Unsicherheit über Kapitalflucht

US-Notenbank bremst Geldflut

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Foto: Das Gebäude der US-Notenbank in Washington.

Washington/ Berlin - Unbeeindruckt von der Kapitalflucht aus großen Schwellenländern hält die US-Notenbank an ihrem Kurs fest, die Geldflut zu bremsen. Die Sorge über die Auswirkungen auf die wichtigen Exportmärkte wächst.

Die Unsicherheit über die anhaltende Kapitalflucht aus großen Schwellenändern schürt die Nervosität an den Finanzmärkten. Weltweit kam es am Donnerstag zu weiteren Kursverlusten. Die US-Notenbank hatte am Vorabend entschieden, ungeachtet der Entwicklung an ihrem Kurs festzuhalten, ihre Geldflut zu bremsen, die Investoren zum Großteil auch dazu genutzt haben, das Kapital in vielversprechenden Schwellenländern anzulegen. Die Türkei, Indien, Brasilien und andere aufstrebende Wirtschaftsnationen stemmen sich mit aller Macht gegen den Abzug des Kapitals, das ihren Wirtschaftsboom in der Vergangenheit stark angeheizt hatte.

Die US-Notenbank (Fed) teilte am Mittwochabend mit, sie werde ihre monatlichen Käufe von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren zum zweiten Mal in Folge um 10 Milliarden Dollar reduzieren. Der Leitzins hingegen bleibe auf dem historischen Tiefstand zwischen Null und 0,25 Prozent.

Die Anleihekäufe sinken damit von insgesamt 75 auf 65 Milliarden Dollar (47,5 Mrd Euro) pro Monat. Experten hatten mit diesen Beschlüssen auf der letzten Sitzung der Fed unter der Leitung des scheidenden Notenbank-Chefs Ben Bernanke gerechnet. Am 1. Februar übernimmt seine bisherige Vize Janet Yellen den Vorsitz.

Die Notenbank erklärte, dass es wahrscheinlich erst einmal bei den Niedrigzinsen bleibe. Dabei richtet sie sich auch nach der US-Arbeitslosenquote, an deren Zielwert von 6,5 Prozent sie sich orientiert. Derzeit beträgt sie 6,7 Prozent. Die Lage auf dem Jobmarkt verbessere sich weiter, sei insgesamt aber noch wechselhaft. Für eine Zinsanhebung sei auch die Inflationsrate maßgebend, die t derzeit unter dem Zielwert von 2,0 Prozent liegt. 2013 betrug sie aufs Jahr gerechnet 1,5 Prozent. Der Leitzins befindet sich seit Ende 2008 auf dem Rekordtief.

Auf die Probleme der Schwellenländer ging die Fed, die allein der US-Konjunktur verpflichtet ist, in ihrer Mitteilung nicht ein. Weil sie ihre Flut des billigen Geldes langsam drosselt, ziehen Investoren in großem Maßstab Mittel aus den Regionen ab, die in den vergangenen Jahren von der Liquiditätsschwemme profitiert hatten. Allein die Aussicht auf einen Schwenk in Washington hatte im letzten Jahr für Turbulenzen an den Finanzmärkten der Schwellenländer gesorgt. Experten erwarten, dass die als „Tapering“ bezeichnete Drosselung auch in den kommenden Monaten weitergeht.

Große Schwellenländer hatten in den vergangenen Tagen zum Teil radikale Maßnahme beschlossen, um gegen die Kapitalflucht und den Kursverfall ihrer Währungen zu kämpfen. Die Türkei verdoppelte ihren Leitzins am Mittwoch auf 10 Prozent, wenig später folgte Südafrika ebenfalls mit einem Zinsschritt. Auch Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien und weitere aufstrebende Staaten, die von der Geldschwemme profitiert haben, stemmen sich gegen die dramatischen Folgen für ihre Wirtschaft. Die zuvor noch boomenden Staaten leiden unter einer starken Verlangsamung ihres Wirtschaftswachstums und steigenden Inflationsraten.

dpa

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