Immer weniger Bezahlabos

Netflix kämpft erbittert um neue Kunden und will nervöse Anleger beruhigen - aber der Aktienkurs fällt

Nach einem Abo-Boom bei Netflix im ersten Halbjahr, werden nun immer weniger Bezahlabos abgeschlossen. Das macht besonders die Anleger nervös.

  • Netflix hat aktuell mit einer sinkenden Nachfrage zu kämpfen.
  • Das hängt unter anderem mit wachsender Konkurrenz und mangelnden Film- und Serienhits zusammen.
  • Die Netflix-Aktie fiel zeitweise um sechs Prozent.

Los Gatos - Im ersten Halbjahr dieses Jahres kam es aufgrund der Corona-Pandemie zu einem regelrechten Abo-Boom beim Streaminganbieter Netflix. Dieser Kundenandrang hat nun aber stark nachgelassen. Unterm Strich kamen im dritten Quartal nur 2,2 Millionen Bezahlabos dazu, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Damit verfehlte Netflix die eigene Prognose und konnte auch die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. Dies liegt unter anderem an dem enormen Wettbewerb im Streaming-Geschäft, der dem Marktführer zu schaffen macht. An der Börse zeigen sich bereits die Auswirkungen: Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise um sechs Prozent, der Kurs hatte jedoch seit Jahresbeginn bereits um 62 Prozent zugelegt.

Hatten Serienhits wie „Tiger King“ in Kombination mit der erhöhten Streaming-Nachfrage in der Corona-Pandemie in den beiden Vorquartalen mit 15,8 Millionen beziehungsweise 10,1 Millionen neuen Nutzern noch für einen großen Ansturm gesorgt, flaute das Wachstum nun kräftig ab. Zwar konnte Netflix nach eigenen Angaben mit Produktionen wie dem Action-Thriller „The Old Guard“ mit Oscar-Preisträgerin Charlize Theron oder „Project Power“ mit Jamiye Foxx punkten, insgesamt hielten sich die Blockbuster aber in Grenzen.

Netflix: Kein Produktionsstopp wegen Corona - neue Filme 2021

Auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als 6,8 Millionen neue Kunden hinzukamen, sah es im abgelaufenen Quartal sehr viel bescheidener aus. Der Gewinn legte im Jahresvergleich zwar um 19 Prozent auf 790
Millionen Dollar (668 Millionen Euro) zu, blieb aber ebenfalls unter den Erwartungen der Wall Street. Der Umsatz stieg derweil um rund 23 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar und übertraf die Prognosen etwas.
Für das laufende Quartal rechnet Netflix mit 6 Millionen neuen Kunden - hier hatten Analysten wiederum mit mehr gerechnet.

Befürchtungen, die Corona-Pandemie könne das Angebot des Streaming-Giganten dauerhaft beeinträchtigen, trat Co-Vorstandschef Ted Sarandos jedoch entgegen. Die Produktionspipeline für 2021 sei annähernd intakt,
versicherte er. „Die Produktionen könnten etwas langsamer vorangehen, als wir geplant hatten, aber im Wesentlichen sind wir zurück im Geschäft“, sagte Sarandos in einem Video-Interview. So seien etwa die Produktionen der neuen Staffeln von Serienhits wie „Stranger Things“ oder „The Witcher“ schon wieder gestartet worden.

Netflix: Starke Konkurrenz durch Hulu und Amazon Prime

Dass Netflix sich zuletzt schwertat, dürfte auch am verschärften Konkurrenzkampf liegen. Neben etablierten Rivalen wie Hulu oder Amazon Prime setzt auch der Hollywood-Riese Disney inzwischen voll auf
Streaming. Vergangene Woche erst kündigte der Kontrahent, dessen Vergnügungsparks aufgrund der Pandemie zurzeit lahmgelegt sind, einen Konzernumbau an, der Online-Videodienste wie Disney+ künftig zum klaren Schwerpunkt des Geschäfts machen soll. Zudem kamen mit WarnerMedias HBO Max und Comcasts Peacock zuletzt weitere neue Streaming-Services hinzu, die mit Netflix um Zuschauer buhlen.


Das Management ist sich des erhöhten Wettbewerbsdrucks durchaus bewusst. „Wir sind begeistert, gegen Disney und eine wachsende Anzahl weiterer Akteure anzutreten“, hieß es im Brief an die Aktionäre zwar
selbstbewusst. Doch Netflix wolle seinen Service so schnell wie möglich weiter verbessern, um „Jedermanns erste Wahl für Online-Unterhaltung“ zu sein. Die Konkurrenz umfasse nicht nur Streaming, sondern auch andere Entertainment-Formen wie Videospiele oder von Nutzern erstellte Inhalte bei Youtube oder Tiktok. dpa

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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