Regierung: Nicht von „Panikkäufen“ sprechen

Brexit-Folgen: Jetzt sollen Gefangene helfen

Warten für Sprit: Weil Lkw-Fahrer fehlen, werden im Vereinigten Königreich Benzin und Diesel knapp. Jetzt erwägt die Regierung in London einen ungewöhnlichen Schritt.
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Warten für Sprit: Weil Lkw-Fahrer fehlen, werden im Vereinigten Königreich Benzin und Diesel knapp. Jetzt erwägt die Regierung in London einen ungewöhnlichen Schritt.

Im Vereinigten Königreich fehlen nach dem Brexit über 100.000 Lkw-Fahrer. Deshalb wird die Versorgungslage immer schwieriger. Jetzt erwägt London einen drastischen Schritt.

London – Nach dem EU-Austritt Großbritannien wird die Versorgungslage auf der Insel immer schlimmer. Weil Lkw-Fahrer fehlen, kommt Sprit nicht zu den Tankstellen, Toilettenpapier oder frisches Gemüse nicht mehr in den Supermarkt.

Um die akuten Versorgungsengpässe zu lindern, hat der britische Justizminister Dominic Raab jetzt einen überraschenden Vorschlag gemacht. „Wir haben Gefangene und Straftäter bislang ehrenamtlich und unbezahlt arbeiten lassen“, sagte der Vize-Premier jetzt in einem Interview mit dem Spectator. „Warum sollte man sie nicht, wenn es Engpässe gibt, bezahlte Arbeit machen lassen, wenn es einen Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft hat?“ Heißt im Klartext: Gefangene sollen Lkw fahren - trotz der möglichen Fluchtgefahr.

Aber die Not im Vereinigten Königreich ist groß. Erst vor wenigen Tagen hat London Soldaten dazu abkommandiert, Tankwagen zu fahren. Die entsprechenden Schulungen für die ersten 150 Soldaten laufen schon.

Brexit: Akuter Mangel von Lkw-Fahrern auf der Insel

Angesichts der Entwicklung gerät auch Regierungschef Boris Johnson unter Druck. Er gilt als einer der einflussreichsten und entschiedensten Verfechter des EU-Austritts. Denn mit dem Brexit endete auch die Arbeitnehmer-Freizügigkeit. Viele Lkw-Fahrer stammten aus Osteuropa und mussten das Land verlassen. Jetzt fehlen in Großbritannien gut 100.000 Lkw-Fahrer. Wegen des akuten Mangels an Fernfahrern ist vielen Tankstellen auf der Insel bereits der Sprit ausgegangen. Auch zahlreiche Supermärkte kämpfen mit Nachschubproblemen.

Nachdem die britische Regierung die Bevölkerung aufgerufen hatte, keine Panikkäufe zu machen, spitzte sich die Lage sogar noch weiter zu: Es kam zu langen Schlangen vor jenen Tankstellen, die noch Benzin und Diesel übrig hatten. Auch in zahllosen Supermärkten sind viele Regale inzwischen leer.

Brexit: Konkrete Anweisung für die Krisenkommunikation

Offenbar hat die Regierung aus diesen Fehlern gelernt. Am Donnerstag berichtete die BBC unter Berufung auf interne Dokumente, die Regierung habe die Kommunen angewiesen, in Bezug auf Kraftstoff die Worte „Panik“ oder „Panikkäufe“ nicht in ihrer öffentlichen Kommunikation zu verwenden.

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