Prognose für 2013

Strom und Gas werden im Schnitt 12 Prozent teurer

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Foto: 2013 werden die Verbraucher die Energiewende erstmal deutlich in ihrem Portemonaie spüren, prophezeihen Internet-Vergleichsportale wie Verivox und Toptarif.

Köln - Auf die deutschen Verbraucher rollen 2013 zum Teil massive Erhöhungen von Strom- und Gaspreisen zu. Für Januar und Februar haben nach Angaben der Internet-Vergleichsportale Verivox und Toptarif insgesamt mehr als 750 Stromversorger Preissteigerungen im Schnitt von rund 12 Prozent bekanntgeben.

Grund sind vor allem die höhere EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms, die Befreiung stromintensiver Unternehmen von der Abgabe sowie höhere Netzentgelte. Um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben, reichen die Versorger diese Belastungen zum Teil oder ganz an die Endkunden durch. Andere könnten eine Chance sehen, zusätzliche Gewinne zu machen. „Die Stromkonzerne nutzen die Steigerung der EEG-Umlage, um eigene Tariferhöhungen im Paket zu verstecken“, vermutet Jan Schust, Vorstand des Portals Tarifcheck24.

Doch das Argument greift nicht ganz. Eon liegt beispielsweise deutlich unter dem Preisaufschlag von gut 12 Prozent, der allein auf Umlagen und Abgaben zurückzuführen ist. Und selbst konzernunabhängige Anbieter wie Lichtblick räumen ein: „Bei den Margen kommt praktisch keiner an einer Erhöhung vorbei.“ Außerdem ist der Staat mit steuerlichen Abgaben der größte Profiteur der Preisrunde.

Aber nicht nur beim Strom, auch beim Gas sind die Preise in Bewegung geraten. Im Januar und Februar verlangen laut Verivox und Toptarif insgesamt 117 Gasanbieter mehr Geld. Im Schnitt liegt der Anstieg demnach zwischen sechs und sieben Prozent. Dagegen werde es bei etwa 20 bis 30 Gasanbietern um Schnitt um fast sechs Prozent günstiger.

Auch bei den Gaspreisen werden Netzentgelte für den Anstieg verantwortlich gemacht. Doch auf den Gasmärkten sind besonders die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien Ursachen für die hohen Preisausschläge. So stecken einige Unternehmen immer noch in langfristigen Gasbezugsverträgen, während sich andere teilweise oder ganz zu günstigeren Konditionen auf Spotmärkten bedienen können, wo zu Tagespreisen gekauft und geliefert wird.

Von schwerfälligen langfristigen Bezugsverträgen kann der Energieriese Eon ein Lied singen: Über Jahre war das Unternehmen unter anderem an feste Vereinbarungen mit dem russischen Giganten Gazprom gebunden. Als dann die Gaspreise auf den Spotmärkten fielen, lief Eon in eine Renditefalle. Im Gashandel schrumpften die Margen und brachten dem Unternehmen schließlich herbe Verluste. In schwierigen Nachverhandlungen erzielten die Düsseldorfer Mitte 2012 eine neue Vereinbarung, die Preise wurden angepasst.

Die Wasserpreise zeigen sich unterdessen vergleichsweise stabil - auf einem Markt ohne Wettbewerb. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhöhten sich die Entgelte für die Trinkwasserversorgung privater Haushalte zwischen 2005 und 2010 um 5 Prozent auf 1,65 Euro pro Kubikmeter und die jährliche Grundgebühr um knapp 10 Prozent auf 65,60 Euro. Für 2011 beziffert der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) den Anstieg der Trinkwasserpreise auf gerade einmal 1,0 Prozent.

Unklar ist noch, ob den Kartellämtern mit dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen GWB, das derzeit novelliert wird, ein stärkeres Instrument bei der Preisaufsicht von Gebührenunternehmen in die Hand gegeben wird. Kartellamtschef Andreas Mundt möchte, dass die Wasserversorger künftig effizient und kostengünstig wirtschaften und die Verbraucher keine unangemessenen Preise zahlen.

Doch Wasser ist ein besonderes Gut, kein Strom oder Gas. Es „ist keine übliche Handelsmarke, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandlet werden muss“, heißt es in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie von 2000. Dabei steht Deutschland im europäischen Vergleich glänzend da.

dpa

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