Autofahren Level 4

Weltneuheit an der Allianz Arena? Mercedes-Benz und VW arbeiten an Revolution

Fahrerlos auf Parkplatz-Suche: Eine S-Klasse von Mercedes-Benz fährt ohne Insassen durch das Parkhaus P6 am Stuttgarter Flughafen.
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Fahrerlos auf Parkplatz-Suche: Eine S-Klasse von Mercedes-Benz fährt ohne Insassen durch das Parkhaus P6 am Stuttgarter Flughafen.

Volle Parkhäuser sind vielen Autofahrern ein Graus. Doch künftig könnten Autos ganz ohne Fahrer einen Parkplatz finden. Erste Tests dazu laufen.

  • Der Weg zu selbst-fahrenden Auto in Deutschland ist noch weit.
  • In den USA sind die ersten fahrerlosen Autos zwar bereits im Testbetrieb. In Deutschland könnte das aber noch dauern.
  • Doch beim automatisierten Parken nähert sich die Vision der Realität. In Stuttgart könnten sich schon bald Autos automatisch ihren Parkplatz suchen - ganz ohne Fahrer.

München - Wer mit dem eigenen Auto in der Innenstadt unterwegs ist, oder am Flughafen nach einem Stellplatz im Parkhaus sucht, braucht schon mal starke Nerven. Rampen und Parkplätze sind häufig ziemlich eng und während der Reisesaison oder samstags auch noch knapp.

Doch Besserung ist in Sicht. Denn weltweit arbeiten die Hersteller nicht nur am automatisierten Fahren, sondern auch am automatisierten Parken, im Branchenjargon Automated Valet Parking (AVP) genannt.

Einen Blick in die automobile Zukunft und das AVP gibt es jetzt am Flughafen Stuttgart. Im Parkhaus P6 hat Mercedes-Benz gemeinsam mit Bosch und dem Parkhaus-Betreiber Apcoa einen Test gestartet. Auch am Flughafen Braunschweig arbeitet Volkswagen mit der TU Braunschweig und Apcoa an einer vergleichbaren Technologie. 

Automatisiertes Parken (AVP): High-Tech von der App bis zur Bezahl-Schranke

Nach den Vorstellungen der Unternehmen sollen Autofahrer ihr Fahrzeug künftig nach der AVP-Reservierung per App und dem Durchfahren der Schranke auf einer so genannten Drop-Zone einfach abstellen und via App Bescheid geben. Dann fährt das Auto alleine los, sucht sich einen passenden Parkplatz und parkt vollautomatisch ein – und das komplett ohne Fahrer. Das geht selbstverständlich auch umgekehrt. Nach der Landung am Flughafen ruft der Fahrer sein Auto via App, das kurz darauf brav im Pick-up-Bereich zur Abfahrt bereitsteht. An der Schranke erkennt ein Kamera-System das Kennzeichen, öffnet die Schranke und rechnet dann automatisch über die entsprechende App ab.

Die Zukunft des Parkens ist zum Start nicht ganz billig. Für das AVP-Paket in der neuen S-Klasse, die im Dezember auf den Markt kommt, wird ein Beitrag „im unteren vierstelligen Euro-Bereich“ fällig, heißt es bei Mercedes. Weitere Baureihen mit Stern sollen folgen.

Auch die Parkgebühr für das automatisierte Parken dürfte höher ausfallen als gewöhnlich. Zum Start in Stuttgart werden zusätzlich zum eigentlichen Parken noch mal 15 Euro für AVP extra fällig. Der Betrag entspricht dem klassischen Valet-Parking am Airport der Schwaben-Metropole, bei dem Mitarbeiter einen freien Parkplatz suchen und das Auto abstellen.

Automatisiertes Parken (AVP): Kameras behalten alles Blick

Aber die schöne neue Parking-Welt kostet eben. Alleine im P6 in Stuttgart hat Bosch rund 180 Kameras installiert. Dazu kommt der Aufwand für die Rechner. Sie leiten das Auto zum gebuchten Parkplatz. Dabei kommunizieren die Rechner via WLan mit den entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen. Anfahren, blinken oder bremsen übernimmt die Technik im Auto, die Signale für die Fahrt zum freien Parkplatz kommen vom Rechner, der wiederum die Signale der Kameras verarbeitet und die Strecke vorgibt.

Gemessen an der weltweit üblichen Kategorisierung der Fahrunterstützungssysteme entspricht AVP der Stufe 4. Sie steht für das voll-automatisierte Fahren, bei der das Fahrzeug den größten Teil seiner Fahrt selbständig navigiert. Die entsprechende Technologie soll in der Lage sein, auch schwierige Verkehrssituation wie Baustellen oder ausparkende Autos zu erkennen und eigenständig zu reagieren, also etwa auszuweichen oder vollständig abzubremsen.

Automatisiertes Parken (AVP): Allianz-Arena, Messe München und Elbphilharmonie sind heiße Kandidaten

Derzeit läuft der Test in Stuttgart noch in einem eigens abgesperrten Bereich im P6. Sobald die Behörden die Genehmigung erteilt haben, soll der Regelbetrieb unter Echtbedingungen aufgenommen werden. Dann könnten auch Fußgänger oder andere Fahrzeuge die Bahn der S-Klassen kreuzen.

Wenn alles gut läuft, soll das System in den kommenden Jahren auch in weiteren Parkhäusern installiert werden. Als mögliche Standorte wären nach Angaben eines Apcoa-Sprechers Parkhäuser an Messen, Konzerthallen, Stadien oder Flughäfen besonders geeignet. „In München kommen dafür die Allianz-Arena und die Messe München in Frage“, sagte ein Apcoa-Sprecher am Dienstag gegenüber Merkur.de*. Auch der Berliner Flughafen BER, der Airport Düsseldorf oder die Elbphilharmonie in Hamburg dürften es auf die Shortlist schaffen.  *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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