Gütertrasse

Kostenexplosion bei Bahn-Projekt

- Das wichtigste deutsche Bahn-Projekt, der viergleisige Ausbau der überlasteten Gütertrasse Karlsruhe-Basel, wird mindestens 1,4 Milliarden Euro teurer. Das ist ein Drittel mehr als veranschlagt. Damit droht die Strecke erst nach 2040 fertig zu werden, mehr als fünfzig Jahre nach dem Baustart.

Kostenexplosion beim Bahn-Projekt, dem viergleisigen Ausbau der überlasteten Gütertrasse Karlsruhe-Basel: Inzwischen veranschlagt die Bundesregierung die Gesamtkosten des 190 Kilometer langen Ausbaus der Strecke bis zur Schweizer Grenze auf 5,73 Milliarden Euro. Das bestätigt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag.

Vor einem Jahr hatte die Regierung die Gesamtkosten mit 4,33 Milliarden Euro angegeben. 2003 war der Ausbau, der seit Ende 1987 läuft, vom Bund nur mit 3,4 Milliarden Euro veranschlagt worden. Damit sind die Kosten des wichtigsten Bahnprojekts in nur sieben Jahren um fast 70 Prozent explodiert.

Der rasche Ausbau der Gütertrasse zwischen den Nordseehäfen und dem Mittelmeer hat für Verkehrsexperten oberste Priorität. Kaum eine Strecke wird so stark von Frachtzügen beansprucht. Auch in einer Regierungsvereinbarung mit der Schweiz hat Deutschland den Ausbau verbindlich zugesagt.

Während die Alpenrepublik ihre Bahntunnnel unter Hochdruck ausbaut, gibt es auf deutscher Seite nicht einmal eine gesicherte Finanzierung. Für die Deutsche Bahn, die alle Schienenprojekte plant und umsetzt, steht der Ausbau Karlsruhe-Basel sogar „zur Disposition“, falls Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wegen der Rekordverschuldung den Verkehrsetat kappe.

Das beweisen die geheime Streichliste der Bahn und der „Gesprächsleitfaden G“, mit dem Bahn-Chef Rüdiger Grube den neuen Verkehrsminister über die „massive Unterfinanzierung“ des Verkehrswegeplans informierte, die dieser Zeitung vorliegen. Die Bahn sieht darin für zwölf Projekte – darunter die Y-Trasse zur Anbindung der Nordseehäfen und der Rhein-Ruhr-Express (RRX) – „keine Realisierungschance bis 2025“.

Bisher finanziert der Bund den Neu- und Ausbau von Schienenwegen mit im Schnitt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Um die Mittel rangeln 60 laufende und fest geplante Projekte, deren Restkosten von der Regierung auf 39 Milliarden Euro beziffert werden. Allein bis 2020 müsse der Bund 9 Milliarden Euro draufpacken, um wenigstens die 27 laufenden Vorhaben zu finanzieren, hat das Bündnis Alllianz pro Schiene errechnet.

Für den Ausbau Karlsruhe-Basel wurden bisher 1,8 Milliarden Euro ausgegeben. Fast 4 Milliarden Euro müssen nach der neuen Kalkulation noch finanziert werden. Die Strecke ist nach 22 Jahren Bauzeit erst zu 35 Prozent realisiert. Bis 2013 haben Bund und Bahn deutlich weniger als 100 Millionen Euro pro Jahr für den Ausbau eingeplant. Damit wäre die Strecke erst in vierzig Jahren fertig.

„Die Kostenexplosion bei der wichtigsten Bahnstrecke macht Prestigeprojekte von Bund und Bahn wie Stuttgart 21 noch fragwürdiger“, sagt der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter. Experten kritisieren, dass S21 dringendere Bahn-Projekte kannibalisiere. Für den geplanten Stuttgarter Tunnelbahnhof sind die Kosten bereits vor Baustart von 3,1 auf 4,1 Milliarden Euro explodiert. Die zugehörige ICE-Neubaustrecke wird mindestens weitere 2 Milliarden Euro kosten.

Thomas Wüpper

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare