Willinger Parlament stimmt Haushalt 2022 zu

Willinger Parlament stimmt Haushalt 2022 zu

Dunkle Wolken und Lichtblicke: Schwierigkeiten beim Neubau des Lagunenbads machten neben einzelnen Ausschreibungen Wechsel bei Planungsbüros – aber die Details sind nun fix.
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Beim vorgelegten Haushhalt erwarteten die Willinger angesichts der Pandemie schlimmeres - aber es wurde erste Befürchtungen laut, ob der Preis des Lagunenbads ob der Kostensteigerungen zu halten ist.

Der Willinger Haushalt 2022 hat zwar im Ergebnis ein Minus von 540.000 Euro, aber die einstimmige Unterstützung des Parlaments. Zur Entwicklung des Tourismus gab es derweil Diskussionen.

Willingen (Upland) – Mit rund einer halben Million Euro Fehlbedarf stehe der Willinger Haushalt 2022 besser da als befürchtet, hielt nicht nur ein Gemeindevertreter fest: Einstimmig hat das Parlament der von der Pandemie gezeichneten Haushaltssatzung samt Investionsprogramm, Wirtschaftsplan des Kurbetriebs und Haushaltssicherungskonzept zugestimmt.

Das noch zu prüfende Ergebnis 2020 liege 868.000 Euro im Minus; die sechs Monate Schließung für Tourismus, Hotellerie und Gastronomie seien 2021 nicht zu kompensieren, und im Winter- und Weihnachtsgeschäft stehe wohl der nächste Dämpfer an, fasste CDU-Fraktionschef Karl Leyhe zusammen. Reagiert werde durch „Sparmaßnahmen mit Maß und Mitte“, dabei aber Investitionen in Pflichtaufgaben und „sowohl notwendigen als auch nachhaltigen Neuinvestitionen“ nicht vernachlässigt.

Er hob die Fußgängerbrücke zwischen Briloner Straße und „Zur Hoppecke“ hervor, welche die CDU seit 2009 fordere. Wohn- und Gewerbegebiete seien Erfolgsgeschichten, weitere Ausweisungen müssten höchste Priorität haben. Er begrüßte, dass zwei neue Stelle für Hilfspolizisten geschaffen werden. Die Veräußerung der Beschneiungsanlagen an eine Betreibergesellschaft sei ein wichtiger Ansatz zur Haushaltskonsolidierung.

„Eine Gemeinde wie unsere muss sich immer weiterentwickeln und den Blick nach vorne richten“, erklärte Dirk Wilke für die FDP : Nach zwei Jahren Corona werde über Schutzhütte, Chalet-Park, Jumpdome, betreutes Wohnen, Wohnungsbau und Lagunenbad geredet. Kollegen sprächen ihn an: „Bei euch im Upland ist immer was los, da geht es voran.“

Eckdaten des Willinger Haushalts 2022.

Dazu gehörten Projekte, die mehr vernünftige Gäste ins Upland holen. Es müsse darauf geachtet werden, Wohngebiete nicht mit touristischer Infrastruktur zu vermischen, sondern für lebenswertes Wohnen zu schützen. Auch gelte, die Ortsteile zu attraktiven Zielen für Zuziehende zu machen – Stadtflucht sei ein Stichwort. Leyhes Zustimmung zur Fußgängerbrücke schloss er sich an: Sie dürfe nicht auf den Club-Tourismus reduziert werden, sondern sei ein Gewinn für Biker, Skifahrer und Wanderer, die mit der Bahn anreisen.

Willinger Parlamentarier melden Sorgen an

Die Gemeinde Willingen spüre die Pandemie genau wie jeder andere, der mit Gästen zu tun habe, befand Stephan Scharnhorst für die SPD. Doch auch die mit ihr einhergehenden Lieferketten-Probleme und Preissteigerungen machten sich bemerkbar, gerade beim Lagunenbad: „Ich habe Bedenken, ob die 32 Millionen zu halten sind.“ So wünschenswert die Fußgängerbrücke sei, warnte er: „Man muss auch den Preisrahmen im Auge behalten.“ Ihr Gesamtvolumen liegt bei 2,3 Millionen Euro, 0,9 davon im Haushalt 2022

Scharnhorst mahnte auch CO2-Reduzierung an: Windräder im Upland würden zwar nicht gewünscht, ein Antrag zur Förderung von Solaranlagen kam aber nicht durch.

Friedrich Engelbracht zeichnete bei einer Tour durch das Upland einen Querschnitt: So entstehe in Bömighausen ein neues Feuerwehrhaus; in Hemmighausen gebe es Probleme mit der Netzanbindung, in Eimelrod mit der schlechten Landesstraße. Neerdar sei ein Beispiel, in dem Wünsche des Ortsbeirats erfüllt werden konnten. Usseln habe ein gut gefülltes Neubaugebiet, in Rattlar hofften viele auf Baumöglichkeiten; in Schwalefeld entstehen sie – „so dass auch hier die Menschen wenig Anlass haben dürften, mit der Politik in Rathaus und Gemeindevertretung zu schimpfen“, erklärte er.

Grundsatzdiskussion um Entwicklung des Willinger Tourismus

Willingen stehe an der Schwelle zum Wandel, befand Friedrich Engelbracht: Die Belastungen des Partytourismus würden massiv verschärft durch Weichenstellungen wie Genehmigungen von Hotelprojekten mit dieser Gästeklientel. „Die Balance von Erholungs- und Partytourismus wird kippen“, befürchtete er.

Karl Leyhe hatte eingangs die jüngste Entwicklung als eine für „familienfreundlichen Tourismus, echten Qualitätstourismus“ sowie „die dringend benötigte Kompensation von Gästebetten, die uns vor und mit Corona verloren gegangen sind“ bezeichnet. Angesichts des letzten Punkts sprach er von „Scheindebatten um eine Bettenexpansion“. Gerade das von der Brauhausgesellschaft an der Ladestraße geplante Hotel sähen Teile der Bevölkerung kritisch. „Wir machen daraus keinen ideologischen Zankapfel. Das überlassen wir getrost den Parlamentariern, die sich insbesondere im letzten halben Jahr durch – in der Geschichte dieser Gemeindevertretung vermutlich einmalige – ,freie‘ populistische Problemhuberei hervorgetan haben.“ Die „Schwarz-gelbe Groko“ habe ein Mandat der Bürger, aber jeder könne sich einbringen, so Leyhe: „Denn eines darf nicht passieren: Dass wir irgendwann aufhören, einander zuzuhören, weil die Einen sowieso immer ihr Ding machen und die Anderen sowieso immer dagegen sind.“

Auf Umgangston im Parlament und auf der Straße achten

Dirk Wilke pflichtete ihm bei, dass der Aufstellungsbeschluss für das Hotel in der Ladestraße nur der Beginn eines Verfahrens sei, dass die Rahmenbedingungen einer möglichen Bebauung prüft. Und: „Es kann nicht sein, dass wir als ehrenamtlich tätige Gemeindevertreter für unsere Meinung von aufgebrachten Bürgern verbal attackiert und beleidigt werden.“

In der Ladestraße gibt es Hotelpläne – ein Thema beim allgemeinen Austausch zu Willinger Perspektiven.

Als Replik auf Leyhe sprach Friedrich Engelbracht den Ton im Parlament an. Alle Mandatsträger seien von Sorge um die Gemeinde getrieben, man sollte überlegen, ob man anderen Populismus vorwirft: „Bitte mal eine Nacht drüber schlafen, ob man solche Vorwürfe in dieses Haus bringen möchte.“ Es heiße, „man könne nicht immer nein sagen“. Doch Willingen sei ein Ort geworden, der die pure Profitgier anziehe: „Wenn viele schlechte Ideen eingehen, können wir nicht nach Quote hin und wieder auch mal ja sagen, sondern jedes Ansinnen in Augenschein nehmen und uns nicht scheuen, oft nein zu sagen, wenn es oft notwendig ist.“ Die Entwicklung sei stets mit der Schaffung von Arbeitsplätzen begründet worden. In Zeiten des Fachkräftemangels drehe sich das Argument um.

So argumentierte auch Stephan Scharnhorst: Laut Dehoga seien 100.000 Arbeitsplätze im Gastgewerbe verloren gegangen. „Das ist ein Problem, das wir in Zukunft lösen müssen.“ Derweil entstünden Betriebe, mit denen viele nicht einverstanden sind. Er griff die Frage nach den Grenzen des Tourismus auf: Bürgermeister Thomas Trachte habe dabei auf eingeschränkte rechtliche Möglichkeiten und den Markt verweisen. Das münzte Scharnhorst auf den Arbeitsmarkt um: „Das Ende ist da, wenn keine Arbeitskräfte mehr da sind.“ wf

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