1. WLZ
  2. Wirtschaft

Trotz Tankrabatt: Grafik des Bundeskartellamtes beweist, wie Benzin und Diesel teurer werden

Erstellt:

Von: Markus Hofstetter

Kommentare

Der Tankrabatt sollte die Autofahrer in Deutschland entlasten, doch die Spritpreise steigen wieder. Schuld daran haben aber nicht nur die Mineralölkonzerne - es gibt weitere Faktoren.

Bonn - Der Tankrabatt, der Teil des Entlastungspakets der Bundesregierung ist, sollte Leuten, die auf das Auto angewiesen sind, zugutekommen. Die Absicht war es, durch eine auf drei Monate befristete Senkung der Spritsteuer ab dem 1. Juni den Benzinpreis um mindestens 30 Cent zu senken, den Dieselpreis um 14 Cent.

Zwar fielen die Spritpreise, doch die Freude währte nur kurz. Autofahrer müssen wieder mehr an den Zapfsäulen zahlen. Das beweist auch eine aktuelle Grafik des Bundeskartellamtes. Demnach fiel der durchschnittliche Dieselpreis Ende Mai um elf Cent, der Benzinpreis um knapp 30 Cent.

Doch seit dem 1. Juni zeigt sich eine gegenteilige Entwicklung, die Preise stiegen seitdem um bis zu acht Cent an. Ein Liter Diesel kostet inzwischen wieder über zwei Euro. Die Zahlen beruhen auf der Beobachtung der Preisentwicklung bei 15.000 deutschen Tankstellen durch das Bundeskartellamt.

Grafik des Bundeskartellamtes zum Entwicklung der Spritpreise
Die Grafik des Bundeskartellamtes zeigt, dass seit dem 1. Juni die Spritpreise wieder steigen © Bundeskartellamt

Steigende Spritpreise trotz Tankrabatt: Mineralölkonzerne sollen Kasse machen

Den Mineralölkonzernen wird in dieser Situationen vorgeworfen, Kasse zu machen. Es gibt unterschiedliche Forderungen, sie reichen von einer Abschöpfung der zusätzlichen Gewinne bis zu einer Zerschlagung der Konzerne.

Auch der Tankrabatt selbst wird kritisiert. So sagte Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Deutschen Presse-Agentur, dass die Subvention ein Fehler gewesen sei. „Denn der größte Teil der drei Milliarden Euro an Steuergeldern wird in den Taschen der Mineralölkonzerne landen.“

Steigende Spritpreise trotz Tankrabatt: Ukraine-Konflikt verstärkt Crack-Spread-Effekt

Das Steigen der Spritpreise liegt nicht nur am Gewinnstreben der Mineralölkonzerne und am Ukraine-Konflikt. Hinzu kommt laut dem Onlineportal Business Insider der sogenannte steigende Crack Spread. Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen Preisen für das ursprüngliche Rohöl und den Produkten, die Raffinerien daraus herstellen, wie Benzin und Diesel. Dieser Unterschied erhöht sich demnach schon seit November 2021. Der Ukraine-Krieg hat den Effekt enorm verstärkt, aber nicht ausgelöst.

Der Grund für den Anstieg des Crack Spread ist demnach ein begrenztes Angebot am Weltmarkt. Zwar erhöhte sich die weltweite Produktion der Raffinerien in 2021 von einem Tief wegen des Coronavirus in 2020 um gut zehn Millionen Barrel. Zuletzt hatte die Opec+ Anfang Juni eine weitere Produktionserhöhung angekündigt.

Steigende Spritpreise trotz Tankrabatt: Subvention sorgt für höhere Nachfrage

Doch gleichzeitig stieg auch die Spritnachfrage nach einem Tief in der Coronavirus-Pandemie wieder. Hinzu kam dann der durch den Ukraine-Krieg bedingte Ausfall von Russland als Spritexporteur für westliche Staaten. Das Riesenland produziert sogar weniger Rohöl, als mit der Opec+ vereinbart wurde. Das globale Angebot für Sprit ist also knapper geworden, die Nachfrage danach aber groß, und das führt zu höheren Preisen.

Der Tankrabatt könnte das Problem sogar noch verschärfen. Denn Rabatte sind Anreize, die die Nachfrage erhöhen. Eine höhere Nachfrage nach Sprit bei einem angespannten Angebot würde höhere statt niedrigere Preise bedeuten. Damit dürfte für Autofahrer in Deutschland das Tanken weiterhin kein Vergnügen sein.

Auch interessant

Kommentare