Billig-Plagiate auf dem Amazon-Markteplace

„Amazon außer Kontrolle?“: ARD-Doku enthüllt fragwürdige Praktiken

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Amazon steht erneut in der Kritik: Diesmal geht es um den Markteplace.

Zu laxe bis gar keine Kontrollen, dafür eine enorme Marktmacht: Eine ARD-Doku beschäftigt sich intensiv mit dem Internet-Giganten Amazon. Und fördert Erschreckendes zutage.

München - Bequem ist es schon, dieses Einkaufen vom Sofa aus. Dazu die schier nicht enden wollende Auswahl an geradezu unschlagbar günstigen Angeboten. Fast 300 Millionen Produkte kann man bei Amazon bestellen. Ein paar Klicks und schon kommt die gewünschte Ware direkt zum Käufer nach Hause.

ARD-Doku nimmt Amazon unter die Lupe: Fragwürdige Handelspraktiken

Doch das Image der ach so schönen neuen Online-Shopping-Welt bröckelt schon eine ganze Weile. Stand der Internet-Gigant Amazon jüngst in der Kritik, weil bis Anfang 2019 viele vorwiegend chinesische Händler keine Umsatzsteuer in Deutschland abführten, lag der Schwerpunkt der ARD-Recherchen diesmal auf dem Thema Produktsicherheit.

ARD-Doku „Amazon außer Kontrolle“: Keine Kontrolle des eigenen Marktplatzes

Konkret deckt die Reportage fragwürdige Handelspraktiken auf Amazon-Marketplace auf. Denn der Online-Händler hat schon vor Längerem seinen Marktplatz für andere Anbieter geöffnet, lagert deren Ware in seinen Logistik-Zentren. Zudem übernimmt das Unternehmen Verpackung und Versand, kassiert dafür eine Provision. Dennoch sieht sich Amazon nicht in der Verantwortung, den eigenen Marktplatz zu kontrollieren. Vielmehr betrachtet der Konzern die Marktplatz-Verkäufer als unabhängige Unternehmen. Und auf dem freien Markt tummeln sich eben auch immer ein paar schwarze Schafe.

Amazon-Marketplace: Handel mit gefährlichen Produkten?

Doch damit nicht genug: Im Gegensatz zum Einzelhandel halten sich Amazon und die Händler auf der Plattform nicht an europäische Maßstäbe, unterliegen nicht den gleichen Kontrollen. Zwar erwirtschaftet Amazon große Umsätze mit Einzelhandelsprodukten, beruft sich aber darauf, ein Technologieunternehmen zu sein.

Der mangelnde Verbraucherschutz kann allerdings weitreichende Folgen haben. Immer wieder erreichen die Kunden Fälschungen und mangelhafte Ware. Die ARD-Doku macht das an konkreten Beispielen fest: einer Familie, die auf Amazon günstig ein Handy bei einem chinesischen Händler erstand, welches kurz darauf beim Laden explodierte. Oder einer Kfz-Werkstatt, die sich weigert, im Internet erstandene Ersatzteile, die die Kunden selbst mitbringen, zu verbauen, weil sie hierfür haften würde.

Amazon-Konkurrenz will sich gegen unlautere Geschäftspraktiken wehren

Zu Wort kommen auch das Drogerie-Unternehmen Rossmann und der Automobilhersteller Audi. Beide wollen sich gegen die unlauteren Geschäftspraktiken wehren. So ließ Rossmann beispielsweise 24 Kosmetik-Produkte testen, die über Amazon vertrieben werden. Ergebnis: 22 davon wären so in Deutschland nicht zugelassen worden. Ein Haarwuchsmittel enthielt sogar multiresistente Keime. Erst dieser Tage wurde bekannt, dass Rossmann die Zusammenarbeit mit Amazon aufgegeben hat.

Auch der Automobilhersteller aus Ingolstadt hat potenziell lebensgefährlichen Mängeln an billigen Kopien ihrer Ersatzteile den Kampf angesagt. Allein im vergangenen Jahr stieß Audi 192 Razzien in China an, die die  Markenschutzbeauftragten des Unternehmens zusammen mit der dortigen Polizei durchführten.

Wird der Internet-Gigant Amazon seiner Verantwortung gerecht?

Am Ende stehen viele Fragezeichen. Macht sich Amazon letztlich zum Gehilfen der Plagiat-Ersteller? Gibt es eine wirksame Kontrolle? Ist der Riese Amazon überhaupt noch zu bändigen? Oder steckt der Fehler bereits im System? Die Doku „Amazon außer Kontrolle“ ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

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