Wirtschaft fürchtet Personalprobleme

Niedersachsen stehen Schlange für Rente mit 63

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Rente mit 63? Die Wirtschaft befürchtet personelle Engpässe.

Hannover - Die Wirtschaft befürchtet Personalprobleme: Zehntausende Niedersachsen bereiten sich auf einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben vor. Am Mittwoch hat das Bundeskabinett das schwarz-rote Rentenpaket beschlossen.

Danach sollen vom 1. Juli an alle Beschäftigten der Jahrgänge 1952 und älter schon mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können, sofern sie 45 Beitragsjahre vorweisen können. Die Arbeitgeber blicken mit Sorge auf diesen Termin. Ihnen droht auf einen Schlag ein Großteil der besonders erfahrenen Mitarbeiter vorzeitig abhanden zu kommen.

Allein in Niedersachsen arbeiten nach Daten der Arbeitsagentur derzeit noch mehr als 100 000 Menschen, die vom Alter her für einen Renteneintritt noch in diesem Jahr in Frage kämen. Wie viele davon wirklich die Kriterien der Bundesregierung erfüllen, weiß derzeit niemand genau. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass es gut jeder Dritte sein dürfte. Denn um in den Genuss der Rente mit 63 zu kommen, muss man nicht wirklich 45 Jahre lang eingezahlt haben. Angerechnet werden unter anderem die ersten zehn Jahre der Kindererziehung oder Zeiten, in denen Arbeitslosengeld I bezogen wurde.

Allein die Metallarbeitgeber in Niedersachsen fürchten, dass ihnen „6000 hoch qualifizierte Beschäftigte von heute auf morgen wegbrechen“. Dabei habe die Branche ohnehin schon Probleme, das richtige Personal zu finden. „Damit kann sich das Rentenpaket zum Brandbeschleuniger für die ohnehin schon große Not der Unternehmen bei der Besetzung neuer Stellen entwickeln“, sagte der Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, der HAZ.

Scharfe Kritik kommt auch vom Vater der Rente mit 67, Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Vom Rentenpaket gehe „ein absolut falsches Signal“ aus, zitierte die „Bild“-Zeitung aus einem neuen Buch Schröders, das Mitte Februar erscheinen soll. „Die Entscheidungen kosten nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kommen jedes Jahr wieder. Das führt in einigen Jahren unweigerlich zu der Frage: Müssen wir deswegen die Rentenbeiträge erhöhen?“, schreibt Schröder. Dann stehe man wieder vor Entscheidungen wie zu Zeiten der Agenda 2010. „Dann wird es wieder neue, schmerzhafte Rentenreformen geben müssen, damit die Rentenbeiträge für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlbar bleiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Die jetzt infrage kommenden Jahrgänge interessiert das freilich wenig. Sie planen bereits ihren Ruhestand. In den Personalabteilungen der Unternehmen wie auch bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) häufen sich die Anfragen. „Das Interesse ist riesengroß“, sagte ein DRV-Sprecher in Laatzen. Bei den Metallarbeitgebern berichten nach Verbandsangaben zwei von drei Personalchefs von Anfragen der Beschäftigten.

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