Statistik

Inflation 2009 auf Zehn-Jahres-Tief

- Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind in diesem Jahr nur minimal gestiegen: Die Inflationsrate betrug voraussichtlich 0,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte.

Der Grund für die niedrige Inflationsrate waren vor allem die gesunkenen Preise für Benzin, Diesel und Heizöl sowie für Nahrung. Lebensmittel dürften im kommenden Jahr aber wieder teurer werden, schätzt der Deutsche Bauernverband (DBV).

Mit 0,4 Prozent erreichte die Inflationsrate 2009 ein Zehn-Jahres-Tief. Zuletzt war die Jahresteuerungsrate 1999 ähnlich niedrig gewesen. Damals lag sie bei 0,6 Prozent, wie die Statistiker mitteilten. Die mäßige Teuerung hatte sich im Verlauf des Jahres bereits abgezeichnet: Im Juli etwa erreichte sie laut Statistik mit minus 0,5 Prozent sogar den niedrigsten Stand seit 1987.

Noch 2008 waren die Preise übers Jahr relativ stark gestiegen. Die Inflationsrate betrug 2,6 Prozent. Für den Rückgang 2009 waren vor allem die Preisrückgänge für Kraftstoff und Nahrungsmittel verantwortlich, wie das Statistikamt erläuterte. Auch die Preise für andere Waren und Dienstleistungen entwickelten sich 2009 demnach “überwiegend moderat“.

Mit den Niedrigpreisen für Lebensmittel derzeit sei aber „der Boden erreicht, so dass wir mit einem leichten Preisanstieg rechnen können“, sagte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Steigende Preise wären aus Sicht der Landwirte „mehr als fair“. Den Verbrauchern sei das Gefühl für angemessene Nahrungspreise teils verlorengegangen. „Die Deutschen definieren Nahrungsmittel über den Preis: Essen soll billig sein und nicht dick machen. Aber dass es Lebensqualität ist, Genuss, kommt zu kurz. So etwas wie ’Liebe geht durch den MagenÑ, hört man nicht mehr.“

Ursache der niedrigen Lebensmittelpreise sei der scharfe Wettbewerb unter den Lebensmittel-Discountern, sagte Sonnleitner. “340.000 Bauern stehen fünf große Discounter gegenüber, die den Markt so im Griff haben, dass sie alle ausspielen können.“ Der Lebensmitteleinzelhandel trage seinen Wettbewerb auf dem Rücken der Bauern aus.

Unter den Discountern wie Aldi und Lidl tobt seit Jahresbeginn ein Preiskrieg. Die Billig-Supermarktketten senkten im Jahresverlauf zwölf Mal dauerhaft die Preise für viele Artikel, darunter auch Milchprodukte wie Käse. Durch die massiven Preissenkungswellen versuchen die Supermarktketten ihre Marktanteile auszuweiten.

Bauernpräsident Sonnleitner warnte vor Schäden des Preiskampfs der Discounter für die Landwirtschaft und die gesamte Gesellschaft. „Langfristig kriegt der Verbraucher die Rechnung, wenn die Landwirtschaft stirbt, die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet ist und wir abhängig werden von Import und extremen Preisschwankungen.“

Das kommenden Jahr dürfte aus Sicht des Bauernverbandes speziell für die Milchbauern Besserung bringen. Da sich für die nächsten Monate leichte Preiserhöhungen abzeichneten, könnte 2010 „ein deutlich besseres Jahr werden als 2009“, erklärte der DBV. Demnach könnten Bauern demnächst für ihre Milch Erzeugerpreise von 26 bis 28 Cent pro Kilogramm bekommen. Im Oktober hatte der Preis noch bei 24,7 Cent gelegen.

AFP

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