Baukonzern

Weiter Ringen um Hochtief - „Showdown“ beim Aktionärstreffen erwartet

- Krimi um Hochtief und kein Ende: Auch wenn es ACS in der kommenden Woche gelingen sollte, die angestrebte 30-Prozent-Marke bei Hochtief zu überspringen, ist die Schlacht um die Macht beim Baukonzern nicht geschlagen: Beobachter erwarten einen Hauptversammlungs-„Showdown“.

Das Ringen um die Macht beim Essener Baukonzern Hochtief bleibt spannend. Auch mit einem erfolgreichen Abschluss des Übernahmeangebots in der kommenden Woche hätte der Angreifer ACS noch nicht alle Trümpfe in der Hand. Spätestens bei der Hauptversammlung am 12. Mai könnte es zu einem Kräftemessen kommen, alle juristischen Finessen inbegriffen. Der Ausgang ist für beide Seiten ungewiss. Hochtief wehrt sich seit Monaten mit Händen und Füßen gegen die Übernahme - noch ist der Vorstand nicht chancenlos.

Gut zwei Monate nach der Vorlage will ACS am kommenden Donnerstag (3.2.) zunächst einmal das Endergebnis des Übernahmeangebots vorlegen. Vorausgegangen sind zwei Annahmerunden und eine Rücktrittsfrist für die Aktionäre von sieben Bankarbeitstagen. Bereits nach der ersten Annahmerunde war es ACS zunächst gelungen, mit einem Anteil von 30,33 Prozent knapp die angestrebte 30-Prozent- Schwelle zu überspringen. In der zweiten Runde konnte ACS seinen Anteil auf 31,59 Prozent weiter steigern.

Offen ist nun nur noch das Ergebnis nach Ablauf der Rücktrittsfrist: Sollte es ACS gelingen, dann auch weiterhin einen Anteil von über 30 Prozent an Hochtief zu halten, wäre dies ein wichtiger Etappensieg - aber nicht mehr. ACS könnte dann ohne weitere Beschränkungen seinen Anteil an Hochtief auf die geplante Zielmarke von 50 Prozent plus einer Aktie erhöhen, um so die Kontrolle bei Hochtief zu übernehmen. Das würde ACS je nach Börsenkurs bis zu eine Milliarde Euro kosten - viel Geld für den hoch verschuldeten spanischen Konzern.

Aber bereits um das Ergebnis nach Ende der Rücktrittsfrist ranken sich Spekulationen. Mögliche Hochtief-Unterstützer könnten auch die bereits ACS zum Tausch angebotenen Aktien an der Börse kaufen und dann von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch machen, sagte der Münchner Aktienrechtler Oliver Maaß von der Kanzler Heisse Kursawe Eversheds. In diesem Fall könnte ACS wieder unter die 30-Prozent-Schwelle fallen.

Auch wenn die Schwelle daraufhin nicht unterschritten wird, könnte sich hier ein langwieriger juristischer Konflikt entzünden: Denn Maaß zufolge ist es fraglich, ob es für Hochtief nicht schon ausreicht, wenn der ACS-Anteil auf der Basis des äußerst knappen Ergebnisses der ersten Annahmerunde unter 30 Prozent sinkt. Schließlich bauten beide Annahmerunden aufeinander auf.

Ein komplizierter Juristenstreit könnte auch auf der Hauptversammlung hohe Wellen schlagen. Möglicherweise könnten die Hochtief-Verteidiger diesen zum Anlass nehmen, um ACS das Stimmrecht abzuerkennen, vermutet Maaß. Geklärt werden müsste dieser Streit dann in einer jahrelangen gerichtliche Auseinandersetzung, so dass der Vorstoß der Spanier auf unbestimmte Zeit blockiert werden könnte.

Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rechnet dagegen mit einem erbitterten Streit um die Abstimmungsmehrheit bei dem bevorstehenden Aktionärstreffen. Bei einer sogenannten Präsenz von üblicherweise knapp über 60 Prozent bei den Hochtief-Hauptversammlungen könnte ein Anteil von gut 30 Prozent bereits ausreichen, um bei den bevorstehenden Neuwahlen zum Aufsichtsrat die eigenen Kandidaten durchzusetzen. Dann könnte ACS auch versuchen, den Vorstand abzusetzen.

„Da zählt am Ende jede Stimme. Das wird eine Millimeterentscheidung“, sagt Tüngler. Der Aktionärsschützer ist sich sicher, das beide Seiten hinter den Kulissen bereits mit Hochdruck versuchen, ihre Lager um sich zu versammeln. Aber vielleicht kommt alles auch ganz anders: Auch eine friedliche Einigung zwischen ACS und dem Hochtief-Vorstand halten Beobachter trotz allem weiter für möglich.

dpa

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