

Willinger Haushaltsentwurf 2021 wegen Corona in den roten Zahlen

Ziele für Viele: 2018 haben erneut mehr als eine Million Gäste in Willingen übernachtet.
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Willingen ist normalerweise jedes Jahr Ziel hunderttausender Gäste. In der Pandemie blieb viel aus, was sich auch im Gemeindehaushalt bemerkbar macht.

Als vom Tourismus abhängige Gemeinde wird Willingen hart von der Pandemie getroffen – das macht sich auch im Haushalt bemerkbar.

  • Die Corona-Pandemie und die Schließungen im Tourismus lassen in Willingen Steuereinnahmen wegbrechen.
  • Im Haushalt für 2021 ergibt sich somit ein negatives Ergebnis von 755.000 Euro – doch die Gemeinde hat Rücklagen.
  • So ist auch für das kommende Jahr ein umfassendes Investitionsprogramm geplant – größter Posten ist der weitgehende Neubau des Lagunenbads.

Willingen (Upland) – Wegen der Corona-Pandemie schreibt die Gemeinde Willingen im Ergebnis- wie im Finanzhaushalt ein sechsstelliges Minus und muss in ihre Rücklagen greifen – da sich darin nach guten Jahren rund fünf Millionen Euro befinden, wird 2021 zwar ein schwieriges, aber zu bewältigendes Haushaltsjahr, erklärt Bürgermeister Thomas Trachte im Gespräch mit der WLZ.

Die Einbringung des geplanten Etats in der Gemeindevertretung fällt wegen der Corona-Lage aus: Den Parlamentariern wurde er zugesandt, im Januar und Februar sollen sie dann wie gewohnt diskutieren und entscheiden.

„Der Gemeindevorstand und ich haben seit 2013 immer einen ausgeglichen Haushalt vorgelegt“, erklärt Trachte – dabei seien die vielen Aufgaben erfüllt worden, mit Schwerpunkten auf Wasserversorgung, Straßen und Kanäle, sowie touristische Infrastruktur, Kindergärten, Feuerwehr und Sport. Nun steht im Ergebnishaushalt, den laufenden Einnahmen und Ausgaben, ein Minus von gut 755.000 Euro; im Finanzhaushalt, der Investitionen und Tilgungen umfasst, eines von knapp 464.000 Euro.

Ein negatives Ergebnis, aber auch wichtige Investitionen sind 2021 in Willingen vorgesehen.

Durch Corona gehen zwei Millionen Euro an Erträgen verloren, die Schließung touristischer Betriebe lässt Gewerbesteuer und Gebühreneinnahmen fallen: „Das zeigt, wie bedeutend es für die Allgemeinheit ist, dass der Tourismus als Wirtschaftszweig funktioniert.“ Die Kosten steigen derweil weiter: Das gilt für Sach- und Dienstleistungen und wegen Tarifabschlüssen auch fürs Personal.

Viele Herausforderung für Etat der Gemeinde Willingen

Im Kommunalen Finanzausgleich verliere Willingen Geld: Auf der Einnahmenseite erreichen die sich einst im Millionenbereich bewegenden Schlüsselzuweisungen 2021 einen neuen Tiefststand von 292.400 Euro, der „Bäderpfennig“ für Kurorte steigt von 770.000 auf 980.000 Euro – das Land hat die zu verteilende Geldmenge erhöht. Heimat-, Gewerbesteuer-, Kreis- und Schulumlage summieren sich derweil auf 4,9 Millionen Euro.

Bei den Gebührenhaushalten werden Abfall, Wasser und Abwasser ausgeglichen geführt, bei Friedhöfen und Kindergärten decken die Beiträge die Kosten nicht – das sei nicht sozialverträglich zu leisten, so Trachte.

Ein Minus von 115.000 Euro macht der Haushalt der Touristinfo, der auch die Pflege der entsprechenden Infrastruktur und die Verluste des Kurbetriebs umfasst – Kurtaxe, „Bäderpfennig“ und Entgelte decken das fast. Besagter Fehlbetrag beim Kurbetrieb halte sich mit 972.000 Euro angesichts der Pandemie, der Schließung wegen des Neubaus des Lagunenbads und der Investition in Grenzen.

Nach Abzug der Tilgungen bleiben 559.000 Euro Netto-Neuverschuldung, die jahrelang vermieden werden konnte. Trachte betont, das Darlehen nur für Investitionen aufgenommen wurden, ihre Laufzeit nie länger sei als deren Lebensdauer und die Finanzierung mit oft langfristig unter einem Prozent Zins günstig sei.

Schon der Haushalt 2020 rutscht ins Minus. Ziel sei nun, ab 2023 wieder einen ausgeglichenen Etat vorlegen zu können. Als Dauerzustand sei ein Haushalt wie der vorgelegte nicht zu halten – angesichts der Umstände und der Rücklage aber für die Aufsicht genehmigungsfähig und aus Sicht des Gemeindevorstands zu verantworten.

Die größten Investitionen 2021 in WIllingen

Die größte Investition tätigt der Kurbetrieb: Mit 20 Millionen Euro fällt 2021 der Löwenanteil fürs Lagunenbad an, das fast vollständig neu gebaut wird. Zu den Investitionen der Gemeinde gehören 500 000 Euro Kapitalzuschuss.

900 000 Euro sind vorgesehen für die Umgestaltung des Usselner Bahnhofs zum Tourismus- und Naturparkzentrum; 502 000 Euro für die Toilettenanlage „Zur Hoppecke“: 375 000 Euro Platzgestaltung Waldecker Str. 10; 328 000 Euro Barrierefreier Umbau Bushaltestellen; 202 000 Euro Erschließung Neubaugebiet Schwalefeld; je 200 000 Euro Neubaugebiet Egge, Kanalbaumaßnahmen nach Eigenkontrollverordnung, Feuerwehrgerätehaus Bömighausen, Vorauslöschfahrzeug Willingen.

Bauarbeiten etwa in Sonnenweg, Stryckweg und Sportstraße wurden wegen der Haushaltssituation verschoben. Ebenfalls notwendige Projekte, sich aber jetzt mit Fördermitteln finanzieren ließen, bleiben im Investitionsprogramm. (wf)

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