Gut 15 000 Euro Plus vorgesehen

Hauchdünner Überschuss: Willinger Haushaltsplan für 2020 vorgelegt

Willingen (Upland). Die Steuereinnahmen gehen nicht mehr steil nach oben, dennoch plant die Gemeinde Willingen für 2020 mit einem leichten Plus.

Einen kleinen Überschuss von gut 15 000 Euro verzeichnet der Haushaltsentwurf für 2020, den Bürgermeister Thomas Trachte der Gemeindevertretung vorgestellt hat und der nun in die Beratung geht.

Noch immer gebe es hohe Steuereinnahmen: Schon in den vergangenen Jahren wurde mit fünfstelligen Überschüssen geplant, im tatsächlichen Ergebnis kamen Beträge von 957 000 bis 1,67 Millionen Euro heraus. Für 2019 zeichne sich das auch noch ab. „Aber für 2020 gehen wir da nicht mehr von aus“, erklärte Trachte – die Gewerbesteuer entwickle sich wohl nicht so positiv weiter.

Kostentreiber in der Gemeinde seien die Verlustzuweisung an den Kurbetrieb, die Ausgaben im Kita-Bereich, das Defizit im kommunalen Finanzausgleich, und neben steigenden Personalkosten auch teurer werdende Sach- und Dienstleistungen: „Die treffen uns wie jeden Privathaushalt.“

Großer Faktor beim Verluste schreibenden Kurbetrieb ist derzeit das Lagunenbad.

Immerhin: Dass derzeit teils zinsfreie Kredite angeboten würden, sei gut für eine Gemeinde mit Investitionsdruck – und der sei in Willingen zu spüren: besonders bei Straßen, aber auch bei Abwasser und touristischer Infrastruktur. Nettoneuverschuldung wurde derweil vermieden. Seit 2012 hat die Gemeinde fünf Millionen Euro Schulden abgebaut, tilge mittlerweile knapp das doppelte der Zins-Last. 28,3 Millionen Euro Schulden bestehen noch.

Wenig Sparpotenziale und schwieriger Finanzausgleich

Sparen bleibe schwierig: 80 Prozent der Ausgaben seien solche, zu denen die Gemeinde verpflichtet sei. Zum freiwilligen Bereich gehören etwa Senioren- und Jugendarbeit, DGHs – und auch die Tourismusförderung: „Ich denke wir sind uns einig: Kommunalpolitisch ist das eine Pflicht“, sagte Trachte. Der Bereich decke seine Kosten.

Das sei ein Teil der Erklärung, warum die Gemeinde sich ein Schwimmbad für 22 Millionen Euro leisten könne, aber für manch anderes Vorhaben Geld schwerer aufzutreiben sei. Der andere Punkt: Es blieben wenig liquide Mittel, für Investitionen seien also Beiträge, Zuschüsse und Kredite nötig.

Einnahmen ließen sich praktisch nur mit Steuern generieren – die Gemeindevertretung hatte die Hebesätze für Gewerbe- und Grundsteuern auf 380 Prozent gehoben. Dieses Niveau liege nur ganz knapp über dem Kreisdurchschnitt, betonte Trachte.

Im Kommunalen Finanzausgleich stehe Willingen schlecht da: Auch wenn die Kreis- und Schulumlage in Waldeck-Frankenberg vergleichsweise günstig sei, erhält die Gemeinde immer wenig Schlüsselzuweisungen zurück: 2020 wohl 300 000 Euro, 2012 bis 2017 lag die Summe noch bei 822 000 bis 1,05 Millionen Euro.

Ein "kleiner Ort" mag Willingen auf dem Papier sein - aber als Tourismus-Hochburg stellt es Infrastruktur für viel mehr Menschen als die Einwohner. Finanziell hat das Konsequenzen.

„Unser Verhängnis sind hohe Steuereinnahmen bei einer niedrigen Einwohnerzahl“, erklärte er die Entwicklung. Auch die Einordnung der Kommunen als Grund-, Mittel- und Oberzentren – je nach ihrer Versorgungsrolle für das Umland – spiele in die Berechnung rein. Das Grundzentrum Willingen habe beantragt, sich in Bezug auf die Tourismus-Wirtschaft als Mittelzentrum anerkennen zu lassen: „Wir halten keine Infrastruktur für 6000 Menschen vor, sondern Straßen, Abwasser- und Wasserversorgung für viel mehr Menschen“, begründet er den Schritt.

Neubau des Willinger Lagunenbads schlägt beim Kurbetrieb zu Buche

Ein größeres Plus unter den Einrichtungen des Kurbetriebs macht 2020 wohl nur die Eishalle, die mit 43 000 Euro eingeplant ist. Beim Lagunenbad wird wegen der Bauphase von einem Defizit von 232 000 Euro ausgegangen. Etwas kleiner ist der Verlust im Bereich der Verwaltung, noch größer beim Besucherzentrum mit 268 000 Euro. 

Das Gesamt-Defizit von knapp 750 000 Euro gleicht eine Verlustzuweisung der Gemeinde aus. Es bleibt im Finanzhaushalt ein Fehlbedarf von gut 536 000 Euro, der aus Liquiditätsreserven von 1,4 Millionen Euro gedeckt wird. 

Beim Kurbetrieb sind kommendes Jahr Investitionen von 4,5 Millionen Euro vorgesehen: 3,69 Millionen Euro davon sind Baukosten für die Erweiterung und Verbesserung der Saunalandschaft, 800 000 Euro Planungskosten für das Lagunenbad – 2021 und 2022 sind dann 17,5 Millionen Euro eingeplant. Der erste Abschnitt einer neuen Tontechnikanlage im Besucherzentrum kostet derweil 9000 Euro.

Gemeinde Willingen will Kita Plus weiter finanzieren

Im Gebührenhaushalt der Kindergärten liegt das Minus bei 1,35 Millionen Euro. Eine Million sei dabei durchaus „branchenüblich“, befand der Bürgermeister.

Gut nachgefragt ist das Programm "Kita Plus". Weitere Förderung gibt es nicht, aber die Gemeinde schlägt vor, das Programm weiter zu führen.

 

350 000 Euro kosten derweil die im Programm „Kita Plus“ um die Wochenenden sowie Morgen- und Abendstunden ausgeweiteten Betreuungszeiten. Eine Förderung gibt es 2020 nicht mehr. Der Gemeindevorstand sei derweil davon überzeugt, es fortzusetzen, erklärte der Bürgermeister: Kinder, Familien und Arbeitgeber profitierten. 

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