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Wochenende um „Viva Willingen“ löst Diskussionen aus

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Von: Wilhelm Figge

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Volle Bürgersteige, Straßen und Gaststätten sah Willingen schon am Freitag vor „Viva Willingen“. Am Festival-Wochenende sorgten Auswüchse dann für Aufruhr.
Volle Bürgersteige, Straßen und Gaststätten sah Willingen schon am Freitag vor „Viva Willingen“. Am Festival-Wochenende sorgten Auswüchse dann für Aufruhr. © pr

Am Festival-Wochenende häuften sich in Willingen Störungen durch feiernde Gäste. In der Politik beginnen Diskussionen – auch darüber, ob „Viva Willingen“ noch zu Willingen passt.

Willingen – Wildpinkeln, aus Gärten verschleppte Einrichtung und Nacktbadende im Kurgartenteich: Das Wochenende rund um das Festival „Viva Willingen“ hat dem Weltcuport reichlich Gesprächsstoff und Bilder in den sozialen Medien beschert. Das Wochenende und das Festival im Allgemeinen wurden denn auch Thema in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses.

„Viva Willingen“ habe genau die Außenwirkung, vor der die Freien Wähler gewarnt hätten, eröffnete Friedrich Engelbracht: „Das ist Reklame für das, was wir nicht mehr wollen“, bezog er sich auf das Party-Image, welches das Festival pflege und von dem der Ort sich lösen wolle. Das würde alle Konzepte marginalisieren – und nicht mal die Betten belegen.

Der Ausschuss-Vorsitzende Karl Leyhe (CDU) sprach sich dafür aus, in der für die Gastronomie sehr anstrengenden Zeit zwei Wochen lang die Gemüter abkühlen zu lassen, um dann zu analysieren. Das sei so geplant, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte: Alle Beteiligten treffen sich Mitte Juli.

Trachte: Probleme trotz Handelns der Behörden und Veranstalter

Bereits in der Sitzung hielt er fest: „Es ist nicht so, dass wir uns nicht um die Veranstaltung gekümmert hätten. Es gab Konzepte, die genehmigt und eingehalten wurden. Ordnungskräfte waren präsent und es wurde viel eingeschritten.“ Doch es seien viele Vorfälle zu bewältigen gewesen. Es sei nicht wegzureden: „Es gab Missstände.“ Aber nicht alles sei durch die Gemeinde zu lösen.

„Der Veranstalter hat alles so gemacht, wie es genehmigt wurde, und gibt sich Mühe“, hielt Trachte fest. Aber wenn der Ort schon voll sei und dann einige Tausend Gäste vom Festival dazukämen, funktioniere das nicht: „Dafür ist Willingen zu klein.“ Viele hätten sich auch keine Gedanken über die Rückreise gemacht, das dann im Ort ausgesessen und teils draußen geschlafen.

FDP-Fraktionschef Dieter Schütz berichtete, dass viele seien schon betrunken aus dem Zug gestiegen seien. „Das gehört nicht in unseren Ort“, hielt er fest. Er habe derweil den Eindruck, dass viele junge Leute in den vergangenen zwei Jahren verpasste Erlebnisse nachholen wollten.

NVV weist Kritik an Verkehrssituation bei „Viva Willingen“ zurück

Als weiteren Punkt, der zu den Zuständen beitrug, machten Karl Leyhe und Karin Pidel (CDU) mangelnde Kapazitäten bei der Bahn aus: Ein Sonderzug habe gefehlt; schon tagsüber hätten manche Gäste keinen Platz im Zug gefunden. Sabine Herms vom Nordhessischen Verkehrsverbund erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass wie vor Corona zusätzliche Züge, mehr Kapazitäten zur Abreise und zusätzliche Busse zur Verfügung gestellt wurden. Darüber hinaus sei der Partyzug von Müller-Touristik mit 9-Euro-Ticket nutzbar gewesen. „Dabei handelte es sich bis auf eine Ausnahme um fünf Züge in Doppel- oder Dreifachtraktion, zwei Richtung Brilon und drei Richtung Korbach. Einer der Züge war nur als einfache Garnitur unterwegs, da sind gegen 21.30 Uhr einige Fahrgäste nicht mitgekommen. Bei allen anderen war das Angebot ausreichend.“ Das Veranstaltungsende war für 22.30 Uhr angesetzt, letzte Züge mit Anschluss fuhren demnach um 23.16 Uhr nach Brilon, um 23.29 nach Korbach.

Kritik fand der Umgang mit den Geschehnissen in sozialen Medien: Leute aus aller Welt zögen über den Ort her, befand Karin Pidel – auch über Feuerwehr, Polizei und Ortspolizei. Das Foto der Nacktbadenden machte die Runde, ergänzte Trachte – dass die Polizei die Situation aufgelöst habe, erwähne aber niemand.

„Viva Willingen“ hat Vertrag bis 2023, die Zukunft ist offen

Die Frage, ob das Festival eine Zukunft habe, wurde in der Sitzung angeschnitten: Für 2023 gibt es noch einen Vertrag, erläuterte Bürgermeister Thomas Trachte – ob an den Auflagen etwas geändert werden müsse, werde in den anstehenden Gesprächen analysiert. Ob es eine Zukunft darüber hinaus gebe, sei eine politische Entscheidung. „Ich persönlich bin der Meinung, dass die Veranstaltung unter Marketinggesichtspunkten nicht nach Willingen gehört“, hielt er fest.

Da müsste jeder zu seiner Meinung kommen – wer den Standpunkt vertrat, der „Viva Willingen“ einst ermöglicht habe, müsse sich aber auch nicht schämen: „Die Politik will Impulse setzen – für den Ort, den Tourismus und das Gastgewerbe. Da kommt es auch vor, dass Entscheidungen getroffen werden, die nicht ideal ausgehen.“ (wf)

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