Neue Strategien entwickeln

Willinger Parlament berät über Corona und die Zeit danach

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Abstand wegen Corona: Die Willinger Gemeindevertreter berieten in der Krise unter besonderen Bedingungen.

Unter der Corona-Krise leidet auch Willingen als Tourismus-Ort. Die Gemeindevertreter berieten über die Folgen und neue Wege.

„Schön, dass das Haus wieder voll ist“, sagte Tourismusdirektor Norbert Lopatta. Zwar waren es keine Touristen, die Montagabend im seit Wochen geschlossenen Besucherzentrum zusammengekommen sind – aber auf den Tourismus und die in der Corona-Krise leidenden Betriebe und Gemeindefinanzen legten die Upländer Gemeindevertreter ihr Augenmerk.

Gewerbesteuer, Einkommenssteuer und Kurtaxe gehören zu den Einnahmequellen, welche der Gemeinde wegbrechen – über den Umfang gebe es bislang nur vage Vermutungen, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte. Er rechne aber damit, dass die Lücke noch größer ausfalle als bei der kommunalen Finanzkrise 2010, als der Gemeinde 1,2 Millionen Euro fehlten. Er gehe davon aus, dass ein Hilfsprogramm für Kommunen gestartet wird – schließlich würden sie alle erschüttert.

„Wir wissen, dass das Gastgewerbe sich nur langsam erholen wird“, blickte er voraus. Parlamentschef Christopher Leeser (CDU) beschrieb die augenblickliche Lage: Geschlossene Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen sowie Einzelhändler, denen mit den Gästen auch ein Großteil der Kunden fehlt. „Noch niemand hat Willingen so erschreckend ruhig erlebt“, befand er. Die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahmen müsse immer wieder überprüft werden.

"Willingen sagt Danke" findet mehr Unterstützer

Eine Hoffnung bleibt: „Es ist auch eine riesengroße Chance – Reisen ins Ausland finden bis auf Weiteres nicht statt“, bemerkte Bernd Nackas (CDU) und fragte nach Strategien, um besonders Familien und Sportler anzusprechen. Norbert Lopatta erläuterte die ersten Ideen. An der Aktion „Willingen sagt Danke“ beteiligen sich mittlerweile 130 Betriebe, um Krankenhauspersonal, Pflegern und Verkäufern Übernachtungen zu schenken. Das Echo in den Medien sei groß, ohne einen Cent für Werbung ausgegeben zu haben. Alle Betriebe, mit denen er gesprochen habe, hätten schon Anfragen bekommen. „Sobald die Leute wissen, ab wann sie reisen dürfen, wird es auch Buchungen geben“, befand er. Bei Bedarf könnten Buchungszeitraum und angesprochene Berufsgruppen ausgeweitet werden.

Im Juni oder Juli bekommt Willingen in einer zweiten Aktion eine Doppelseite im Lidl-Reiseflyer – Auflage 5,3 Millionen. Familien, Wanderer und Aktivurlauber sollen gezielt angesprochen werden. Künftige Pläne zielen darauf, inhabergeführte Reisebüros anzusprechen: Die Branche leide, aber es ließen sich langfristige Partnerschaften etablieren. Auch der Gesundheitsurlaub soll ausgebaut werden. Bei allen Aktionen bleibe aber die Ungewissheit, wann Lockerungen eintreten oder ob sogar ein zweiter Lockdown drohe: „Ein bisschen Planungssicherheit wäre schön.“

Dass die Lage auch eine Chance sei, Neues auszuprobieren und geschätzte Zielgruppen zu stärken, befand Thomas Trachte. Der bisher in Willingen bekannte Wochenend-Tourismus könne derweil lange ausfallen. In einem Brief an die Landesregierung betonte er, dass eine Perspektive gebraucht werde, um sich auf Öffnungen einzustellen. Er legte auch die Liquiditätsprobleme der Branche dar, welche lange Schließungen unmöglich machen. Letztlich ermunterte er auch, dass das Regionalmanagement viel tun könne, um den Tourismus wiederzubeleben.

Neubau des Lagunenbads geht weiter

„Es war eine der schwierigsten Situationen, an die ich mich in meiner Amtszeit erinnern kann“, berichtete Bürgermeister Thomas Trachte: die Entscheidung, wie beim Neubau des Lagunenbads weiter vorgegangen wird. Zwölf Millionen Euro muss die Gemeinde zum vom Land geförderten 26-Millionen-Projekt beisteuern – im Wissen, dass der zum Jahresende verabschiedete Haushaltsplan nicht so funktionieren wird, wie er geschrieben wurde. 

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Bei aller Ungewissheit: Die Gemeinde will den Bau durchziehen. „Wenn wir das Projekt eingestampft hätten, bin ich nicht sicher, dass wir so ein Programm in absehbarer Zeit wieder hingekriegt hätten“, erläuterte er auf Anfrage von Ingolf Schinze (Freie Wähler), der sich ebenfalls zum Projekt bekannte. Technisch sei das Bad nicht mehr im Zustand, es zu öffnen. Und die normalerweise generierten Einnahmen fallen ohnehin weg. Bautechnisch seien derweil zuletzt viele Probleme gelöst worden, sodass es ganz planmäßig weitergehen könne. 

Andere Investitionen, die zwar auch nötig, aber aufschiebbar sind, habe die Gemeinde verschoben. Aber es gelte auch, auf das Gesamtbild zu blicken: „Es wäre das Schlimmste, was volkswirtschaftlich passieren kann, wenn alle Kommunen ihre Investitionen auf Null fahren.“ Welche Spuren die Krise an den Finanzmärkten hinterlasse, sei noch nicht absehbar – da erscheine es klug, jetzt zu handeln. Willingen sei gut aufgestellt: „Wenn wir es hier nicht hinkriegen“, dann weil es „in ganz Deutschland einen Zusammenbruch“ gebe.

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