Tarifverhandlungen

Reisebranche droht ein Arbeitskampf

- Die laufenden Tarifverhandlungen in der Reisebranche stehen vor dem Scheitern - die Gewerkschaft ver.di fordert ein Gehaltsplus von 3,5 Prozent.

Der Reisebranche stehen unruhige Zeiten bevor. Neben der Zuspitzung der Krise in Ägypten müssen sich die Veranstalter und Reisebüros auf einen Arbeitskampf einstellen. Die Gewerkschaft ver.di droht, die seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen am Montag für gescheitert zu erklären. „Das wird so kommen, wenn die Arbeitgeber erneut kein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, sagte Verhandlungsführerin Ute Kittel der HAZ.

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Gehälter um 3,5 Prozent – mindestens sollen die Beschäftigten monatlich 90 Euro mehr erhalten. Zudem soll die Wochenarbeitszeit auf 38 Stunden sinken. Man strebe auch eine „Modernisierung der Tarifverträge“ an, erklärte Kittel. Vorrang habe jedoch zunächst eine „kurze und knackige“ Lohnrunde, bei der Laufzeit sei ver.di zu Zugeständnissen bereit.

Am Montag treffen sich die Tarifparteien zum vierten Mal. Bei den seit Monaten andauernden Verhandlungen habe es keine Annäherungen gegeben, sagte Kittel – auch weil die Arbeitgeber bisher kein Angebot auf den Tisch gelegt hätten. Um den Druck zu erhöhen, haben die Arbeitnehmervertreter zu Warnstreiks und anderen Protestaktionen mit Schwerpunkten in Hessen, Hamburg und München aufgerufen. Mitarbeiter von TUI Deutschland hatten bereits in der vergangenen Woche mit einer „kreativen Mittagspause“ für Fortschritte in den Verhandlungen demonstriert.

Die Arbeitgebervereinigung im Deutschen Reiseverband (DRV) werde nun ein „offizielles Angebot“ vorlegen, sagte Verhandlungsführer Volker Fasbender, ohne Details zu nennen. Die DRV-Tarifgemeinschaft vertritt rund 100 Mitglieder mit rund 17.000 Beschäftigten. Die Tarifverträge werden üblicherweise in der gesamten Branche mit ihren über 70.000 Beschäftigten angewandt.

Die Arbeitgeber haben den bestehenden Tarifvertrag Ende September vergangenen Jahres gekündigt. Ihr Ziel ist es insbesondere, die Entgelte im Vertrieb – also im Wesentlichen in den Reisebüros – künftig stärker an den Umsatz der einzelnen Mitarbeiter zu koppeln. „Wenn das nicht geschieht, riskieren wir eine Spaltung der Tariflandschaften“, sagte Fasbender.

Laut DRV-Tarifgemeinschaft drohen viele Reisebüros damit, ihre Mitarbeiter nicht länger nach Tarif zu bezahlen. Weil die Konkurrenz im Internet immer stärker wird, die Veranstalter ihre Reisen öfter direkt oder über andere Kanäle wie Aldi oder Lidl verkaufen und Fluglinien die Umsatzprovisionen gekürzt oder gestrichen haben, stehen die Inhaber unter Druck. Rund 7000 Reisebüros sind mittlerweile vom Markt verschwunden.

Die Gewerkschaft wehrt sich dagegen, dass die Entgelte der Mitarbeiter im Vertrieb von den Löhnen der Beschäftigten im Veranstalterbereich abgekoppelt werden. Es sei nicht akzeptabel, dass neu eingestellte Beschäftigte im Vertrieb bis zu 38 Prozent weniger verdienten und einen Teil der Vergütung abhängig vom Umsatz erhielten, erklärte ver.di.

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