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Russisches Öl an deutschen Tankstellen? So einfach kann Putin ein Öl-Embargo umgehen

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Von: Lisa Mayerhofer

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Beim G7-Gipfel diskutieren westliche Staatschefs einen Ölpreisdeckel. Dabei gibt es jetzt schon Hinweise, dass Russland es schafft, das Öl-Embargo des Westens zu umgehen.

München – Trotz aller westlichen Sanktionen seit dem Angriff auf die Ukraine nimmt Russland weiterhin enorme Summen durch den Verkauf von fossilen Energieträgern ein. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte deshalb auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau die Einführung eines Preisdeckels vorgeschlagen, um die Einnahmen aus russischem Öl zu drücken. Die Umsetzung des Schritts gilt aber als äußerst schwierig.

Schon jetzt gibt es Hinweise, dass Russland es schafft, das Öl-Embargo des Westens zu umgehen. Eine Rolle spielt dabei Indien, das dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gerne sein Öl abkauft. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben indische Raffinerien in den vergangenen Monaten größere Mengen russisches Öl gekauft – und zwar mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Russisches Öl an deutschen Tankstellen: Indien als Hintertür

Da Indien das russische Öl mit hohen Rabatten kaufen kann, wird der Export zu einem lohnenswerten Geschäft. Recherchen des Wall Street Journal zufolge beliefern private indische Ölraffinerien nun den Weltmarkt – darunter Europa – vermehrt mit Diesel und Benzin, die russisches Öl enthalten. Doch diese Information würden die Verkäufer nicht offenlegen.

„Indische Raffinerien nehmen eindeutig beträchtliche Mengen an verbilligtem russischem Rohöl ab und führen dann einen beträchtlichen Anteil an raffinierten Produkten wieder aus dem Land aus“, sagte Craig Howie, Analyst bei der Finanzdienstleistungsgruppe Shore Capital, gegenüber der britischen Zeitung The Guardian. „In Anbetracht der hohen Benzin- und Dieselpreise sind die Gewinnspannen für die indischen Unternehmen vermutlich stabil.“ Er gibt aber auch zu bedenken, dass dieses Vorgehen dem Ziel des Westens zuwiderlaufe, die russische Wirtschaft und Kriegsmaschinerie zu behindern.

Es gibt mehrere Verschleierungstaktiken für russisches Öl

Für Öltransporteure gibt es dabei verschiedene Möglichkeiten, die Herkunft des russischen Öls zu verschleiern. Laut Guardian ist nämlich auch der Umschlag von Ölladungen von Schiff zu Schiff sprunghaft angestiegen. Daraus schließt die britische Zeitung, dass Öl von Schiffen unter russischer Flagge auf andere Schiffe umgeladen wird. Dabei müssten die Boote nur ihre automatischen Identifizierungssysteme abschalten, während sie das Öl verladen.

Darüber hinaus kann sich Russland eine Taktik des schon länger mit harten Sanktionen belegten Iran zu eigen machen: Das Land verzichtete einfach auf die Verwendung einer Währung beim Ölhandel und tauschte das schwarze Gold direkt gegen andere Produkte wie Edelmetalle, Lebensmittel oder Waffen, so der Guardian. Die Verkäufer können in allen Fällen das Öl dann einfach an nichtsahnende westliche Kunden weiterreichen.

So gibt es viele Möglichkeiten, russisches Öl trotz Embargo relativ leicht an deutsche Tankstellen zu bringen. „Wenn ein Land oder ein Ölunternehmen die Herkunft von Rohöl oder Ölprodukten verschleiern will, kann es dies sehr leicht tun“, sagte Ajay Parmar, ein Ölmarktanalyst beim Energiepreis-Informationsdienst ICIS.

G7-Gipfel auf Elmau: Diskussion um Ölpreisdeckel

Dies wird auch die Durchsetzung eines Ölpreisdeckels erschweren. Er würde tatsächlich nur funktionieren, wenn alle großen Abnehmerländer auch außerhalb der G7 sich beteiligen. Insbesondere große Länder wie China oder Indien, die trotz des Krieges weiter enge wirtschaftliche Beziehungen zu Russland unterhalten, müssten mit ins Boot geholt werden.

Diskutiert wird deshalb auch, ob die Preisobergrenze mithilfe bestimmter Dienstleistungen rund um russisches Öl durchgesetzt werden kann. Dazu zählen beispielsweise Versicherungen und Öltransporte per Schiff. Solche Dienstleistungen würden von den mitmachenden Ländern verboten. Eine Ausnahme gäbe es nur noch, wenn das russische Öl im konkreten Fall billig genug verkauft wird. So könnte es Russland auch erschwert werden, sein Öl in andere Abnehmerländer zu transportieren, die grundsätzlich mehr zahlen würden. (lma/dpa)

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