Zehn-Jahres-Programm in Arbeit

Naturpark Diemelsee reagiert auf Pandemie und plant für die Zukunft

Tourismus und Landwirtschaft zusammenbringen soll das Projekt „Land.Schnuppern“. Die Buchungen bleiben hinter den Erwartungen zurück.
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Tourismus und Landwirtschaft zusammenbringen soll das Projekt „Land.Schnuppern“. Die Buchungen bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Wo steht der Naturpark Diemelsee, wo soll er hin? Pläne für zehn Jahre, Ideen für die Landwirtschaft und die Finanzen sind aktuelle Themen.

Willingen/Diemelsee – Viele Weichenstellungen für den Naturpark Diemelsee wurden bei der Sitzung der Verbandsversammlung in Willingen in Willingen besprochen.

Naturparkplan für zehn Jahre in Arbeit

Was soll in zehn Jahren im Bereich Naturschutz erreicht werden, was bei der Umweltbildung? Diese Fragen soll ein Naturparkplan beantworten. Anderthalb Jahre wird die Arbeit daran dauern, erklärte Geschäftsführer Dieter Pollack. Mit Fördermitteln wurde ein Unternehmer aus Köln mit der Erstellung beauftragt, begleitet von einer Lenkungsgruppe mit Mitgliedern von Vorstand und Versammlung des Naturparks. Eine erste Sitzung fand im Juli statt, später folgen Expertenrunden zu einzelnen Themen und eine Beteiligung der Öffentlichkeit Ende des Jahres – wie die in Corona-Zeiten aussehe, müsse noch geklärt werden, so Pollack. Druckfertig sein soll der Plan bis Oktober 2021.

Naturpark Diemelsee überdenkt Marketing

Marketing, Optik und Markendesign, mit denen Natur- und Nationalparke auftreten – das „Corporate Design“ – beziehen sie als Lizenznehmer vom Verein Nationale Naturlandschaften. Seit vergangenem Jahr fallen dafür Beiträge an: Für den Naturpark Diemelsee 1800 Euro im Jahr. Was er dafür genau bekommt, wollte der Zweckverband wissen – noch ist die Antwort nicht konkret: „Sie sind noch nicht so weit, wie in Aussicht gestellt, aber dabei, das Markenbild zu stärken“, berichtete Dieter Pollack. Der Vorstand sei dafür, bis 2021 abzuwarten, die Versammlung stimmte zu.

Projekt „Land.Schnuppern“ wird neu gedacht

Vor zwei Jahren startete der Naturpark Diemelsee das Projekt „Land.Schnuppern“, um Tourismus und Landwirtschaft zusammenzuführen: Gäste sollten neue Erlebnisse haben und dabei feststellen, was alles hinter der Produktion der Lebensmittel steckt – auch, um auf faire Preise hinzuwirken, erläuterte Pollack.

„Leider ist das Projekt nicht so gut angekommen, wie wir uns das vorgestellt haben“, erklärte er: Nur wenige Betriebe verzeichnen Buchungen für die Führungen. Problem sei die Anmeldefrist von zwei Tagen – aus Sicht der Landwirte verständlich, aber die Gäste entschieden spontan. Nun soll bei vier der neun teilnehmenden Betriebe mit festen Terminen gearbeitet werden. Zusammen mit den Naturparks Sauerland-Rothaargebirge und Arnsberger Wald steigt Diemelsee in das Strukturförderprogramm Regionale 2025 des Landes NRW ein, konkret in das Projekt „Entdeckerorte“. Um Naturentfremdung entgegenzuwirken, sollen Orte eingerichtet werden, an denen sich etwa Wälder oder bachläufe spielerisch entdecken lassen. Sie sollen leicht erreichbar und durch digitale Informationen erlebbar gemacht werden. Möglich wäre die Förderung im Westfälischen Teil des Naturparks.

Finanzen des Naturparks Diemelsee durch Corona nicht in Schieflage

Gut 5000 Euro Überschuss verzeichnet der Haushalt des zweckverbands im Jahresabschluss. Für das laufende Jahr fragte die Landesregierung nach den Auswirkungen der Pandemie – Bedarf herrsche gerade nicht, erklärte Pollack: Zwar liegen die Einnahmen deutlich tiefer, etwa durch die Schließung des Jugendzeltplatzes. Aber ebenso gesunken sind die Ausgaben, weil Arbeit mit den Naturpark-Schulen und Veranstaltungen ausfallen.

Umweltbildung wird mit Wanderungen betrieben

Umweltbildung betreibt der Naturpark Diemelsee besonders über sein Veranstaltungsprogramm, das jährlich als Heft ausliegt, erklärte Dieter Pollack. Als das gerade fertiggestellt war, kam die Pandemie: Nicht alle Veranstaltungen können wie angekündigt stattfinden. Zuletzt verzeichneten Führungen großes Interesse, doch die Naturparkführer entscheiden selbst, ob sie sie anbieten. Ankündigungen gibt es in der Presse und auf naturpark-diemelsee.de.

Baugenehmigung für Strandbad Helminghausen

Eine gute Nachricht, die Geschäftsführer Dieter Pollack zu berichten hatte: Mittwoch kam die Genehmigung für das neue Gebäude am Strandbad Helminghausen. Der bisherige Bau aus den 1970er Jahren ist nicht mehr zeitgemäß (wir berichteten): Der Neubau soll sich besser in die Landschaft einfügen und mit seinem Kiosk die Besucher begrüßen. Umkleidekabinen, barrierefreie Toiletten und Wickelmöglichkeiten sind ebenso geplant wie ein Lifter, der den Höhenunterschied zur Straße überwindet und eine ins Ufer ragende Terrasse.

Baufirmen seien gerade nicht zu bekommen, erläuterte Pollack – allerdings sind die 197 000 Euro Fördermittel aus der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ bis Ende 2021 verwendbar. Ziel ist derweil, zur Badesaison nächsten Jahres fertig zu sein.

Der Ponton-Steg am Strandbad Helminghausen am Diemelsee muss wegen rechtlicher Risiken an Land bleiben.

Ponton-Steg nach Neukirchen-Urteil an Land

Ein Wermutstropfen am Strandbad: Der schwimmende Ponton-Steg sei zwar beliebt, musste aber an Land geholt werden. Grund ist das Urteil, nachdem drei Kinder in einem nicht gesicherten Teich in Neukirchen (Knüll) ertranken: Der Ponton mache eine Badeaufsicht nötig, falls jemand von ihm ins Wasser falle und nicht hinausklettern kann. Das Personal könne der Naturpark aber nicht stellen. In der Hoffnung auf eine Lösung hat der Verband die Landtagsabgeordneten angesprochen.

Jugendzeltplatz Diemelsee bleibt 2020 geschlossen

Nachdem der Jugendzeltplatz bei Heringhausen im Vorjahr mit 6656 Übernachtungen noch eine sehr gute Belegung verzeichnete, bleibt er dieses Jahr ganz geschlossen, erläuterte Pollack: Ab Mitte Mai waren die Corona-Auflagen zwar schon wieder so weit gelockert, dass er prinzipiell hätte öffnen dürfen. Es gebe aber nicht genug Duschen, Toiletten und Platz in den Gängen, um unter derzeitigen Bedingungen mehr als kleine Gruppen auf den Platz zu lassen. Die Aufwendungen wären derweil die gleichen geblieben: „Dann hätten wir ein dickes, fettes Minus gehabt.“ Auch zum Schutz der Mitarbeiter entschloss der Vorstand des Zweckverbands im Juni, den Platz geschlossen zu lassen. „Das ist nicht schön, aber das einzig Sinnvolle“, hielt Pollack fest.

Der Jugendzeltplatz im Naturpark Diemelsee bleibt wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

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